Wer sich für Zeitgeschichte interessiert, kann ab dem 12. November 2026 direkt vom eigenen Schreibtisch aus zuhören und mitdiskutieren: Das Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) Potsdam lädt zum Online-ZZF-Kolloquium im Wintersemester 2026/27 ein. Bis zum 11. Februar 2027 stehen elf Veranstaltungen auf dem Programm. Am 4. Februar gibt es wegen der Winterferien keinen Termin.

Die Teilnahme ist kostenlos. Externe Gäste können ohne Anmeldung über Zoom dazukommen – auch aus Mannheim oder von irgendwo sonst in Brandenburg, Deutschland. Beginn laut Veranstaltungsangabe ist am 12. November 2026 um 10:15 Uhr, das Ende ist für den 11. Februar 2027 um 11:30 Uhr angegeben. Das Veranstaltungsformat umfasst Vortrag, Kolloquium und Vorlesung; thematisch geht es um Geschichte/Archäologie und Gesellschaft.

Elf Sitzungen, viele Blickwinkel

Das Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) bezeichnet die Reihe als Institutskolloquium (IK). Grundsätzlich finden die Sitzungen donnerstags um 10:00 Uhr c.t. im Großen Seminarraum am Neuen Markt 9d statt. Für externe Gäste ist die digitale Teilnahme vorgesehen. Jede Sitzung besteht aus einem 45-minütigen Vortrag und einer anschließenden moderierten Diskussion. Wissenschaftlerinnen aus dem In- und Ausland stellen ihre Projekte vor und sprechen darüber mit dem Publikum – ein Forum für neue zeithistorische Ansätze, kritische Debatten und die Vernetzung innerhalb der zeithistorischen Community.

Den Auftakt macht Helmut Walser Smith von der Vanderbilt University und dem Wissenschaftskolleg zu Berlin. Sein Vortrag trägt den Titel „Putting the 68ers in their Place (and Time): Critical Reflections on Generations and Memory Culture in Southwest Germany, 1980–2000“. Moderiert wird die Sitzung von Ulrike Schaper.

  • 19.11.2026: Beatrice de Graaf (Utrecht University) spricht über „Gottespolitik. Die Rückkehr der Religion in der Außenpolitik, 1979 bis heute“. Moderation: Frank Bösch.
  • 26.11.2026: Mate Rigo (LMU) widmet sich „Escape Routes into Empire: Foreign Legionnaires between France’s War in Vietnam and Divided Europe“. Moderation: Carolyn Taratko.
  • 03.12.2026: Jan-Otmar Hesse (Universität Bayreuth) präsentiert „Kobolde, Paradise und Oasen: Die Geschichte der Unternehmensbesteuerung im 20. Jahrhundert“. Moderation: Lena Senoner.
  • 10.12.2026: Carsta Langner (Friedrich-Schiller-Universität Jena) spricht über „Da ich in dieser unsicheren schnelllebigen Zeit auf Nichts mehr so recht vertraue«. Migrationspolitik und migrantische Perspektiven im Umbruchjahr 1990“. Moderation: Andreas Charis.
  • 17.12.2026: Leonie Wolters (ZZF Potsdam) fragt: „Alternative Nachrichtenagenturen, Dekolonisierung und Entwicklung. Oder: wie die Welt langweilig wurde“. Moderation: Christoph Claasen.
  • 07.01.2027: Benjamin Möckel (Universität Göttingen) untersucht in „Die ‘Zeit’ der Demokratie: Zeitstrukturen und temporale Diskurse in der parlamentarischen Praxis in Deutschland und Frankreich nach 1945“ die zeitlichen Dimensionen demokratischer Praxis. Moderation: Gabriele Metzler.
  • 14.01.2027: Stephen Milder (Bundeswehr Universität München) spricht über „Die Erfindung der Klimapolitik. Deutschland und die Entstehung des internationalen Klimaregimes“. Moderation: Christopher Neumaier.
  • 21.01.2027: Almuth Ebke (Universität Mannheim) stellt „Gott und die Welt. Die Inspiration der Bibel und das Konzept der Moderne, ca. 1860–1978“ vor. Moderation: Achim Saupe.
  • 28.01.2027: Esther Möller (Philipps-Universität Marburg) widmet sich „Als die Boote in die andere Richtung fuhren. Flucht und Migration aus Europa in den Nahen Osten und nach Nordafrika (ca. 1900–1950)“. Moderation: Isabella Löhr.
  • 04.02.2027: Wegen der Winterferien findet keine Veranstaltung statt.
  • 11.02.2027: Lisa Malich (Universität Lübeck) spricht über „Eine Naturwissenschaft werden: Zum Aufstieg der Verhaltenstherapie in der Klinischen Psychologie (1950–1980)“. Moderation: Rüdiger Graf.

So kommt man in den Zoom-Raum

Für die digitale Teilnahme steht dieser Zoom-Link bereit. Die Meeting-ID lautet 881 8607 0548, der Kenncode 407111. Eine Anmeldung ist für externe Gäste nicht nötig. Organisiert wird das Kolloquium von Rüdiger Graf, Isabella Löhr und Carolyn Taratko; die Moderation übernehmen jeweils Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler des ZZF Potsdam.

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Hinter der Reihe steht ein Institut, das deutlich breiter arbeitet als die einzelnen Donnerstagstermine vermuten lassen. Zur wissenschaftlichen Arbeit des ZZF gehören neben Direktion und Public History fünf Abteilungen: „Kommunismus und Gesellschaft“, „Wissen – Wirtschaft – Politik“, „Medien- und Informationsgesellschaft“, „Regime des Sozialen“ sowie „Globalisierungen in einer geteilten Welt“.

Seit 2024 koordiniert außerdem das Leibniz-Lab „Umbrüche und Transformationen“ die Forschungsarbeit von 28 Leibniz-Einrichtungen. Partizipative Formate wie die „Moving Labs“ sollen Erkenntnisse aus früheren Krisen und Umbrüchen für Gegenwart und Zukunft nutzbar machen. Der Leibniz-Forschungsverbund „Wert der Vergangenheit“ verbindet 21 Leibniz-Einrichtungen mit zahlreichen internationalen Kooperationspartnern und untersucht, welchen Stellenwert Vergangenheit für Gesellschaften in Geschichte und Gegenwart hat.

Forschung, Lehre und digitale Öffentlichkeit

Das 1996 gegründete ZZF ist national und international unter anderem über ein Gastwissenschaftlerinnen-Programm vernetzt. Rund 50 Promovierende forschen am Institut. Gemeinsam mit der Freien Universität Berlin bietet das ZZF seit dem Wintersemester 2008/09 den praxisorientierten Masterstudiengang „Public History“ an.

Gemeinsame Berufungen verbinden das Institut unter anderem mit der Universität Potsdam, der Freien Universität Berlin und der Europa-Universität Viadrina. Darüber hinaus kooperiert das ZZF mit zahlreichen Hochschulen in Forschung, Lehre und Nachwuchsausbildung. Zu den zentralen Aufgaben zählen Grundlagenforschung, Wissenstransfer und die Bereitstellung von Forschungsinfrastruktur.

Public History vermittelt zwischen dem ZZF, Hochschulen und Einrichtungen der angewandten Geschichtsvermittlung – etwa Museen und Gedenkstätten. Digitale Angebote bereiten Fachwissen für die historisch interessierte Öffentlichkeit, Medien und die historisch-politische Bildung auf. Mit „Zeitgeschichte Digital“ verfügt das Institut über eine eigene digitale Forschungsinfrastruktur für die Zeitgeschichte.

Forschungsergebnisse erscheinen in vier eigenen Buchreihen sowie in weiteren renommierten Verlagen und begutachteten Fachzeitschriften. Online gehören „zeitgeschichte | online“, „Docupedia Zeitgeschichte“, „Visual History“ und das Open-Access-Peer-Review-Journal „Zeithistorische Forschungen“ zum Angebot.

Geleitet wird das ZZF von einer Doppelspitze: Direktor ist Prof. Dr. Frank Bösch, Direktorin Prof. Dr. Gabriele Metzler. Als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft wird das Institut institutionell durch das Land Brandenburg, die Ländergemeinschaft und den Bund gefördert. Zusätzlich wirbt das ZZF Drittmittel für Forschungsvorhaben ein.