Im ehemaligen Kaufhaus Zeeck in Dessau ist am 11. Oktober 2026 die sechsmonatige Ausstellung „Algen | Schutt | CO2“ der Stiftung Bauhaus Dessau zu Ende gegangen. Die Bilanz fällt dabei nicht nach Abriss an, sondern nach Weiterdenken: Das Gebäude blieb Ausstellungsort und Nutzraum, alte Materialien wurden nicht einfach aussortiert.

Besonders sichtbar war eine Hainbuche, die während der gesamten Ausstellung im Inneren des Kaufhauses stand. Ihre Krone ragte aus der Südseite des Gebäudes. Der Baum war ein Werk des Office for Living Architecture (OLA) und selbst Teil der Ausstellung. Nun bekommt er mit Unterstützung der Stadt einen neuen Platz an der Kirche St. Georg – weiterhin in unmittelbarer Nachbarschaft zum ehemaligen Kaufhaus.

Materialien, Räume und neue Perspektiven

„Algen | Schutt | CO2“ war ein Gemeinschaftsprojekt der Stiftung Bauhaus Dessau und der Hochschule Anhalt. Die Intervention „renaissource“ thematisierte die „Wiedergeburt“ eines neuen Umgangs mit Ressourcen. Die Fachbereiche Design und Architektur der Hochschule Anhalt zeigten dazu gestalterische Perspektiven im Tapetenraum, im Glasraum und im Werkraum.

Das ehemalige Kaufhaus Zeeck, Kavalierstraße 72, war einst durch eine blaue Lamellenfassade mit dem Schriftzug „Magnet“ geprägt. Seit der deutschen Wiedervereinigung stand es größtenteils leer und wird nun schrittweise wieder genutzt. Seine bauzeitlichen Schichten bildeten den Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit dem Erbe der Moderne und dessen Auswirkungen auf die Gegenwart.

Die Ausstellung fragte nach Umweltverantwortung und danach, welchen Beitrag Gestaltung und Material zu gesellschaftlichen Veränderungen leisten können. Ressourcenschonung und Klimaneutralität wurden an der Gebäudetransformation verhandelt. Die frühere Aluminiumfassade diente als Ausstellungsdisplay, der ursprüngliche PVC-Boden wurde ausgebessert, statt ihn zu ersetzen. Nicht alles musste glänzen. Manches durfte einfach bleiben.

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Von „Gebrochener Verheißung“ bis „D-Mag“

Den Auftakt machte „Gebrochene Verheißung“ vom 29. März bis 12. Mai 2026. Kirchen und Kaufhäuser stehen mit markanter Architektur an zentralen Orten. Vier Stipendiatinnen entwickelten neue Ideen für diese öffentlichen Orte: Marius Busch, Maximilian Hartinger, Louis Volkmann und Karla Zipfel. Kuratiert wurde die Ausstellung von Karin Berkemann, gefördert von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Vom 19. Mai bis 31. Juli 2026 folgte „Using Design to Connect“. Drei Projekte beschäftigten sich mit einer nachhaltigeren, gerechteren und schöneren Gestaltung der Welt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Design Beziehungen gestalten und neu definieren kann. Beteiligt waren Julia Lohmann; Alberte Holmø Bojesen und Anna van der Lei vom Department of Seaweed; Francesca Tambussi mit Hyperburgers sowie Ezgi Mutluer, Leonardo Mesa Cabrera und Wencke Hamann mit VorOrt-Haus / Druckbar.

„Erbgut | D-Mag“ lief vom 4. August bis 27. September 2026. Das kulturelle Erbgut wurde als Sammlung von Einflussgrößen auf den heutigen Umgang mit der Lebenswirklichkeit betrachtet. Künstlerische Positionen stammten von Martin Maleschka, Nikita Vinokurov und Katrin Günther.

Studierende des Seminars „Editorial Design“ präsentierten außerdem ein neues Magazin der Reihe D-MAG: „Kaufhaus Z — inside out“. Darin ging es um das Gebäude, seine Bewohnerinnen, seine Geschichte und die direkte urbane Nachbarschaft. Die Leitung hatte Gerald Christ. Mitgearbeitet haben Angelina Berndt, Celina Elsner, Alena Goldmann, Sophie Greilach, Hannah Hieke, Helene Holz, Kristin Ittershagen, Mia Giulietta Künzler, Tien Long Pham, Nina Rehm, Lotte Sajitz, Enie Schiepe, Leon Sroka und Elias Troyke.

Das Jubiläumsjahr im Zeichen der Substanz

Der Blick auf das ehemalige Kaufhaus gehört in ein größeres Dessauer Bauhausjahr. 1926 zog das Bauhaus von Weimar nach Dessau, in eine von Industrie und Innovation geprägte Stadt. Dort erlebte die Hochschule für Gestaltung ihre erfolgreichste und produktivste Phase. Zum 100-jährigen Bestehen feiert die Stiftung Bauhaus Dessau das Jubiläumsprogramm „An die Substanz“ – mit einem Schwerpunkt auf Baumaterialien der Moderne und Gegenwart.

Zu den zentralen Ausstellungen gehört „Glas I Beton I Metall“ im Bauhausgebäude, Gropiusallee 38, vom 28. März 2026 bis 10. Januar 2027. Das Gebäude gilt als Beispiel für die Materialinnovationen der 1920er Jahre. Glas, Beton und Eisen verkörperten Walter Gropius’ Leitidee „Kunst und Technik – eine neue Einheit“.

Fotografien, Objekte, Dokumente und Geräte zeigen dort die materiellen, wirtschaftlichen und technologischen Grundlagen des Gebäudes und der Werkstattproduktion. Glas stand für Leichtigkeit, Transparenz, räumliche Durchdringung, Sauberkeit und Hygiene. Zu sehen ist unter anderem seine Verwendung für Laborgeräte und Haushaltsgefäße, darunter der Sintrax-Kaffeekocher und Durax-Kochgeschirr.

Die Panoramascheiben im Vestibül bestanden aus gewalztem, geschliffenem und poliertem Kristallspiegelglas. Sie waren 3,20 Meter hoch und 4,15 Meter breit. Beton wiederum besteht aus Zement, Kies, Sand und Wasser; zusammen mit Stahlgeflecht entsteht Stahlbeton. Anhand des Bauhausgebäudes werden Baustellenabläufe, Herstellung, Arbeitsschritte und Logistik der 1920er Jahre erläutert. Erprobt wurden unter anderem vorgefertigte Großbausteine aus Schlacke und Beton. Ein solcher Stein ersetzte zwölf Ziegel und machte das Mauern schneller und kostengünstiger.

Metall floss in Industrieprodukte, Leuchten und Möbel ein, die gemeinsam mit der Bauhausarchitektur gestaltet wurden. Im Gebäude hängen Heizkörper aus leichtem Stahlblech der Dessauer Firma Junkers & Co. Neben Arbeiten von Marianne Brandt und Marcel Breuer sind Werke von Hin Bredendieck und Max Krajewski zu sehen.

Im Bauhaus Museum Dessau, Mies-van-der-Rohe-Platz 1, war vom 13. Februar bis 12. Juli 2026 „Soda I Linsen I Fluff“ zu sehen. Antje Schiffers und Thomas Sprenger untersuchten im Auftrag der Stiftung die Herkunft und Herstellung von Baumaterialien. Dafür arbeiteten sie unter anderem mit Produzenten, Geologen und Industriemuseen zusammen. Ihre Reisen führten durch Sachsen-Anhalt und Brandenburg sowie nach Anatolien und Kuba; besucht wurden Zementanlagen, Flachglasproduktionen, Tagebaue und Ziegeleien.

Malerei und Zeichnung dienten als Mittel zur Kontaktaufnahme mit Produzenten. Großformatige Wandbilder halten unter anderem das Zementwerk Karsdorf und Landschaften der Sand- und Kiesgewinnung fest. Kantinentische des Zementwerks Karsdorf und Trocknungsregale der ehemaligen Ziegelei Westeregeln wurden zu Ausstellungsträgern.

Freitagsgruppe und Dessauer Bauhausbauten

Zum weiteren Programm gehörte die Veranstaltungsreihe „Freitagsgruppe“ im ehemaligen Kaufhaus Zeeck, Kavalierstraße 72, von April bis September 2026; die genauen Termine standen auf der Website der Stiftung. Die achtteilige Reihe behandelte Gestaltungsmöglichkeiten und Herausforderungen des sozioökologischen Wandels im globalen Zusammenhang. Ihr Name erinnerte an eine Freitagsgruppe, die der Architekt Ludwig Hilberseimer bis 1937 in seinem Berliner Büro veranstaltete.

Regelmäßige Führungen werden unter anderem zum Bauhausgebäude, zu den Meisterhäusern, zum Kornhaus, zum Historischen Arbeitsamt, zur Siedlung Dessau-Törten mit Haus Anton, zum Stahlhaus, zur Junkers-Lamellenhalle, zum Konsumgebäude, zu den Laubenganghäusern und zum Haus Fieger angeboten. Von der TU Braunschweig aus betrachtet liegt Dessau damit nicht bloß auf der Landkarte der Moderne, sondern mitten in einer laufenden Auseinandersetzung: mit Glas, Beton, alten Böden – und einer Hainbuche, die jetzt draußen weiterwächst.