Am Donnerstag, 5. November 2026, geht es an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) um eine Frage, die schnell hitzig wird: Wie soll Deutschland künftig an die DDR erinnern? Das Europa-Forum „Mehr als eine Fußnote! – Der Umgang mit der DDR-Geschichte“ findet von 16:30 bis 18:00 Uhr im Senatssaal HG 109, Große Scharrnstraße 59, 15230 Frankfurt (Oder), statt.

Veranstaltet wird die Diskussion von der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) und der Konrad-Adenauer-Stiftung. Der Eintritt ist kostenfrei. Wer dabei sein möchte, kann sich über die angegebene Veranstaltungsseite der Konrad-Adenauer-Stiftung anmelden. Für Rückfragen sind die Veranstalter unter +49 335 55344610 und eventmanagement@europa-uni.de erreichbar.

Zwischen Verharmlosung und Abwertung

Im Mittelpunkt stehen Möglichkeiten einer differenzierten Erinnerung an die DDR – zwischen der Verharmlosung von Verbrechen und einer pauschalen Abwertung des Lebens in diesem Staat. Denn über die DDR-Geschichte wird aktuell kontrovers diskutiert. Manche Menschen vermissen zugleich eine gesellschaftliche Anerkennung gelungener Lebenswege in der DDR.

Auch der Blick jüngerer Menschen kommt zur Sprache. Wer keine eigene DDR-Erfahrung hat, bezieht sich mitunter auf die DDR als Beispiel für Widerstand und Staatsskepsis. Das kann irritieren, vor allem dort, wo historische Kenntnisse dünn bleiben oder politische Begriffe durcheinandergeraten.

Auf dem Podium sitzen Linda Teuteberg, stellvertretende Vorsitzende von „Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V.“ und stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP, Dr. Maria Nooke, Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, sowie Prof. Dr. Rita Aldenhoff-Hübinger, Historikerin an der Europa-Universität Viadrina. Moderiert wird das Forum von Prof. Dr. Claudia Weber, Professorin für Europäische Zeitgeschichte an der Europa-Universität Viadrina.

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Welche Erinnerung ist angemessen?

Die Leitfragen reichen weit: Wie kann eine angemessene Auseinandersetzung mit der DDR aussehen? Wie lässt sich eine Erinnerung gestalten, die Biografien und Anderssein achtet, ohne demokratische Grundwerte infrage zu stellen? Und wie wird künftig an die DDR erinnert?

Der Streit darüber ist eingebettet in eine Aufarbeitung, die nach dem Ende der DDR und der deutschen Wiedervereinigung begonnen hat und bis heute nicht abgeschlossen ist. Im Zentrum stehen die Erforschung von Herrschaft und Verfolgung, die Aufklärung von Unrecht und der Umgang mit den Folgen der Diktatur.

Dazu gehört mehr als historische Forschung. Auch die Erfahrungen Betroffener sollen einbezogen, Quellen zugänglich gemacht und die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit einer überwundenen Diktatur und ihrem Erbe geführt werden. Beteiligt sind staatliche Einrichtungen, Forschungseinrichtungen, Gedenkstätten, Archive, Opferverbände und Initiativen.

Akten, Gerichte und offene Fragen

Die erhaltenen Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit dokumentieren die Tätigkeit der Staatssicherheit. Zugleich ermöglichen sie Betroffenen den Zugang zu Informationen über die eigene Geschichte. Gerade darin liegt Sprengstoff: Akten können Klarheit schaffen, aber auch alte Wunden wieder aufreißen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Aufarbeitung ist die Untersuchung von Fällen, in denen Unrecht in der DDR verborgen, verschwiegen oder erst später bekannt wurde. Die juristische Aufarbeitung befasst sich mit der strafrechtlichen Verantwortung für begangenes Unrecht, mit Strafverfolgung und Gerichtsverfahren.

Für politisch Verfolgte oder Geschädigte wurden nach 1990 Möglichkeiten zur Rehabilitierung, zur Wiederherstellung von Rechten und zur finanziellen Entschädigung geschaffen. Nach der Wiedervereinigung wurden außerdem zahlreiche Menschen auf eine frühere Tätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit überprüft. Hintergründe, Verfahren und die damit verbundenen Diskussionen gehören ebenfalls zur Geschichte der Stasi-Überprüfungen.

Auch die politische und historische Einordnung der DDR bleibt umstritten. Die Bezeichnung „Unrechtsstaat“ wird weiterhin diskutiert – nicht selten mit viel Ärger im Bauch und wenig Geduld auf beiden Seiten. Fortlaufend entstehen neue gesellschaftliche und wissenschaftliche Debatten über Fragen, Kontroversen und Entwicklungen.

Der zugrunde liegende Text zur Aufarbeitung beruht laut Artikel auf eigenen Recherchen, der Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur und der Auswertung von mehr als 750 empfohlenen Büchern; dabei wurde KI eingesetzt. Am 5. November dürfte im Senatssaal HG 109 trotzdem vor allem das Gespräch zählen: konkret, widersprüchlich und hoffentlich ohne vorschnelle Schubladen.