An der TU Cottbus geht es um eine neue Verbindung in der Lausitzer Gesundheitslandschaft: Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem in Cottbus und die Technische Universität Dresden wollen künftig enger zusammenarbeiten. Ein Kooperationsvertrag soll am kommenden Mittwoch unterzeichnet werden, teilte das Brandenburger Wissenschaftsministerium mit.

Geplant ist eine strukturierte Zusammenarbeit in Forschung, Studium und Lehre, Fakultätsentwicklung und Administration. Außerdem sollen gemeinsame Forschungsprojekte im Rahmen der „Modellregion Gesundheit Lausitz“ entstehen. Als mögliche weitere Kooperation steht ein Doppelstudium im Raum.

38 Studierende zum Start

An der neuen Medizin-Universität in Cottbus haben 38 Studierende ihr Studium begonnen. Im Vollausbau sind jährlich etwa 200 Studienplätze für Erstsemester, 80 Professuren und 1.300 zusätzliche Stellen für Forschung und Lehre vorgesehen. Das ist eine Menge Aufbauarbeit – nicht nur in den Hörsälen, sondern auch hinter den Kulissen, bei Verwaltung, Kliniken und regionalen Partnern.

Die Medizinische Universität und die Akteure der Modellregion wollen gemeinsam die Gesundheitsversorgung in der Lausitz weiterentwickeln. Dafür soll ein digital unterstütztes Netzwerk der Gesundheitsdienstleister entstehen. Das Universitätsklinikum ist als „Digitales Leitkrankenhaus“ vorgesehen. Versorgung, Forschung und Lehre sollen enger zusammenspielen; neue Versorgungsmodelle werden datenbasiert erprobt.

Für das medizinische und pflegerische Personal sind unter anderem Telemedizin, virtuelle Sprechstunden und digitale Verwaltungslösungen gedacht. Ambulante und stationäre Leistungserbringer sollen sich besser vernetzen, Versorgungsdaten leichter austauschen und Behandlungspfade koordinieren können. In der Lausitz erhobene Daten sollen an der Universität ausgewertet werden. Modelle, die sich bewähren, könnten anschließend auch anderen vergleichbaren Regionen zugutekommen.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Vom Lehrkrankenhaus bis zur Patientenversorgung

Die Modellregion ist eng mit den Forschungsschwerpunkten Gesundheitssystemforschung und Digitalisierung des Gesundheitswesens verknüpft. Geplant ist die digitale Anbindung an die Forschungsinfrastrukturen der Medizinischen Universität, ebenso die Nutzung regionaler Versorgungsdaten für die Forschung sowie die Entwicklung und Erprobung neuer datenbasierter Versorgungsmodelle.

Auch die Ausbildung soll näher an die Praxis rücken. Externe Lehrpraxen und Lehrkrankenhäuser werden frühzeitig in die Lehre eingebunden. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, ambulante Zentren, Ärztenetzwerke und Krankenhäuser sollen sich beteiligen. Das Netzwerk bietet Raum für Praktika sowie interprofessionelle, digitale und praxisnahe Lehrformate. Studierende sollen dadurch früh Einblicke in den Berufsalltag erhalten – nicht erst, wenn der erste lange Dienstplan auf dem Tisch liegt.

Forschung, Lehre und Versorgung sollen Innovationen schneller in die Patientenversorgung überführen. Mittel- und langfristig soll die Modellregion Impulse für die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems in Deutschland geben. Ziel ist eine qualitativ bessere und effizientere medizinische Versorgung.

Nach der Gründung des Innovations- und Netzwerkrats fand ein Workshop zur Abstimmung und Weiterentwicklung des Zielbilds statt. Vereinbart wurden fünf zentrale Handlungsfelder:

  • Weiterentwicklung der Versorgung
  • digitale Vernetzung der Modellregion
  • Gesundheitssystemforschung und Digitalisierung des Gesundheitswesens
  • Stärkung von Prävention und Gesunderhaltung
  • interprofessionelle Ausbildung und Zusammenarbeit

Der Innovations- und Netzwerkrat setzte sich freiwillig außerdem das Ziel, die Krankheitslast und die Krankheitskosten in der Bevölkerung zu stabilisieren oder gegebenenfalls zu senken. Die Bevölkerung soll die digitale Patientensteuerung nutzen können, damit Patientenkontakte fallabschließend bearbeitet werden. Angestrebt werden zudem bundesweit führende Zufriedenheitswerte der Mitarbeitenden in interprofessionellen Teams. Die genannten Ziele und Kriterien sollen erstmals nach fünf Jahren evaluiert werden.

Warum digitale Daten dabei eine Rolle spielen

Digitalisierung gilt in Deutschland als zentrale Voraussetzung für eine moderne, effiziente und zukunftssichere Gesundheitsversorgung. Sie kann die Kommunikation beschleunigen, Verwaltungsabläufe effizienter machen und Faxnachrichten sowie Papierformulare ersetzen. Patientendaten sollen dort und zu dem Zeitpunkt verfügbar sein, an dem sie gebraucht werden – für eine qualitativ hochwertige, wirksame und menschenzentrierte Behandlung.

Werden Gesundheitsdaten systematisch und sicher ausgewertet, kann das die Erkennung von Krankheiten erleichtern, eine individuell ausgerichtete Versorgung ermöglichen und neue Heilungschancen eröffnen. Mobile Anwendungen können Patientinnen und Patienten außerdem dabei unterstützen, selbstbestimmt am Behandlungsablauf teilzunehmen und ihre Gesundheitskompetenz zu stärken. Voraussetzung bleibt, dass Gesundheitsdaten unter Wahrung der informationellen Selbstbestimmung erhoben und genutzt werden.

Das Bundesministerium für Gesundheit hat in den vergangenen Jahren den rechtlichen und organisatorischen Rahmen für die digitale Transformation geschaffen und weiterentwickelt. Die Gesundheitsversorgung soll auf allen Ebenen besser werden, Strukturen für ein modernes und datenbasiertes Gesundheitswesen sollen entstehen, und der Versorgungsalltag soll bedarfsgerechter werden. Für Patientinnen und Patienten, Angehörige, Ärztinnen und Ärzte sowie andere Leistungserbringende soll daraus ein konkreter Nutzen entstehen.

Zu den Schwerpunkten gehören die Betriebsstabilität der Telematikinfrastruktur (TI), die Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte für alle (ePA für alle) und des elektronischen Rezepts (E-Rezept), eine stärkere Interoperabilität sowie Vorbereitungen für digitale Elemente des geplanten Primärversorgungssystems. Auch die Nutzungsmöglichkeiten von Gesundheitsdaten für Forschung, Innovation und Versorgung sollen verbessert werden.

Im Februar 2026 veröffentlichte das BMG eine weiterentwickelte Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen und die Pflege. Sie entstand auf Grundlage eines breit angelegten Beteiligungsprozesses und berücksichtigt globale, europäische und nationale Entwicklungen, den Aufbau des Europäischen Gesundheitsdatenraums (EHDS) sowie Fortschritte im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Die Digitalisierung wird darin als wesentliche Säule der Gesundheitsversorgung etabliert.

Vorangetrieben wird die digitale Transformation unter anderem durch das Digitalgesetz (DigiG), das Gesetz zur verbesserten Nutzung von Gesundheitsdaten (GDNG) und das Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG). Das DigiG legte insbesondere die Einrichtung der elektronischen Patientenakte für alle gesetzlich Versicherten fest. Das GDNG verbessert und fördert vor allem die Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschung und Innovation. Das GeDIG greift zahlreiche Punkte der weiterentwickelten Digitalisierungsstrategie auf und enthält Maßnahmen für nahezu alle digitalisierungsrelevanten Bereiche des Gesundheitssystems.

Hinzu kommen der Auf- und Ausbau digitaler Infrastruktur, die Einführung digitaler Services und Anwendungen, der Aufbau des Forschungsdatenzentrums Gesundheit (FDZ) beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sowie die Weiterentwicklung des Interoperabilitätsverzeichnisses der gematik zu einer Wissensplattform. Digitale Innovationen werden unter anderem im Rahmen des Innovationsfonds, durch experimentelle Pilotprojekte und durch regional oder thematisch ausgerichtete Fördermaßnahmen erprobt.

Orientierung für Patientinnen und Patienten

Eine Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger ist das Nationale Gesundheitsportal gesund.bund.de. Es bietet wissenschaftlich fundierte, neutrale und verständliche Informationen zu ausgewählten Gesundheitsthemen, Krankheiten und Behandlungsmöglichkeiten. Damit soll es informierte Entscheidungen gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten erleichtern, das Wissen über Gesundheit nachhaltig erhöhen, die Gesundheitskompetenz stärken und die Patientensouveränität fördern.

Zusätzliche Suchangebote helfen bei der Orientierung im Gesundheitswesen: Arzt-, Krankenhaus- und Apothekensuche, ICD-Code-Suche und OPS-Code-Suche. Das Portal informiert außerdem über Krankheiten, Pflegeleistungen, Patientenrechte sowie digitale Gesundheitsangebote wie die ePA, Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) und Telemedizin.

So sollen Bürgerinnen und Bürger digitale Angebote einordnen, individuelle Vorteile erkennen und digitale Entwicklungen im Gesundheitswesen nachvollziehen und nutzen können. Bereitgestellt werden auch weitere Informationen zur Digitalisierungsstrategie für Gesundheitswesen und Pflege sowie zur Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschung und Versorgung. Viel Stoff also für eine Modellregion, die gerade erst anfängt, ihre Netzwerke zu knüpfen.