Medizinstudium in OWL: Bochumer Studierende lernen patientennah in Klinik und Skills-Lab
Knapp 60 Medizinstudierende der Ruhr-Universität Bochum haben ihr klinisches Studium am Medizin Campus OWL begonnen. Begrüßt wurden sie im Hörsaal des Mindener Universitätsklinikums – dort, wo für viele der nächste, deutlich praktischere Abschnitt ihres Studierendenlebens startet.
In den kommenden zwei Jahren vertiefen sie an verschiedenen Standorten ihr medizinisches Wissen und sammeln Erfahrungen im Klinikalltag. Es ist der elfte Jahrgang, der den praktischen Teil des Studiums bei den Mühlenkreiskliniken, den Kreiskliniken Herford-Bünde und dem Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen absolviert. Die seit zehn Jahren bestehende Kooperation mit der Ruhr-Universität wurde in Minden mit einem Festakt begangen.
Von Bochum nach OWL – und nicht mehr für alles zurück
Das Medizinstudium in Ostwestfalen-Lippe läuft im Rahmen des Bochumer Modells über die Ruhr-Universität Bochum. Die ersten zwei vorklinischen Jahre und das erste klinische Studienjahr verbringen die Studierenden in Bochum. Im zweiten und dritten klinischen Studienjahr geht es an die Mühlenkreiskliniken und an das Klinikum Herford.
In OWL findet ab dem zweiten klinischen Studienjahr nicht nur praktischer, sondern auch theoretischer Unterricht statt. Dazu kommen schriftliche und mündliche Prüfungen, das Staatsexamen nach dem 10. Semester und nach dem Praktischen Jahr sowie formale Angelegenheiten wie die Scheinausgabe am Studienende. Für all das müssen die Studierenden nicht nach Bochum reisen. Das ist im hektischen Studienalltag vermutlich keine Kleinigkeit.
Wichtige Hinweise finden sie auf der Seite „Fachvertretungen“ und am Schwarzen Brett der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. Vor Ort im Campusgebäude helfen das Studiendekanat, die Lehrkoordination und die Fachschaft OWL weiter.
Lehre mit Patientennähe
Unterrichtet wird im integrierten Reformstudiengang Medizin, kurz iRM. Die Ruhr-Universität Bochum hat ihn auf Grundlage langjähriger Erfahrung und Ausbildungsforschung entwickelt. Das Curriculum ist nach Themen aufgebaut: Organsysteme und Krankheitsbilder werden fächerübergreifend vermittelt, statt fein säuberlich in einzelne Schubladen zu wandern. Praxis- und Patientenbezug spielen bereits ab dem ersten Semester eine große Rolle.
Hauptausbildungsstandort ist das Johannes Wesling Klinikum Minden, das JWK. 2016 bekam es ein neues Lehrgebäude mit zwei großen Hörsälen, Seminarräumen, einer Bibliothek und einer Lounge. In Skills-Labs können die Studierenden ärztliche Fertigkeiten üben, etwa Sonografie und Reanimation – erst einmal mit Zeit zum Nachdenken, bevor es im Klinikalltag schnell gehen muss.
Ein gefragtes Fach mit vielen Wegen
Humanmedizin kann man in Deutschland an 42 staatlichen und neun privaten Hochschulen studieren. Studienorte gibt es in nahezu allen großen Städten und Regionen. Bewerbungen an staatlichen Hochschulen laufen in der Regel über Hochschulstart.de.
Die Plätze bleiben knapp. Für das Wintersemester 2026/27 sind im zentralen Vergabeverfahren 10.683 Studienplätze vorgesehen, für das Sommersemester 2026 waren es 1.799. Im Wintersemester 2025/26 bewarben sich 31.543 Menschen auf 10.281 Plätze – durchschnittlich etwa 3,1 Bewerberinnen und Bewerber pro Platz. Die Nachfrage übersteigt das Angebot weiterhin deutlich.
Neu im zentralen Vergabeverfahren für das Wintersemester 2026/27 ist die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem. Sie bietet 36 Plätze an. Viele staatliche Hochschulen nehmen neue Studierende ausschließlich zum Wintersemester auf. Die größere Zahl an Plätzen im Winter bedeutet dabei nicht automatisch bessere Zulassungschancen; Bewerberzahl, Qualifikation und die Auswahlkriterien der jeweiligen Hochschule spielen ebenfalls eine Rolle.
Das staatliche Angebot verteilt sich unter anderem auf Aachen an der RWTH, Augsburg, Berlin an der Charité, Bielefeld, Bochum, Bonn, Dresden, Dresden/Chemnitz, Düsseldorf, Erlangen-Nürnberg/Bayreuth, Duisburg-Essen, Frankfurt am Main, Freiburg, Gießen, Göttingen, Greifswald, Halle-Wittenberg, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Heidelberg/Mannheim, Jena, Kiel, Köln, die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem, Leipzig, Lübeck, Magdeburg, Mainz, Mainz – Medizincampus Trier, Marburg, München an der LMU, Münster, Oldenburg, Regensburg, Regensburg/MedizinCampus Niederbayern, Rostock, Homburg an der Universität des Saarlandes, Tübingen, Ulm und Würzburg.
In Aachen, Augsburg, Bielefeld, Bochum, Bonn, Dresden, Dresden/Chemnitz, Düsseldorf, Duisburg-Essen, Frankfurt am Main, Freiburg, Greifswald, Halle-Wittenberg, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Heidelberg/Mannheim, Jena, Kiel, Leipzig, Lübeck, Magdeburg, Mainz – Medizincampus Trier, Marburg, München an der LMU, Oldenburg, Regensburg, Regensburg/MedizinCampus Niederbayern, Rostock, Homburg, Ulm sowie an der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem beginnt das Studium im Wintersemester. Winter- und Sommersemester gibt es an der Charité in Berlin, in Erlangen-Nürnberg/Bayreuth, Gießen, Göttingen, Köln, Mainz, Münster, Tübingen und Würzburg.
Die Technische Universität München führt den klinischen Studienabschnitt, hat aber keinen eigenen Studienbeginn. München gehört zu den größten Studienorten für Humanmedizin: Für das Wintersemester 2026/27 weist Hochschulstart dort 859 Plätze aus. Im vorklinischen Abschnitt kooperieren die Ludwig-Maximilians-Universität München und die Technische Universität München; klinisch verteilt sich die Ausbildung auf die jeweiligen Angebote beider Universitäten.
Auch private Hochschulen gehören zur Landschaft: die Universität Witten/Herdecke, die Medizinische Hochschule Brandenburg, die Paracelsus-Universität Nürnberg, die Kassel School of Medicine, die MSH Medical School Hamburg, der Asklepios Campus Hamburg, die MSB Medical School Berlin, die Universitätsmedizin Neumarkt am Mierisch Campus Hamburg sowie die Health and Medical University Potsdam/Erfurt. Witten/Herdecke, Brandenburg, die MSH, die MSB, die Universitätsmedizin Neumarkt am Mierisch Campus Hamburg und die Health and Medical University Potsdam/Erfurt bieten Winter- und Sommersemester an. In Nürnberg, Kassel und am Asklepios Campus Hamburg ist der Studienbeginn im Wintersemester; am Asklepios Campus handelt es sich um den klinischen Studienabschnitt.
Private Hochschulen haben eigene Aufnahmeverfahren und meist hohe Studienkosten. Die Universität Witten/Herdecke bietet ein Finanzierungsmodell an, bei dem die Kosten nach der Facharztausbildung zurückgezahlt werden können.
Reformmodell statt starrer Trennung
Im klassischen Regelstudiengang sind Vorklinik und Klinik weitgehend getrennt. Patientenkontakt beginnt dort typischerweise frühestens nach dem 4. Fachsemester. Modellstudiengänge verzahnen vorklinische und klinische Inhalte dagegen von Anfang an; Patientenkontakt kann schon im 1. Fachsemester möglich sein. Häufig wird nach Organsystemen gelehrt, wobei anatomische, physiologische, pathologische und therapeutische Inhalte zusammenkommen. Genau in diese Richtung arbeitet auch der integrierte Reformstudiengang Medizin in Bochum und OWL.
Modellstudiengänge gibt es in Aachen, Augsburg, Berlin, Bielefeld, Brandenburg, Dresden/Chemnitz, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Heidelberg/Mannheim, Köln, Oldenburg und Witten/Herdecke. Ein späterer Wechsel zwischen Regel- und Modellstudiengang ist allerdings schwierig und kann einen Zeitverlust von ein bis zwei Semestern bedeuten. Für die neuen Studierenden in Minden ist die Entscheidung ohnehin gefallen – nun stehen Hörsäle, Skills-Lab und Klinikflur auf dem Stundenplan.
