Am 2. Oktober 2026 entscheidet sich, ob Niedersachsen wieder mindestens eine Exzellenzuniversität bekommt. Die Bekanntgabe, welche Universitäten und Universitätsverbünde als neue Exzellenzstandorte ausgewählt und künftig gefördert werden, fällt damit schon am kommenden Freitag. Für drei Bewerber aus dem Land geht es um viel – und für Göttingen schwingt ein Stück Hochschulgeschichte mit.

Im Rennen sind die Leibniz-Universität Hannover (LUH), die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) sowie die Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg gemeinsam mit der Universität Bremen. Der Verbund tritt als „Northwest Alliance“ an. Deutschlandweit bewerben sich elf Hochschulen um fünf verbleibende Plätze. Zehn bestehende Exzellenzuniversitäten haben das Begutachtungsverfahren bereits erfolgreich abgeschlossen und werden weiter gefördert.

Drei Bewerbungen, drei unterschiedliche Profile

Die formale Hürde ist für die niedersächsischen Bewerber genommen: Sie müssen an mindestens zwei Exzellenzclustern beteiligt sein. Der Verbund Oldenburg/Bremen ist sogar an drei Clustern beteiligt. Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD) strebt mindestens eine Exzellenzuniversität im Land an.

Die LUH bewirbt sich unter dem Titel „Excellence. Impact. Change! United in the Spirit of Leibniz“. Ihr Fundament bilden drei erfolgreiche Exzellenzcluster. Bei „PhoenixD“ geht es um die Nutzung von Lichtfrequenzen für abhörsichere Quantenkommunikation. „Quantum Frontiers“ arbeitet an der hochgenauen Bestimmung des Erdschwerefelds mit einem Quantengravimeter. „Hearing 4 all“ forscht zu Hörimplantaten und biologischen Therapien und wird gemeinsam mit der MHH betrieben.

Die MHH nennt ihr Konzept „Inspire-future-Health“. Darin beschreibt sie ein Gesundheitsversorgungssystem, das Forschung, Lehre und Krankenversorgung in einem Gesundheits-Ökosystem verbindet. Grundlage ist das P4-Konzept: Prävention, Prädiktion, Präzisionsmedizin und Partizipation. Ein ziemlich großer Anspruch – aber einer, der direkt zum Profil einer medizinischen Hochschule passt.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Universitäten Bremen und Oldenburg gehen als „Northwest Alliance“ mit dem Titel „Connecting for Tomorrow“ ins Verfahren. Oldenburg ist ebenfalls am Cluster „Hearing 4 all“ beteiligt. Zwei weitere Cluster widmen sich der Biodiversitäts- und Meeresforschung sowie „Navi-Sense“, der Erforschung der Navigationsfähigkeit von Tieren.

39 Fachleute, drei Besuche in Niedersachsen

Entscheiden wird die Exzellenzkommission. Ihr gehören das von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) eingesetzte internationale „Committee of Experts“ und die Wissenschaftsministerinnen und Wissenschaftsminister von Bund und Ländern an. Über Anträge und Antragsskizzen urteilen also sowohl die Fachleute als auch die politischen Mitglieder der Kommission.

Das Committee of Experts besteht aus 39 ausgewiesenen Forschenden aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten und bildet das gesamte Disziplinenspektrum ab. Die Mitglieder bringen langjährige Erfahrungen etwa im Ausland, im Hochschulmanagement, in der Lehre oder in der Wirtschaft mit. Vorgeschlagen werden sie der GWK gemeinsam vom DFG-Senat und der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrats.

Der oder die Vorsitzende des Wissenschaftsrats sowie der Präsident oder die Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gehören dem Committee of Experts ohne Stimmrecht an und führen gemeinsam den Vorsitz. Das Gremium legt Förderbedingungen fest, bewertet Skizzen und Anträge auf Grundlage fachwissenschaftlicher Begutachtungen, gibt Förderempfehlungen an die Exzellenzkommission und entscheidet, welche Skizzen zur Antragstellung berechtigen. Außerdem bewertet es die Ergebnisse der Evaluation der bereits geförderten Exzellenzuniversitäten.

In den vergangenen Monaten besuchten 39 internationale Fachleute die Bewerberhochschulen und prüften deren wissenschaftliche Eignung. Bei den drei Besuchen in Niedersachsen waren laut Landesregierung Wissenschaftsminister Mohrs und Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) beteiligt. Man kann sich vorstellen, dass dabei nicht nur PowerPoint-Folien, sondern auch reichlich Kaffee im Spiel waren.

Ein Programm mit langer Vorgeschichte

Die Exzellenzstrategie ist ein dauerhaftes Förderprogramm von Bund und Ländern und basiert auf einer Verwaltungsvereinbarung. Sie umfasst zwei Förderlinien: Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten. Über die Cluster werden international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an deutschen Universitäten und Universitätsverbünden finanziert. Zuständig dafür ist die DFG.

Seit Januar 2026 werden 40 Exzellenzcluster an 43 deutschen Universitäten gefördert. Die Förderlinie für Exzellenzuniversitäten stärkt Universitäten und Universitätsverbünde dauerhaft institutionell. Voraussetzung ist eine erfolgreiche Beteiligung an Exzellenzclustern; Ziel ist der Ausbau der internationalen Spitzenstellung in der Forschung. Seit 2019 werden zehn Universitäten und ein Universitätsverbund als Exzellenzstandorte unterstützt.

Für die Förderlinie Exzellenzuniversitäten ist der Wissenschaftsrat zuständig. Sie umfasst sowohl die Evaluation der bisher geförderten Exzellenzuniversitäten und des Exzellenzverbundes als auch ein Neuausschreibungsverfahren für antragstellende Universitäten und Universitätsverbünde.

Bund und Länder erhöhten das Gesamtbudget der Exzellenzstrategie von 533 auf 687 Millionen Euro pro Jahr. Das Geld finanziert 40 Exzellenzcluster und die Exzellenzuniversitäten. Die Förderperiode läuft von 2027 bis 2033. Ziel des Programms ist es, wissenschaftliche Spitzenleistungen zu fördern, Profilbildungen und Kooperationen im Wissenschaftssystem zu unterstützen, Leistungsspitzen in der Forschung auszubilden und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu stärken. Auch die Qualität des Hochschul- und Wissenschaftsstandorts Deutschland insgesamt soll steigen.

Gestartet wurde das Programm 2005 zunächst als „Exzellenzinitiative“. Die Universität Göttingen erhielt 2007 den Status einer Exzellenzuniversität, verlor ihn 2012 aber wieder. Im aktuellen Verfahren schied Göttingen früh aus, weil die Universität keinen Exzellenzcluster einwerben konnte. Gerade hier, an der Uni Göttingen, liegt deshalb ein etwas spröder Hintergrund über dem anstehenden Freitag: Die Entscheidung betrifft Niedersachsen, aber sie erinnert auch daran, wie schnell ein großer Titel wieder weg sein kann.

Weitere Informationen zum Programm, zu den Exzellenzclustern und zu den Exzellenzuniversitäten gibt es auf www.exzellenzstrategie.de.