Heute, am 21. Oktober 2026, ist Japan mit seiner bislang größten Raumfahrtmission ins Sonnensystem aufgebrochen: Eine H3-Rakete startete vom japanischen Weltraumbahnhof Tanegashima mit der Raumsonde MMX – Martian Moons eXploration – an Bord. Mit dabei: der deutsch-französische Rover „Idefix“. Japans Regierungschefin Sanae Takaichi wünschte der Mission auf X Erfolg und eine gelungene Probenrückführung.

Das Ziel liegt nicht auf dem Mars selbst, sondern auf Phobos, einem seiner beiden kleinen Monde. „Idefix“ soll Anfang 2029 dort landen. Für etwa 100 Tage soll der rund 25 Kilogramm schwere Rover die Oberfläche erkunden; die Hauptsonde ist für zwei Landungen auf Phobos vorgesehen. Mindestens zehn Gramm Material aus einer Tiefe von mindestens zwei Zentimetern sollen schließlich zur Erde gelangen – nach Hayabusa und Hayabusa2 wäre das JAXAs dritte Probenrückführmission zu einem kleinen Himmelskörper.

Zwischen Asteroid und Einschlag

Phobos und Deimos sind neben dem Erdmond die einzigen Monde im inneren Sonnensystem mit den Gesteinsplaneten Merkur, Venus, Erde und Mars. Sie sind deutlich kleiner als unser Mond, dunkel, unregelmäßig geformt und bewegen sich auf nahezu kreisförmigen Bahnen nahe der Mars-Äquatorebene. Phobos kreist näher am Mars als Deimos.

Bei den Größenangaben kommt es auf die Messweise an: Phobos erreicht an seiner breitesten Stelle knapp 27 Kilometer, wird aber auch mit etwa 22 Kilometern beschrieben. Deimos hat einen Durchmesser von etwa 15 beziehungsweise rund 13 Kilometern. Für kosmische Maßstäbe sind beide Zwerge – und gerade deshalb ist ihre Herkunft so schwer zu knacken.

Eine Möglichkeit: Die Monde sind eingefangene Asteroiden aus dem Asteroidenhauptgürtel. Ihre dunklen Oberflächen und die geringe Dichte passen teilweise dazu. Die nahezu kreisförmigen Umlaufbahnen sprechen dagegen eher für einen gewaltigen Einschlag auf dem jungen Mars. Dabei könnte eine Trümmerscheibe entstanden sein, aus der Phobos und Deimos hervorgingen. Weitere Modelle nehmen wiederholte Bildung und Zerstörung von Monden aus einem Trümmerring an.

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Fernbeobachtungen reichen bislang nicht aus, um diese Szenarien auseinanderzuhalten. Asteroidentypische Bestandteile würden die Einfanghypothese stützen. Eine Mischung aus Marsgestein und Material des einschlagenden Körpers spräche eher für Kollisionsreste – wobei Marsgestein auf Phobos allein kein eindeutiger Beweis wäre, weil jüngere Einschläge Material dorthin geschleudert haben könnten.

Ein Rover fällt – und richtet sich wieder auf

Die Raumsonde ist etwa 5,3 Meter hoch und wiegt etwas mehr als 4,4 Tonnen. Ihr Antriebsmodul bringt 1.990 Kilogramm auf die Waage, enthält Treibstofftanks und ein Triebwerk mit etwa 500 Newton Schub. Das Service- und Rückkehrmodul wiegt 1.350 Kilogramm, trägt zwei Solarpaneele und eine Hochgewinn-Parabolantenne. Das Lande- und Erkundungsmodul kommt auf 150 Kilogramm.

Nach ungefähr einem Jahr Flug soll MMX 2027 den Mars erreichen und in eine Marsumlaufbahn einschwenken. Die Angaben zum Ablauf unterscheiden sich je nach Missionsplanung: Als Ankunft wird Juli 2027 genannt, andere Planungen sehen den Mars im August 2027. Rund zwei Monate später soll die Sonde einen Orbit um Phobos erreichen und mit den Beobachtungen beginnen. Im Februar 2029 ist vorgesehen, „Idefix“ aus einer Höhe zwischen 100 und 40 Metern abzusetzen; danach fällt der Rover auf die Oberfläche.

Das klingt zunächst nicht nach einer Landung im klassischen Sinn. Genau darin liegt der Kniff. Wegen seines geringen Gewichts und der winzigen Schwerkraft kann „Idefix“ direkt auf Phobos aufsetzen. Bislang ist laut DLR kein Radfahrzeug auf einem Himmelskörper mit weniger als einem Tausendstel der Erdanziehungskraft gefahren. „Absolutes robotisches Neuland“ nennt DLR-Projektleiter Markus Grebenstein die Landung und Fahrt.

Vor dem Start musste der Rover einiges aushalten, darunter einen Temperaturtest zwischen minus 170 und plus 70 Grad Celsius. Seine Karosserie besteht aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff. Nach einem Sturz soll er sich selbstständig aufrichten – hoffentlich ohne großes Drama, wobei niemand im Kontrollzentrum einfach mal schnell hinlaufen könnte.

Fahrwerk und Tragstruktur wurden bei Airbus in Bremen und am DLR-Standort in Bremen entwickelt, gebaut und getestet. „Idefix“ wurde vom DLR und der französischen Raumfahrtagentur CNES gebaut; fertiggestellt war er im Sommer 2023. Betrieben wird der Rover von den DLR-Kontrollzentren in Köln und Toulouse.

An Bord sind das vom CNES beigesteuerte miniRad-Radiometer zur Untersuchung der Oberfläche und das DLR-RAX-Spektrometer. Dazu kommen zwei Radkameras, die Räder und Untergrund beobachten, sowie zwei Navigationskameras. Untersucht werden unter anderem Topografie, Zusammensetzung, Mineralien, chemische Eigenschaften, Schwerkraft und Oberflächentemperaturen. Auch das Fahrverhalten auf lockerem Boden soll getestet werden. Die Vorerkundung hilft dabei, sichere Landeplätze für die Hauptsonde zu bestimmen.

Proben, Staub und Strahlung

Das Landemodul besitzt vier Landebeine, einen mechanischen und einen pneumatischen Probenentnahmemechanismus – C-SMP und P-SMP – sowie einen Probenbehälter. Ein Bohrsystem soll Material aus ungefähr zwei Zentimetern Tiefe holen, ein weiteres System mit Druckgas lockeren Oberflächenstaub sammeln. Die MMX-Sonde selbst soll zweimal auf Phobos landen, jeweils etwa eine Stunde bleiben und mindestens zehn Gramm Material entnehmen.

Nach mehreren nahen Vorbeiflügen an Deimos soll die Sonde im Juli 2030 den Mars verlassen. Die Rückkehrkapsel ist für Juni 2031 geplant; sie soll mit den Phobos-Proben auf der Erde landen, nach anderer Missionsplanung in Australien niedergehen. In irdischen Laboren werden Mineralbestand, Elemente und Isotopenverhältnisse untersucht. Daraus könnten sich Hinweise ergeben, wie Wasser und kohlenstoffhaltige Stoffe im frühen Sonnensystem transportiert wurden.

Auch Deimos bleibt während der Mission im Blick. Kameras und Spektrometer sollen die Oberflächen beider Monde erfassen. Außerdem misst die Sonde die Strahlung in der Marsumgebung – Daten, die für mögliche bemannte Missionen relevant wären. Laut JAXA geht es dabei nicht nur um Phobos, sondern auch um Technologien für künftige Erkundungen, besonders um Probenentnahme und Rückführung zur Erde.

Der Rover soll ungefähr drei Monate arbeiten, in den Planungen des DLR sind rund 100 Tage vorgesehen. Die Hauptsonde selbst soll nach derzeitiger Planung 2030 auf Phobos landen. Wann genau welche Messung klappt, hängt allerdings von einer Umgebung ab, in der schon ein kleiner Fehler schnell ziemlich groß wird.

Ein Wettlauf mit Marsproben

Die USA sammeln bereits Proben auf dem Mars. Die NASA-Mission „Perseverance“ landete 2021 und hat nach Angaben der NASA mehr als 45 Kilometer zurückgelegt – Rekord für die längste Fahrt eines menschengemachten Fahrzeugs auf der Oberfläche eines anderen Planeten. Mindestens bis Ende 2028 soll der Rover weiterarbeiten.

China landete 2021 mit „Tianwen 1“ ebenfalls einen Rover auf dem Mars. Mit „Tianwen 3“ ist für 2028 der Start einer Mission zur Rückholung von Marsproben geplant. Die Rückkehr zur Erde ist für etwa 2031 vorgesehen und könnte damit vor der MMX-Probenrückführung erfolgen.

Für MMX waren mehrere Starttermine im Gespräch. Ursprünglich sollte die Mission im August 2022 starten, später galt September 2024 als nächstes günstiges Fenster. Die Entwicklung der H3-Rakete verzögerte sich; ihr erster Startversuch im März 2023 scheiterte. Danach wurde MMX auf 2026 verschoben. Nun soll der von JAXA geleitete Flug am 19. Oktober 2026 um 21:41 Uhr MESZ von Tanegashima starten.

Was von Hayabusa2 übrig bleibt

Die Mission knüpft an JAXAs Hayabusa2 an. Die Sonde startete 2014 zum Asteroiden Ryugu und brachte nach sechs Jahren im All Proben zur Erde zurück. Das D