Wer am 30.09.2026 auf dem Campus der TU Cottbus unterwegs ist, könnte den Eindruck bekommen, der Sommer habe seinen Abschied vergessen. Der September war in Brandenburg wärmer und trockener als üblich – und selbst gegen Monatsende wurde es noch einmal ungewöhnlich warm.

Im Landesmittel lag die Durchschnittstemperatur bei 15,8 °C. Das sind etwa 2 °C mehr als im Klimamittel der Jahre 1961 bis 1990. Am 8. September kletterte das Thermometer in Cottbus und Coschen jeweils auf 30,4 °C. Dazu kamen rund 163 Sonnenstunden, während der langjährige Durchschnitt bei 156 Stunden liegt.

Wenig Regen, viel Wärme

Beim Niederschlag zeigte sich die andere Seite des Monats: In Brandenburg fielen rund 31 Liter pro Quadratmeter. Das langjährige Mittel liegt bei 45 Litern. Der September blieb damit rund 31 % unter dem Vergleichswert – für Böden, Pflanzen und alle, die auf Regen gehofft hatten, eine eher magere Bilanz.

Auch deutschlandweit fiel der Monat voraussichtlich warm aus. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes lag die September-Mitteltemperatur 2026 bei 15,9 °C. Das entspricht rund 2,6 °C über dem Klimamittel von 1961 bis 1990 und etwa 2 °C über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Damit gehört der September zu den zehn wärmsten Septembern seit Beginn der Messungen im Jahr 1881.

Was ein warmer September mit dem Klima zu tun hat

Ein einzelner Monat beweist für sich genommen noch keinen Klimatrend. Klima wird über statistische Eigenschaften von Wettererscheinungen beschrieben – über Mittelwerte, Extremwerte und Häufigkeiten. Für Vergleiche nutzt man üblicherweise Zeiträume von 30 Jahren, damit natürliche Schwankungen nicht gleich das ganze Bild verzerren. Der aktuelle 30-Jahres-Zeitraum ist 1991–2020, die WMO-Referenzperiode 1961–1990.

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Der Deutsche Wetterdienst weist zugleich auf längerfristige Veränderungen hin. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts haben sich die oberflächennahen Luftschichten über Land und Ozeanen deutlich erwärmt. Heiße Temperaturextreme nehmen zu, der Meeresspiegel steigt, und die Häufigkeit extremer Niederschläge verändert sich regional. Menschliche Aktivitäten gelten als Hauptursache. Eine zentrale Rolle spielt der Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen seit der vorindustriellen Zeit, vor allem durch Kohlendioxid aus Industrie, Verkehr, Landwirtschaft und Haushalten. Auch Abholzung und Bodenversiegelung wirken auf das Klima.

Für Deutschland reichen die ausreichenden Messdaten bis 1881 zurück. Das Jahresmittel der Lufttemperatur stieg von 1881 bis 2025 im Flächenmittel statistisch gesichert um 2,5 °C. Neun der zehn wärmsten Jahre seit 1881 traten nach 2000 auf. Deutschland erwärmte sich damit stärker als der weltweite Durchschnitt von etwa 1,4 °C – unter anderem, weil sich Landflächen schneller erwärmen als Meere. In den vergangenen 50 Jahren hat sich der Temperaturanstieg hierzulande und weltweit deutlich beschleunigt.

Die Zahl heißer Tage mit mindestens 30 °C Tagesmaximum stieg deutschlandweit seit den 1950er-Jahren von etwa vier auf derzeit durchschnittlich zwölf Tage pro Jahr und hat sich damit ungefähr verdreifacht. Hitzeperioden wurden häufiger und intensiver. Gleichzeitig sank die mittlere Zahl der Eistage mit einem Tagesmaximum unter 0 °C von 27 Tagen pro Jahr in den 1950er-Jahren auf zehn Tage.

Beim Regen ist die Lage weniger einheitlich. Die mittleren Sommerregenmengen blieben weitgehend unverändert, während es besonders im Winter statistisch signifikant feuchter wurde. Vor allem im Sommer nahm die Zahl aufeinanderfolgender Trockentage zu; Trockenphasen wurden häufiger.

Ein System aus Luft, Wasser, Eis und Boden

Das Klima beschreibt den mittleren Zustand der Atmosphäre über einen ausreichend langen Zeitraum und in einem bestimmten Gebiet. Dahinter steht ein Klimasystem, dessen Komponenten ständig miteinander wechselwirken: die Atmosphäre, die Hydrosphäre mit Ozeanen, Flüssen und Seen, die Biosphäre mit Fauna und Flora, die Lithosphäre als feste Erde sowie die Kryosphäre mit Eis, Gletschern und Permafrost.

Hauptantrieb ist die Sonneneinstrahlung. Sie erwärmt Atmosphäre und Erdoberfläche. Ein Teil der Wärmestrahlung entweicht in den Weltraum, ein anderer wird durch atmosphärische Gase zurückgehalten. Dieser Vorgang heißt Treibhauseffekt. Der natürliche Treibhauseffekt wird hauptsächlich durch Wasserdampf verursacht, hebt die globale Mitteltemperatur von etwa −18 °C auf knapp 15 °C an und macht Leben auf der Erde möglich. Menschliche Treibhausgasemissionen verstärken ihn jedoch und führen zu zusätzlicher Erwärmung.

Nicht alles reagiert gleich schnell: Die untere Atmosphäre verändert sich innerhalb von Minuten bis Tagen, tiefer Ozean, Eisschilde und Boden reagieren über Jahrhunderte bis Jahrtausende. Zusätzlich wirken Vulkanausbrüche, Schwankungen der Sonnenaktivität, Änderungen der Erdbahnparameter sowie menschliche Veränderungen der Atmosphäre und Landnutzung auf das System.

Die Folgen reichen vom Verschieben der Vegetationszonen bis zum Abschmelzen von Gletschern und polarem Eis. Die atmosphärische Zirkulation und die Niederschlagsverteilung verändern sich, der Meeresspiegel steigt. Die Arktis erwärmt sich schneller als andere Regionen. Schwindendes arktisches Meereis verstärkt diesen Prozess, weil dunkle Meeresflächen mehr Sonnenlicht aufnehmen als helle Eisflächen. Laut DWD hat der menschliche Einfluss das Klima stärker erwärmt als in jedem vergleichbaren Zeitraum der vergangenen mindestens 2000 Jahre.

Szenarien statt Glaskugel

Für Projektionen künftiger Entwicklungen werden Emissions- und Landnutzungsszenarien verwendet. RCP 8.5 steht für weitgehende Nutzung fossiler Energien und hohe Emissionen, RCP 2.6 für eine Begrenzung der globalen Erwärmung bis 2100 auf unter 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau. Im fünften IPCC-Sachstandsbericht wurden außerdem RCP 4.5 und RCP 6.0 betrachtet. Die Zahlen bezeichnen den zusätzlichen Strahlungsantrieb am Ende des 21. Jahrhunderts, bei RCP 8.5 beispielsweise 8,5 W/m² gegenüber 1861–1880.

Im sechsten Sachstandsbericht werden RCPs mit sozioökonomischen Entwicklungspfaden, den SSPs, kombiniert: SSP1 steht für nachhaltige Entwicklung, SSP2 für mittlere Entwicklung, SSP3 für regionale Rivalitäten und SSP5 für fossile Entwicklung. Besonders berücksichtigt werden SSP1-1.9 mit einer Begrenzung der Erwärmung bis 2100 auf unter 1,5 °C, SSP1-2.6 mit unter 2 °C, SSP2-4.5 und SSP3-7.0 als moderate Emissionspfade sowie SSP5-8.5 als Szenario mit der stärksten menschlichen Beeinflussung und weitgehender Nutzung fossiler Energien.

Höhere künftige Emissionen bedeuten höhere atmosphärische Konzentrationen und stärkere Temperaturanstiege. Klimamodelle simulieren die Auswirkungen dieser Annahmen. Die geringste Erwärmung wird bei einer schnellen Reduktion von Material- und Energieverbrauch und einem zügigen Wechsel zu erneuerbaren Energien erwartet. Für SSP1-1.9 wäre ab etwa Mitte des Jahrhunderts zusätzlich eine verstärkte aktive Entfernung von Treibhausgasen aus der Atmosphäre nötig. Bei verzögertem Klimaschutz wie in SSP2-4.5 oder bei weiterer Nutzung fossiler Brennstoffe wie in SSP5-8.5 fällt die Erwärmung deutlich stärker aus.

Die Auswirkungen der Klimapolitik werden in den Modellen erst nach etwa 15 bis 20 Jahren sichtbar. Die hohe Geschwindigkeit der Klimaänderung verursacht unter anderem Probleme für die Biodiversität. Jede vermiedene Tonne Treibhausgas trägt zur Begrenzung der globalen Erwärmung bei – auch wenn das im Alltag zwischen Mensa, Seminar und überfülltem Fahrradständer gern etwas weit weg klingt.

Klimamodelle liefern keine einzelne Zukunft, sondern mögliche zukünftige Zustände. Große Ensembles aus Projektionen erlauben statistische Aussagen über wahrscheinliche Entwicklungen und bilden unter anderem die Grundlage für den Deutschen Klimaatlas des DWD. Der Wetterdienst arbeitet an Verfahren zur Regionalisierung, damit sich die Folgen des globalen Klimawandels für Deutschland genauer beschreiben lassen.

Für RCP 8.5 wird in Deutschland für den Zeitraum 2071–2100