Am Montagmorgen, dem 2. November, blockierten Demonstranten die Eingänge der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Hamburg. Bauzäune und Müllcontainer standen vor den Zugängen, palästinensische Flaggen und eigene Banner waren zu sehen. Heute, am 3. November 2026, ist die Aktion bereits vorbei – viele Fragen dazu sind aber noch offen.

Wie viele Menschen beteiligt waren, ist unklar. „BILD“ sprach von rund 50, überwiegend vermummten Personen, „NEWS5“ von etwa 20 Demonstranten. Das Gebäude wurde an diesem Tag laut „NEWS5“ ohnehin nicht genutzt. Die Polizei stufte die Blockade als Versammlung ein und war mit rund 50 Einsatzkräften vor Ort. Laut „BILD“ kam außerdem eine Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit zum Einsatz.

„Free Palestine“ vor der WiSo-Fakultät

Auf englischsprachigen Transparenten forderten die Aktivisten unter anderem die Befreiung „aller unterdrückten Menschen“, Boykott und Widerstand. Wiederholt riefen sie „Free Palestine“, „Mörder“ und „Lügner“. Einige Parolen richteten sich abwertend gegen die Polizei. Größere Ausschreitungen wurden zunächst nicht bekannt, laut „BILD“ leisteten einzelne Teilnehmer jedoch Widerstand.

Eine vermummte Demonstrantin sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Gruppe protestiere dagegen, dass ihrer Ansicht nach „jeder dritte Euro in die Kriegsindustrie“ statt in Bildung fließe. Außerdem wollten sich die Aktivisten mit Protesten und Streikenden in anderen europäischen Ländern solidarisieren.

Zunächst war unklar, wer die Aktion organisiert hatte. Die Demonstration war offenbar vorher nicht angemeldet worden; eine Anmeldung soll später nachgeholt worden sein. Ein Teilnehmer sagte der dpa, die Beteiligten seien Studierende der Universität Hamburg. Sie erklärten sich solidarisch mit der Initiative „Gen Z regelt!“, die am Wochenende in mehreren deutschen Städten zu Protesten aufgerufen hatte, seien aber nicht von ihr organisiert worden.

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Nach Polizeiangaben fanden in Hamburg insgesamt drei Demonstrationen statt, jeweils mit Teilnehmerzahlen im unteren zweistelligen Bereich. Eine weitere Versammlung an der WiSo-Fakultät sollte Solidarität mit der ersten Demonstration bekunden, am Allendeplatz gab es ebenfalls eine Kundgebung. Die Forderungen bezogen sich unter anderem auf den Bildungsbereich.

Gegen 11:40 Uhr zog sich laut „TAG24“ ein Großteil der Polizisten vom Ort des Geschehens zurück.

Die Universität: Gewalt hat keinen Platz

Die Universität Hamburg erklärte, sie nehme die Protestaktion und die Forderungen wahr und respektiere das Recht auf öffentliche und gewaltfreie Äußerung politischer Positionen. Sie bezeichnete sich als weltoffene Hochschule für ein respektvolles und diskriminierungsfreies Miteinander.

Diskriminierung, Gewalt, menschenverachtende Äußerungen und Sachbeschädigung hätten an der Universität keinen Platz und würden verurteilt. Die Erklärung klingt nüchtern, während vor den Eingängen Bauzäune und Müllcontainer standen – genau diese Spannung gehört zu solchen Hochschulprotesten fast immer dazu.

Was studentische Proteste früher ausgelöst haben

Blockaden, Besetzungen und spontane Kundgebungen sind in der europäischen Hochschulgeschichte keineswegs neu. Ein Blick nach Österreich zeigt allerdings, wie unterschiedlich die politischen Hintergründe sein können. In den 1950er- und 1960er-Jahren dominierten an österreichischen Hochschulen konservative, deutschnationale, rechtsradikale und neonazistische Strömungen, vertreten unter anderem durch den katholischen Cartellverband und den Ring Freiheitlicher Studenten (RFS). Österreich verstand sich weiterhin als „erstes Opfer“ des Nationalsozialismus und leugnete eine eigene Mitschuld. Nach dem Abzug der Besatzungsmächte 1955 traten rechte Gruppierungen und Burschenschaften offener auf.

Bereits 1952 protestierten Studenten auf der Wiener Ringstraße in einem Sitzstreik gegen Studiengebühren. Im Oktober 1959 marschierten rund 2.000 Deutschnationale anlässlich des 200. Geburtstags Friedrich Schillers in Wien auf; antifaschistische Gegendemonstranten wurden von der Polizei verprügelt. Im Dezember 1960 mussten wegen überfüllter Hörsäle erstmals private Räume, darunter Kinos, für Lehrveranstaltungen angemietet werden.

Die Raumnot führte zu weiteren Aktionen: Am 29. Mai 1961 wurde die Ringstraße blockiert, am 14. Dezember 1962 folgte eine weitere Demonstration. Im Mai 1963 rief die Österreichische Hochschülerschaft zur „Aktion Vorschrift“ auf. Studenten sollten alle inskribierten Vorlesungen besuchen, um die Platznot sichtbar zu machen. Am 17. Mai kam es zu unangemeldeten Demonstrationen in der Wiener Innenstadt; RFS-Studenten skandierten unter anderem beleidigende Parolen gegen Vizekanzler Bruno Pittermann. Die ÖH sagte weitere Demonstrationen ab, weil sie ihrer Ansicht nach für Krawalle und Übergriffe missbraucht worden waren.

Anfang der 1960er-Jahre nahmen rechtsradikale Vorfälle und Verhaftungen randalierender rechter Studenten zu. 1961 wurde die Wiener Burschenschaft Olympia wegen Verbindungen zu Bombenanschlägen in Südtirol aufgelöst, 1973 aber neu gegründet. 1962 verklagte der Professor Taras Borodajkewycz zwei Autoren, die ihn mit Neonazismus in Verbindung gebracht hatten. Unter Studenten war Borodajkewycz wegen antisemitischer Äußerungen in seinen Vorlesungen bekannt. Im November 1963 wurden die Autoren schuldig gesprochen.

Die Debatte weitete sich aus. In der Kabarettreihe „Zeitventil“ wurden Zitate von Borodajkewycz aufgegriffen. Am 23. März 1965 veranstaltete er in den Räumen der Hochschülerschaft eine Pressekonferenz; Sympathisanten reagierten auf antisemitische Aussagen mit lautem Beifall und Johlen. Am folgenden Tag kam es bei einer Borodajkewycz-Vorlesung zu Zusammenstößen zwischen sozialistischen Studenten und seinen Sympathisanten.

Der Vorsitzende der Hochschülerschaft solidarisierte sich mit Borodajkewycz. Flugblattverteiler, die zum Ausschluss von „Antisemiten und Antidemokraten“ aufriefen, wurden teilweise mit „Heil Borodajkewycz“-Rufen bedrängt. Am 29. März trafen rund 1.000 Borodajkewycz-Gegner auf etwa 200 rechtsradikale Gegendemonstranten, die antisemitische und nationalsozialistische Parolen riefen. Zwei Tage später griffen Rechtsextreme eine weitere linke Demonstration mit Stahlruten und Stöcken an. Der ehemalige Widerstandskämpfer Ernst Kirchweger wurde von einem Gegendemonstranten schwer verletzt und starb zwei Tage später.

Danach gingen rund 25.000 Menschen auf die Straße – es war bis dahin die größte antifaschistische Demonstration der österreichischen Nachkriegsgeschichte. Später wurde ein besetztes Haus als „Ernst-Kirchweger-Haus“ nach ihm benannt.

Von der Ringstraße bis zum Audimax

1967 gab es nach der Ermordung Benno Ohnesorgs Solidaritätskundgebungen und Proteste gegen die Einführung einer EDV-gestützten Hochschulstatistik. Rund um Robert Schindel entstand die „Kommune Wien“, die zeitweise als Sozialistische Österreichische Studenten (SÖS) und zuletzt als Föderation Neue Linke (FNL) auftrat. Sie beteiligte sich von 1967 bis 1969 an Aktionen und verschwand danach.

Am 22. Februar 1968 störten linke Studentenvertretungen, darunter VDS und FÖJ, den Wiener Opernball. Die Polizei löste eine Blockade der Ringstraße auf, in der Staatsoper wurden Flugblätter verteilt. Am 1. Mai eskalierten die Spannungen zwischen dem VSStÖ und der SPÖ: Die SPÖ kontrollierte wegen befürchteter Störungen zuvor Transparente. Studenten störten ein im Fernsehen übertragenes Blasmusikkonzert durch Tänze und Diskussionsrunden. Nach einem Räumungsultimatum stürmte die Polizei den Platz. Zahlreiche Studenten wurden geschlagen, getreten oder an den Haaren weggezogen, Konzertbesucher unterstützten teilweise die Polizei. In den folgenden Tagen verließen viele Studenten aus Protest gegen die SPÖ den VSStÖ; einige schlossen sich mit der Kommune Wien zum SÖS zusammen.

1968 besetzte eine Veranstaltung über „Weltrevolution und Konterrevolution“ unter Leitung von Bahman Nirumand nach einem nächtlichen „Teach-in“ den Hörsaal 1 des Neuen Institutsgebäudes (NIG). Betriebsräte der Florids