Ab Ende März 2027 hebt Ryanair erstmals vom Kassel Airport in Calden ab. Auf dem Flugplan stehen Palma de Mallorca und Lamezia Terme in Kalabrien – jeweils mit zwei Verbindungen pro Woche. Laut Flughafen sind die Tickets bereits buchbar.

Nach Mallorca geht es vom 31. März bis 30. Oktober 2027 immer mittwochs um 9:15 Uhr und samstags um 19:30 Uhr. Lamezia Terme wird vom 29. März bis 29. Oktober 2027 angeflogen: montags um 13:15 Uhr und freitags um 17:10 Uhr. Für Reisende aus Nordhessen klingt das nach Sonne statt Schneeregen – zumindest auf dem Papier.

Mehr Ziele, mehr Bewegung am Flughafen

Auch das innerdeutsche Angebot wächst. UKS und AIR UNIQON setzen die Verbindung nach Usedom fort. Friedrichshafen am Bodensee kommt neu dazu. Beide Ziele werden vom 14. Mai bis 15. Oktober 2027 jeweils freitags bedient: Der Abflug nach Usedom ist für 14:15 Uhr vorgesehen, nach Friedrichshafen geht es um 17:15 Uhr. Wöchentliche Sommerverbindungen nach Bozen in Südtirol und Sylt sind noch in Planung.

Flughafen-Geschäftsführer Lars Ernst bezeichnete die Ansiedlung Ryanairs als Erfolg für den Flughafen und die Region Nordhessen. Der Kassel Airport soll sich zugleich zu einem multifunktionalen Infrastrukturstandort entwickeln. Neben dem kommerziellen Luftverkehr sollen Potenziale in Verteidigung, Sicherheit, Zivilschutz und unbemannter Luftfahrt genutzt werden.

Der Kurs kommt nicht von ungefähr. Der Aufsichtsrat beschloss im Frühjahr eine strategische Weiterentwicklung des defizitären Flughafens. Seit seiner Eröffnung 2013 schreibt der Standort jedes Jahr Verluste. 2024 lag das Defizit bei knapp fünf Millionen Euro, für 2025 waren ebenfalls rund fünf Millionen Euro Verlust geplant.

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Ryanair setzt auf Druck bei den Kosten

Ryanair kritisiert die deutsche Luftverkehrsteuer sowie hohe Sicherheits-, Flugsicherungs- und Flughafengebühren. Die Airline fordert, diese Kosten abzuschaffen oder zu halbieren. Sollte das passieren, stellt sie zusätzliche Investitionen in Deutschland in Aussicht: 30 weitere Flugzeuge, neue Basen und 1.000 zusätzliche Arbeitsplätze.

Der Kassel-Airport-Einstieg fällt damit in eine angespannte Phase. Im Winterflugplan 2026/27 reduziert Ryanair das Angebot in Deutschland gegenüber dem Winter 2025/26 um rund 700.000 Sitzplätze – etwa zehn Prozent. Als Grund nennt die Airline hohe staatliche Zugangskosten und die aus ihrer Sicht „exorbitante“ Luftverkehrsteuer.

Am stärksten trifft es Berlin-Brandenburg. Ryanair schließt dort zum 24. Oktober seine Basis, sieben Flugzeuge samt Crews werden an wettbewerbsfähigere Flughäfen in anderen EU-Staaten verlagert. Das deutsche Angebot am BER halbiert sich laut Ryanair ungefähr; zwölf Strecken, unter anderem nach Gran Canaria, Palermo und Thessaloniki, fallen vollständig weg. Weitere Verbindungen werden reduziert. Berlin bleibt zwar im Streckennetz, Ryanair-Chef Eddie Wilson bezeichnete die Stadt aber als größten Verlierer. Passagiere hätten künftig weniger Auswahl und höhere Flugpreise.

In Hamburg wird das Angebot um etwa fünf Prozent gekürzt. Gleichzeitig baut Ryanair die Kapazität in Memmingen und Köln aus. Neu im Winterflugplan sind Verbindungen ab Saarbrücken und Friedrichshafen. Der deutsche Flugmarkt bleibt also ein ziemliches Hin und Her.

Neue Pläne zwischen Logistik und Drohnen

Am Kassel Airport wurde im August die Einrichtung des Hessischen Drohnenkompetenzzentrums durch die Technische Universität Darmstadt angekündigt. Das Land Hessen fördert das Zentrum mit acht Millionen Euro, betrieben wird es von der Technischen Universität Darmstadt.

Im Gewerbepark Kassel Airport soll außerdem Rheinmetalls „Logistics & Training Hub Kassel-Calden“ entstehen. Dafür sind rund 45 Millionen Euro Investitionen mit Unterstützung des Landes vorgesehen, etwa 100 Arbeitsplätze sollen entstehen. Die Erschließungsarbeiten laufen bereits.

Direkt am Flughafen plant Rheinmetall ein Drohnentestzentrum. Das Investitionsvolumen liegt bei bis zu fünf Millionen Euro, vorgesehen sind rund 30 Beschäftigte. Der Flughafen bekommt damit neben Start- und Landebahnen eine zweite, deutlich industriellere Perspektive.

Die Eigentumsverhältnisse bleiben dabei klar verteilt: Das Land Hessen hält 68 Prozent, die Stadt Kassel 14,5 Prozent, der Landkreis Kassel ebenfalls 14,5 Prozent und die Gemeinde Calden drei Prozent.

Leicht war die Geschichte des Standorts bisher nicht. Die einzige am Flughafen stationierte Sundair-Maschine wurde 2024 abgezogen, frühere Pläne mit anderen Airlines und Veranstaltern ließen sich laut Artikel nur schwer umsetzen. Nun sollen Ryanair, neue Inlandsziele, Rheinmetall und das Drohnenzentrum mehr Betrieb nach Calden bringen – während auf der Anzeigetafel künftig mittwochs um 9:15 Uhr der Mallorca-Flug wartet.