In der Nacht zum Dienstag hat die Erde in der Altmark kurz geruckelt. Das Erdbeben ereignete sich am 13. Oktober 2026 um 01:07 Uhr deutscher Zeit nahe Kalbe (Milde), zwischen Kalbe und Klötze im Altmarkkreis Salzwedel. Das Thüringer Seismologische Netz (TSN) bestimmte eine Magnitude von 2,4.

Rund 9.000 Menschen könnten die Erschütterung leicht gespürt haben; ein Modell kommt auf etwa 8.900. Häuser oder Straßen wurden nicht beschädigt, Verletzte wurden nicht erwartet. Der Beitrag des MDR wurde am 14. Oktober 2026 aktualisiert.

Ein Ruck, ein Knall, ein vibrierendes Bett

Aus Schwiesau kam die deutlichste Wahrnehmungsmeldung: Eine Person wurde von einem vibrierenden Bett geweckt und meldete Intensität IV. In Engersen hörte jemand einen dumpfen, lauten Knall, in Gardelegen wurde eine kurze Vibration bemerkt. Beide Meldungen wurden mit Intensität II eingestuft.

Erdbeben dieser Stärke können nahe am Epizentrum unter günstigen Bedingungen leicht spürbar sein. Möglich sind auch dumpfes Grollen oder einzelne knallartige Geräusche. Nachbeben waren zunächst nicht registriert worden.

Die Herdtiefe ließ sich nicht zuverlässig bestimmen. Für die Berechnung wurde deshalb eine Tiefe von 10 Kilometern angesetzt. Das Ereignis wird zunächst als natürliches, tektonisches Erdbeben eingeordnet. Hinweise auf einen Zusammenhang mit Bergbau oder Erdgasförderung gibt es nicht.

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Das automatische Modell berechnet jeweils null Todesopfer, Verletzte und Vertriebene. Auch schwer oder leicht beschädigte Gebäude werden mit null angegeben. Die modellierte maximale Intensität liegt bei etwa 2,7 bis 2,8 nach EMS-98.

Was in den Orten ankam

Für Klötze und Kalbe, die etwa 7,5 beziehungsweise 7,8 Kilometer vom Epizentrum entfernt liegen, berechnet das Modell EMS 2. Gleiches gilt für Kusey in rund 14,1 Kilometern Entfernung, Beetzendorf in 14,3 Kilometern und Gardelegen in 15,2 Kilometern. Für Mieste, etwa 18,1 Kilometer entfernt, wird ebenfalls EMS 2 angegeben.

In Gifhorn, Stendal, Uelzen und Helmstedt sollte das Beben dem Modell zufolge nicht spürbar gewesen sein. Ein bisschen unspektakulär klingt das alles erst einmal – bis man nachts von einem vibrierenden Bett geweckt wird.

Rekord in einer ruhigen Region

Fachleute bezeichneten das Beben als das stärkste bisher in der Altmark gemessene. Nach öffentlich verfügbaren instrumentellen Aufzeichnungen ist es das stärkste bislang nachgewiesene Erdbeben der Region. Die Altmark gilt als eine der seismisch ruhigsten Regionen Deutschlands.

Ganz ereignislos ist der Untergrund trotzdem nicht. Auch in erdbebenarmen Regionen können sich tektonische Spannungen an geologischen Störungen gelegentlich durch kleinere Beben entladen. Im Norden Sachsen-Anhalts treten vereinzelt außerdem Erdbeben auf, die durch Erdgasförderung oder Salzbergbau ausgelöst werden; für das Ereignis bei Kalbe gibt es dafür keinen Hinweis.

Der Katalog verzeichnet im Umkreis von 30 Kilometern drei Erdbeben ab Magnitude 1,0, darunter zwei ab Magnitude 2,0 und keines ab Magnitude 3,0. In den vergangenen 365 Tagen und zehn Jahren wurden dort laut Katalog keine weiteren Ereignisse ab Magnitude 1,0 erfasst.

Historische Überlieferungen berichten möglicherweise von einem spürbaren Erdbeben im Jahr 1680. Seine Stärke lässt sich nicht verlässlich bestimmen. Erwähnungen von Erdbeben in den Jahren 1012 und 1562 wurden in neueren Untersuchungen dagegen als nicht ausreichend belegt verworfen. Ein vergleichbares regional außergewöhnliches Ereignis war ein Beben der Magnitude 3,3 bei Schlieben in Brandenburg am 18. Oktober 2024.

Was EMS 2,8 eigentlich bedeutet

Die Europäische Makroseismische Skala, kurz EMS-98, dient in europäischen Ländern zur Bestimmung der Erdbebenintensität. Sie wurde 1998 grundlegend überarbeitet und trägt deshalb diese Bezeichnung. „Makroseismische Intensität“ meint dabei ausschließlich eine Klassifikation der Stärke von Bodenerschütterungen anhand beobachteter Auswirkungen in einem begrenzten Gebiet.

Anders als die Richter-Skala beschreibt EMS-98 nicht die freigesetzte Erdbebenenergie, sondern die Auswirkungen auf ein bestimmtes Gebiet. Die Angaben gelten als repräsentative Werte für Dörfer sowie Klein- und Großstädte, nicht für einzelne Punkte oder Gebäude. Bodenbedingungen oder geomorphologische Effekte werden nicht herausgerechnet.

Die Geschichte der Skala reicht zurück: 1988 wurde im Rahmen der Europäischen Seismologischen Kommission (ESC) vorgeschlagen, eine internationale Arbeitsgruppe zur Überarbeitung der seit mehr als 25 Jahren verwendeten MSK-64 einzurichten. Die ESC nahm den Vorschlag an. Nach mehr als drei Jahren Forschung und Entwicklung sowie einer fast fünfjährigen Testphase entstand die neue Skala; 1996 beschloss die ESC-Generalversammlung in Reykjavik per Resolution ihre Einführung durch die ESC-Mitgliedstaaten.

Die MSK-64 beruhte auf der Mercalli-Cancani-Sieberg-Skala von Sieberg aus dem Jahr 1932, auf den Versionen der Modifizierten Mercalli-Skala von 1931 und 1956 sowie auf der Medvedev-Skala von 1963. Ein Hauptziel der Überarbeitung war, die interne Vergleichbarkeit mit den verbreiteten zwölfstufigen Intensitätsskalen zu erhalten. Eine grundlegende Änderung hätte frühere Intensitätsangaben neu bewerten lassen und damit Studien zu Seismizität und Erdbebenrisiko auf Basis makroseismischer Daten erschwert.

Die Arbeitsgruppe musste unter anderem neue Bauwerkstypen, besonders erdbebensicher konstruierte Gebäude, berücksichtigen. Sie befasste sich mit der vermuteten Nichtlinearität zwischen den Intensitätsgraden VI und VII, verbesserte die sprachliche Klarheit und legte Regeln für Hochhäuser fest. Auch empirische Beziehungen zwischen Intensität und physikalischen Parametern starker Bodenbewegungen standen zur Debatte.

Die Skala sollte für Seismologie, Ingenieurwissenschaften und weitere Fachbereiche nutzbar sein, ebenso für historische Erdbeben. Überarbeitet wurde zudem die Bewertung makroseismischer Bodenfolgen wie Steinschlägen und Rissen in feuchtem Boden. Anforderungen waren außerdem Robustheit gegenüber kleineren diagnostischen Abweichungen, einfache Anwendbarkeit und die Anerkennung der EMS-98 als Kompromisslösung: Nicht jede praktische Unstimmigkeit lässt sich erfassen. Regionale und kulturelle Unterschiede sollten berücksichtigt werden.

Die EMS-98 gilt als erste Intensitätsskala, die ausdrücklich die Zusammenarbeit zwischen Ingenieurwissenschaften und Seismologie fördert. Zur Skala gehören ausführliche Anleitungen, Abbildungen und Anwendungsbeispiele. Das englische Original ist ebenso verfügbar wie Übersetzungen ins Französische, Italienische, Spanische und Chinesische; jeweils gibt es Kurzfassungen und Kernteile. Die als Testversion veröffentlichte EMS-92 liegt zusätzlich auf Russisch vor, weitere Übersetzungen der Kurzfassung und des Kernteils sind ebenfalls verfügbar.