Wer am Mittwochabend, 21. Oktober, die Internetseite der Universität Göttingen aufrufen wollte, landete vorerst nicht beim Vorlesungsverzeichnis oder bei den üblichen Informationen, sondern im Wartungsmodus. Gegen 18 Uhr wurde die Uni-Seite vorsorglich vom Netz genommen. Grund ist eine weltweite Sicherheitslücke, wegen der zahlreiche Internetseiten in Niedersachsen und darüber hinaus vorübergehend nicht erreichbar sind.

Betroffen sind neben der Universität Göttingen unter anderem auch die Internetseiten des Landes Niedersachsen. Die Universität erklärte, die Maßnahme solle Daten und IT-Infrastruktur schützen. An einer Lösung werde gearbeitet; der reguläre Service soll schnellstmöglich wieder angeboten werden. Bis dahin informiert die Hochschule auf einer Notfall-Seite über die weitere Entwicklung, Kontaktmöglichkeiten und die Verfügbarkeit einzelner Webservices.

Wichtige Kontakte und Warnung vor Betrug

Die Telefonzentrale der Universität ist unter 0551 39-0 erreichbar und kann Gespräche vermitteln. Bei Notfällen und Störungen hilft die Störmeldezentrale unter 0551 39-20000 weiter. Für Studierende, Beschäftigte und Forschende ist das gerade praktisch – denn wenn die gewohnten Online-Wege plötzlich ins Leere laufen, wird selbst eine kurze Auskunft schnell zur Geduldsprobe.

Die Universität warnt außerdem vor Phishing-Mails und gefälschten Webseiten, die sich als Angebote der Hochschule ausgeben könnten. Offizielle Informationen sollen ausschließlich über die Notfall-Seite und die Social-Media-Kanäle der Universität veröffentlicht werden. Nachrichten mit ungewöhnlichen Links, dringenden Zahlungsaufforderungen oder der Bitte um Zugangsdaten gehören deshalb nicht einfach angeklickt, auch wenn das Uni-Logo darauf prangt.

Cybersicherheit ist längst Hochschulpolitik

Der Vorfall in Göttingen passt in eine Entwicklung, die über eine vorübergehend abgeschaltete Startseite weit hinausgeht. Cyberangriffe auf Hochschulen haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen – von Phishing- und Spam-Attacken bis hin zu mutmaßlich staatlich gesteuerten Operationen. Cybersicherheit ist damit zu einem zentralen Handlungsfeld für Hochschulen und Wissenschaftspolitik geworden.

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Das HIS-Institut für Hochschulentwicklung hat dazu die Studie „Cybersicherheit an Hochschulen: Föderale Ansätze und (gemeinsame) Wege“ veröffentlicht. Autor:innen sind Mathias Stein, Maren Lübcke und Harald Gilch; erschienen ist die Untersuchung am 1. Oktober 2025. Sie analysiert erstmals systematisch, wie die Bundesländer die Cybersicherheit an Hochschulen fördern.

Grundlage waren eine Dokumentenanalyse sowie zwei Befragungen von Wissenschaftsministerien und Computer Emergency Response Teams, kurz CERTs. Der Erhebungszeitraum lag im Sommer 2024. Die Studie untersucht unter anderem Ziele und Methodik, Rahmenbedingungen, die Ergebnisse der Befragungen, die Cybersicherheitssituation in allen 16 Bundesländern sowie Erkenntnisse und Bewertung. Ein Literaturverzeichnis gehört ebenfalls dazu.

16 Länder, unterschiedliche Wege

Ein einheitliches Muster gibt es demnach nicht. Einige Länder verfügen über umfassende Strategien und zentrale Anlaufstellen, andere setzen stärker auf autonome Lösungen der einzelnen Hochschulen. Unterschiede zeigen sich bei der institutionellen Verankerung von Zuständigkeiten, bei Unterstützungsleistungen und bei der Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Landesstrukturen.

Auch CERTs sind häufig für Hochschulen zuständig, werden von diesen aber vergleichsweise wenig genutzt. Den Handlungsrahmen prägen unter anderem die NIS-2-Richtlinie, Landes-IT-Gesetze und die Verteilung von Zuständigkeiten auf verschiedene föderale Ebenen. Das klingt sperrig, entscheidet in der Praxis aber mit darüber, wer im Ernstfall den Hörer abnimmt und wer Maßnahmen koordiniert.

Die Länderanalysen der Studie umfassen Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen.

Cybersicherheit wird in der Untersuchung ausdrücklich als strategisches und nicht ausschließlich technisches Handlungsfeld beschrieben. Hochschulen sollen Krisenmanagementprozesse etablieren und Zuständigkeiten eindeutig regeln. Ministerien sollen Unterstützungsstrukturen bereitstellen und den institutionellen Rahmen schaffen. Länderübergreifende Kooperation und systematischer Wissenstransfer gelten als wichtige Voraussetzungen für mehr Resilienz.

Die Studie ist als HIS-HE:Forum 3|2025 „Cybersicherheit an Hochschulen“ zum Download verfügbar. In Göttingen bleibt derweil die Notfall-Seite der wichtigste digitale Anlaufpunkt – und das Telefon manchmal der deutlich weniger elegante, aber zuverlässige Plan B.