TRYSUB: Nanopartikel und Elektronenbestrahlung für präzisere Krebsdiagnosen und Therapien
Am 1. Oktober 2026 klingt Krebsforschung längst nicht mehr nur nach Reagenzglas und Statistik. Im Verbundprojekt TRYSUB suchen Forschende nach neuen Wegen für Diagnose und Behandlung – mit Nanopartikeln, Elektronenbestrahlung und spezieller Bildgebung. Beteiligt sind das Deutsche Elektronen-Synchrotron (DESY) in Zeuthen, die Universität Potsdam und die Technische Hochschule Wildau.
Dr. Anna Grebinyk vom DESY kennt die Krankheit nicht nur aus Fachartikeln. Eigene Krebserfahrungen in ihrer Familie haben sie für ihre Forschung motiviert. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen speziell entwickelte Nanopartikel. Unter hochauflösenden Elektronenmikroskopen zeigen sie eine fußballähnliche Struktur – winzig genug, um lange im Blutkreislauf zu verbleiben.
Nanopartikel auf dem Weg zum Tumor
Tumorgewebe könnte für die Partikel eine Art Zielgebiet sein: Die Blutgefäße dort sind durchlässiger, außerdem verändern sich die Strukturen der Zellen. Deshalb sollen sich die Nanopartikel bevorzugt in Tumoren ansammeln und von Krebszellen aufgenommen werden. Untersucht wird, ob sie künftig Wirkstoffe gezielter zu Tumorgewebe transportieren können.
Eine weitere Idee: Werden die Nanopartikel mit Strahlung kombiniert, könnten sie Tumorzellen zusätzlich schädigen. Der Ansatz verbindet Therapie und Bildgebung und wird deshalb „theranostisch“ genannt. Für die neue Methode werden Nanomaterialien, optimierte Elektronenbestrahlung und spezielle Bildgebung zusammengeführt. Ziel ist, Tumore präziser zu erkennen und wirksamer zu behandeln.
Noch ist das keine Behandlung für den Klinikalltag. Die Forschung befindet sich in der präklinischen Phase; die untersuchten Verfahren sind nicht zugelassen und stehen Patientinnen und Patienten derzeit nicht zur Verfügung. Langfristig sollen daraus wirksamere Krebsbehandlungen entstehen – bis dahin bleibt allerdings noch einiges an Arbeit.
Forschung über Fachgrenzen hinweg
Prof. Dr. Frohme von der TH Wildau betont die Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche und internationaler Forschender. Auch Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sowie Studierende bringen ihr Wissen in TRYSUB ein. Genau diese Mischung aus Expertise, Nachwuchs und internationalem Austausch trägt das Projekt.
Am 23. Juli 2025 trafen sich die Beteiligten am PITZ-DESY in Zeuthen zu einem Statusseminar. Dort wurden Forschungsergebnisse ausgetauscht und die Labore des PITZ-DESY besichtigt. Ein eher sachlicher Programmpunkt – aber einer, bei dem Forschung plötzlich greifbar wird: Geräte, Labortüren, Gespräche über Daten und die nächste Versuchsreihe.
Millionen für die nächsten Schritte
Für die Umsetzung stehen bis Juni 2028 insgesamt rund 2,74 Millionen Euro zur Verfügung. Das Projekt wird vom Land Brandenburg und der Europäischen Union über das EFRE-Programm gefördert. Die EU beteiligt sich mit 1.646.370,41 Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).
Weitere 1.097.580,28 Euro finanzieren die Projektpartner. Davon entfallen 247.750,00 Euro auf die Universität Potsdam, 297.296,62 Euro auf die Technische Hochschule Wildau und 552.533,66 Euro auf DESY.
Für die Menschen, die heute an Krebs erkranken, kommt diese Forschung noch nicht unmittelbar zum Einsatz. Ihre Bedeutung liegt vorerst im Labor, in Messreihen und in der Frage, ob sich die kleinen Partikel tatsächlich zuverlässig lenken lassen. In Zeuthen, Potsdam und Wildau wird daran weitergearbeitet – Schritt für Schritt, manchmal vermutlich mit mehr Geduld als Glanz.
