Statt süßer Beute fanden Kinder und Eltern nach Halloween Nadeln, Schrauben und andere Metallteile in eingesammelten Süßigkeiten. Gemeldet wurden solche Fälle in mehreren Bundesländern, darunter Thüringen, Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Bremen und Rheinland-Pfalz. Verletzt wurde nach den bisherigen Angaben niemand – die Gefahr war trotzdem real.

Auch in Baden-Württemberg häuften sich die Meldungen. In Östringen im Kreis Karlsruhe steckte eine Schraube in einem Kaubonbon, in Ettenheim im Kreis Offenburg eine Nadel. Aus Pforzheim wurde ein kleines Metallteil in einem Kaubonbon bekannt. In Bad Rappenau im Kreis Heilbronn fanden sich eine Stecknadel in einem Kaubonbon und zwei Nadeln in zwei Schokoriegeln. Nadeln in Waffelschnitten wurden außerdem aus Filderstadt-Bonlanden im Kreis Esslingen und aus Rielasingen-Worblingen im Kreis Konstanz gemeldet. Nach bisherigen Angaben wurden solche Fälle in sechs Gemeinden festgestellt.

Ermittlungen in Baden-Württemberg

Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg prüft, ob die Fälle Gemeinsamkeiten haben – vor allem bei der Vorgehensweise der Täter. Die zuständigen Polizeipräsidien nahmen die Vorgänge zunächst als versuchte gefährliche Körperverletzung auf. Wie die Fälle strafrechtlich endgültig bewertet werden, entscheiden die Strafverfolgungsbehörden.

In Filderstadt fanden zwei Familien mehrere Nadeln in zwei Milch-Haselnuss-Schnitten. Von außen waren die Nadeln nicht zu sehen; die Polizei geht von einer absichtlichen Manipulation aus. In Rielasingen-Worblingen enthielten einzeln verpackte Waffelschnitten metallische Fremdkörper. Welche Gegenstände es genau waren, war zunächst unklar.

Das LKA untersucht auch, ob die Taten Teil eines Trends in sozialen Medien sind oder mit Erpressungsversuchen zusammenhängen könnten. Belastbare Erkenntnisse gibt es dazu bislang nicht. Die Soziologin Susanne Vogl von der Universität Stuttgart hält es für möglich, dass solche Taten als Statement gegen etwas dienen. Wenn Täter keinen direkten Kontakt zu den Geschädigten haben, könne das die Hemmschwelle senken.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Vogl spricht teilweise von „Halloween-Sadismus“. Feste wie Halloween, Fasching oder Fastnacht würden häufiger als Rechtfertigung für solche Taten genutzt. Medien könnten solche Vorfälle zusätzlich befördern; über konkrete Hintergründe und Motive der aktuellen Fälle sei aber noch zu wenig bekannt.

Weitere Fälle aus Deutschland

In Thüringen wurden in Leinefelde-Worbis im Eichsfeld, genauer im Stadtteil Wintzingerode, präparierte Süßigkeiten entdeckt. Weil die Kinder an vielen Haustüren geklingelt hatten, war zunächst offen, aus welchem Haushalt die Süßigkeiten stammten. Die Polizei ermittelt wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. In Herbsleben im Unstrut-Hainich-Kreis wurde eine Nadel in einem Kaubonbon gefunden.

Aus Bayern kamen ebenfalls mehrere Meldungen. In Landshut entdeckten Kinder Schrauben in gesammelten Kaubonbons und Schokoriegeln. Im Nürnberger Westen und in Neuburg fanden Kinder Nadeln in Schokoriegeln. Die Eltern bemerkten die Metallteile vor dem Verzehr und verständigten die Polizei. Verletzte gab es nach Polizeiangaben nicht.

Auch in Niedersachsen und Bremen blieb es nicht bei einzelnen Funden. In Garbsen bei Hannover entdeckte eine Frau eine Nähnadel in einem Schokoriegel, den sie bereits am Freitag bei einem Lebensmittelhändler gekauft hatte. Weder Verpackung noch Riegel zeigten sichtbare Manipulationsspuren, die Hintergründe sind unklar.

In Hannover fand ein neunjähriges Kind jeweils eine Nähnadel in einem Schokoriegel und in zwei Kaubonbons. Es blieb unverletzt. In Bremen wurde ein Schokoriegel mit einem Nagel entdeckt, in Salzgitter eine Nadel in einem geschenkten Schokoriegel. In Bremen und Salzgitter wird jeweils wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Ein Fall aus Rheinland-Pfalz wirkt zunächst ähnlich, hatte aber eine andere Ursache: In Appenheim im Landkreis Mainz-Bingen wurden zwei kleine Magnete in einem Kaubonbon gefunden. Die Polizei stellte fest, dass keine Manipulation durch Dritte vorlag. Die Magnete waren versehentlich in das Bonbon gelangt.

Was Betroffene tun sollten

Die Polizei rät, verdächtige Süßigkeiten samt Verpackung aufzubewahren und dem örtlich zuständigen Polizeirevier zu übergeben. Fremdkörper sollten möglichst nicht selbst entfernt werden, damit Spuren erhalten bleiben. Also nicht neugierig daran herumziehen, auch wenn der Fund auf den ersten Blick klein wirkt.

Vergleichbare Fälle hatte es bereits in den Vorjahren gegeben. 2025 fand eine Mutter in Mittelfranken einen etwa zwei Zentimeter langen Nagel in der Halloween-Süßigkeit ihrer Tochter. Heute, am 5.11.2026, laufen die Prüfungen zu den aktuellen Funden weiter – auch wenn bislang niemand verletzt wurde.