Die Tabula Peutingeriana ist ein einzigartiges und faszinierendes Dokument, das nicht nur die antike Kartographie verkörpert, sondern auch als eine wertvolle Quelle über das öffentliche Straßensystem des späten Römischen Reiches dient. Heute gilt die Karte als Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes und weckt das Interesse von Historikern und Wissenschaftlern weltweit. Ein aktuelles Forschungsprojekt an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt bringt frischen Wind in die Analyse dieses mittelalterlichen Kunstwerks aus dem späten 12. Jahrhundert.
Die Tabula Peutingeriana dokumentiert das umfangreiche Straßennetz und die Provinzen des Römischen Reiches, das bis nach China reicht. Sie zeigt nicht nur die römischen Gebiete, sondern auch Regionen, die außerhalb der römischen Herrschaft lagen. Diese spezielle Karte, die einer traditionellen geografischen Darstellung widerspricht, besitzt eine West-Ost-Ausrichtung und verzichtet auf Ozeane, um die funktionalen Verbindungen zwischen den einzelnen Gebieten zu verdeutlichen. Diese Perspektive gibt wertvolle Einblicke in das Management und die Wirtschaft eines der größten antiken Reiche, wie [ UNESCO ] berichtet.
Um die Details dieser historischen Karte besser sichtbar zu machen, hat ein Team von Wissenschaftlern unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Rathman neue Techniken der Multispektralanalyse (MSI) eingesetzt. Gemeinsam mit Technikern des „Centre for the Study of Manuscript Cultures“ der Universität Hamburg werden Bildaufnahmen der Tabula Peutingeriana durchgeführt. Die österreichische Nationalbibliothek in Wien stellt dafür das wertvolle Artefakt zur Verfügung. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass deutliche Beschädigungen in den verschiedenen Segmenten festzustellen sind, insbesondere in den Bereichen, wo grünes Kupferpigment verwendet wurde, was die Lesbarkeit stark beeinträchtigt. Teile des sogenannten „Flusses in Gallien“ sowie Abschnitte im Ärmelkanal sind merklich lückig.
Was macht diese Karte so besonders? Die Tabula Peutingeriana ist nicht nur die einzige erhaltene Karte des „cursus publicus“, des römischen Straßensystems, sondern sie bietet auch einen einzigartigen Blick auf die administrativen Strukturen der damaligen Zeit. Neben der Straßenführung ist die Auflistung von über 3800 geografischen Informationen ein zentrales Element der Forschung, die von einem DFG-Projekt in den Jahren 2017 bis 2023 unterstützt wurde. Diese Datenbank wird durch die aktuellen Forschungen weiter ergänzt. Besonders bei den Wasserflächen erweist sich die MSI-Technik als hilfreich, da sie verschollene Schriftzeichen und übermalte Zeichnungen hervorhebt.
Ein bemerkenswerter Aspekt der Analyse ist die Aufdeckung von Details, die zuvor unentdeckt blieben. Beispielsweise wurden in Testaufnahmen von 2022 mit einer Hyperspektralkamera die Umrisse der Insel Antiochia sichtbar, die in der ursprünglichen Karte nicht erkennbar waren. Diese Entdeckung wirft Fragen zur Genauigkeit der Überlieferung auf, die im Kopiervorgang zwischen den verschiedenen Jahrhunderten aufgetreten sein könnte. Insbesondere die Einträge von Welser, die 1598 dokumentiert sind, und deren Nachfolger in der Scheyb-Kopie von 1753 werden im aktuellen Projekt genauer unter die Lupe genommen.
Die Tabula Peutingeriana bleibt damit ein zentrales Forschungsobjekt an der KU, und es sind bereits Pläne in der Mache, eine weitere Förderung für ein DFG-Projekt zu beantragen, um das Wissen um diese fascinationierende Karte weiter zu vertiefen. Die Kombination modernster Technik mit den historischen Inhalten verspricht spannende neue Erkenntnisse zur Raumwahrnehmung und Kartographie in der Antike, und zeigt eindrucksvoll, wie sich das Erbe des Römischen Reiches bis in die Gegenwart projiziert.