Pücklers Reisebriefe kehren chronologisch und illustriert zurück
Am 22. Oktober 2026 richtet sich der Blick an der TU Cottbus auf einen reisenden Fürsten, seine Briefe und eine ziemlich ungewöhnliche Buchgeschichte: Der Göttinger Wallstein Verlag veröffentlicht eine illustrierte Neuausgabe von Hermann von Pücklers „Briefen eines Verstorbenen“. Zwei Jubiläen geben den Anlass. Vor 200 Jahren, 1826, reiste Pückler von Muskau über Dresden und Weimar nach England – auf der Suche nach einer vermögenden Ehefrau.
Gefunden hat er dort keine Braut. Seine Gedanken kreisten weiterhin um Lucie, die er in den Briefen „Schnucke“ nannte. Die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz feiert zugleich Lucies 250. Geburtstag mit einer Ausstellung und weiteren Veranstaltungen.
Eine Buchausgabe mit eigener Geschichte
Die neue Ausgabe erscheint in Ganzleinen und im Schuber. Sie enthält durchgehende Illustrationen, benutzerfreundliche Abbildungshinweise und kapitelnahe Fußnoten. Anders als die Erstausgabe von 1831 beginnt sie chronologisch mit Band I.
Das war damals keineswegs selbstverständlich. Aus Verkaufsgründen wurde die ursprüngliche Ausgabe absichtlich nicht in zeitlicher Reihenfolge angelegt: Sie startete mit Band III. Erst nach Band IV kamen die Bände I und II heraus. Die Jubiläumsausgabe bringt die Texte nun in die chronologische Ordnung zurück.
Seit 1831 erschienen die „Briefe eines Verstorbenen“ weltweit in zahlreichen Auflagen und Ausstattungen. Auch in der DDR wurde das Werk 1987 bei Rütten & Loening veröffentlicht – in zwei Bänden, die alle vier ursprünglichen Bände enthielten. Der Preis damals: 39 Mark der DDR.
Pückler zwischen Scheidung und Geldsorgen
Nach 1815 war Pückler infolge der Wiener Konferenz vom Sachsen zum Preußen geworden. Europaweit bekannt, frisch geschieden und formal von Lucie getrennt, suchte er in England nach einer finanziell passenden Verbindung. Beide blieben bis zu ihrem Lebensende wohlhabend, waren zu jener Zeit aber wenig liquide. Das klingt nach Luxusproblem, war für den Fürsten offenbar trotzdem ziemlich drängend.
Lucie spielte später eine entscheidende Rolle für den Erfolg der Briefe als frühe, weltweit bekannte Reiseliteratur. Sie bewahrte Pücklers Schreiben sorgfältig auf und ordnete sie. Ohne diese Arbeit wäre aus dem privaten Briefwechsel womöglich nie jenes weit gereiste Buch geworden.
Hunderte Bilder, restaurierte Erinnerungen
Bearbeiter der Neuausgabe ist Dr. Rudolf Kreutner. Er trug hunderte Illustrationen, Grafiken und weitere Materialien zusammen – direkt in England ebenso wie aus fürstlichen Nachlässen. Personen, Gebäude und Dokumente wurden den jeweiligen Textstellen authentisch zugeordnet.
Zu den Bildquellen gehören Pücklers Erinnerungsalben. Kostbare Bände wurden für die Ausgabe restauriert. Beim Aufschlagen dürfte deshalb nicht nur der Text wirken: Da sind Papier, Leinen, Schuber und die sorgfältig gesetzten Hinweise, die aus einer Reisebeschreibung beinahe ein begehbares Archiv machen.
Der Verlag beschreibt die Ausgabe als bibliophile Kostbarkeit. Dank einer Förderung durch das Land Brandenburg kostet sie im Buchhandel 120 Euro. Für Studierende ist das kein kleiner Betrag; für eine aufwendig ausgestattete, restaurierte und chronologisch neu geordnete Ausgabe mit durchgehenden Bildern ist es zugleich eine konkrete Einladung an alle, die Pücklers Reise nicht bloß in Ausschnitten kennenlernen möchten.
