Campus 1000 an der Universität des Saarlandes: 306 neue Wohnplätze bis 2028
Am Campus der Universität des Saarlandes in Saarbrücken hat der zweite Bauabschnitt des Projekts „Campus 1000“ begonnen. Am nördlichen Campus-Rand, hinter der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek, entsteht ein fünfgeschossiges Studentenwohnheim. Rund 34 Millionen Euro werden die Baukosten derzeit voraussichtlich betragen.
Geplant sind 306 Wohnplätze in 298 Apartments, darunter acht Doppelapartments. 55 Zimmer werden barrierefrei gebaut, vier Erdgeschoss-Apartments vollständig rollstuhlgerecht. Auf jeder Etage sind außerdem Gemeinschafts- und Aufenthaltsräume vorgesehen. Die Fertigstellung ist für September 2028 geplant.
Mehr Wohnraum direkt an der Uni
Der erste Bauabschnitt ist bereits abgeschlossen: Drei Wohnhäuser bieten 234 Wohnplätze. Seit Oktober werden die Wohnungen regulär vermietet. Ein möbliertes Einzelapartment wurde beispielsweise für 275 Euro Kaltmiete im Monat angeboten.
Schon ab dem 1. März 2026 war für diese Häuser eine einmalige Zwischennutzung bis zum Semesterbeginn möglich. Ab dem Wintersemester 2026/2027 stehen die 234 Plätze regulär zur Verfügung. Angeboten werden möblierte Einzel- und Doppelappartements, darunter ebenfalls barrierefreie und rollstuhlgerechte Wohnplätze.
Das Studierendenwerk Saarland übernimmt das Bewerbungsmanagement, die WOGE Saar ist als Vermieterin für die Vertragsabwicklung zuständig. Bewerbungen sind online über www.stw-saarland.de/wohnen in der Rubrik „Wohnen in Saarbrücken“ möglich.
Zwei weitere Bauabschnitte sind geplant. Am Ende soll die Zahl der Wohnplätze direkt auf dem Saarbrücker Campus auf mehr als 1.000 steigen. Vorgesehen sind für den Neubau unter anderem Dachbegrünung, Photovoltaikanlagen und Fernwärme. Bauherrin ist die landeseigene WOGE Saar; die Apartments werden mit Mitteln des Bundes und des Landes gefördert.
Zum Spatenstich kamen unter anderem Ministerpräsidentin Anke Rehlinger, Wissenschaftsminister Jakob von Weizsäcker, Uni-Präsident Ludger Santen sowie Vertreter von WOGE, Studierendenwerk und Bauunternehmen. Es geht um etwas ziemlich Bodenständiges: bezahlbaren Wohnraum für Studierende, möglichst dort, wo morgens die erste Vorlesung wartet.
Knappes Gut mit Folgen
In Großstädten wird leistbarer Wohnraum zunehmend knapp. Studierende und Auszubildende trifft das besonders, weil ihre Einkommen meist gering sind und sie mit vielen anderen Wohnungssuchenden um zentrale Lagen konkurrieren. Wo ein Zimmer zu finden ist, kann sogar beeinflussen, für welchen Studienort oder Arbeitgeber sich junge Menschen entscheiden.
Die Suche nach einer günstigen Unterkunft während Ausbildung oder Studium ist in den vergangenen Jahren schwieriger geworden. Teilweise mussten junge Menschen lange auf einen Wohnheimplatz warten. Mitte September 2022 standen laut Deutschem Studierendenwerk in elf großen Universitätsstädten mehr als 35.000 Menschen auf Wartelisten für Wohnheimplätze. Auch bei Wohnheimen für Auszubildende ist der Bedarf hoch.
Das Sonderprogramm „Junges Wohnen“ der Bundesregierung fördert deshalb Wohnheimplätze für Studierende und Auszubildende. Es ist Teil des sozialen Wohnungsbaus: Der Bund stellt den Ländern Finanzhilfen bereit, die Länder können damit eigene Programme für den Bau und die Modernisierung von Wohnheimen auflegen. Geregelt wird die Zusammenarbeit in einer Verwaltungsvereinbarung. Im Programmjahr 2023 standen 500 Millionen Euro Bundesmittel zur Verfügung.
Gefördert werden neue Wohnheimplätze durch Neubau, Ausbau oder Umbau, der erstmalige Erwerb von Wohnheimplätzen innerhalb von zwei Jahren nach ihrer Fertigstellung sowie die Modernisierung bestehender Wohnheime für Studierende und Auszubildende.
Vom Azubihaus bis zum Campus-Umbau
Wie unterschiedlich solche Projekte aussehen können, zeigt der Ellener Hof in Bremen. Dort gibt es günstigen Wohnraum und Begleitung beim Einstieg ins Berufsleben. Betrieb und Service werden als Inklusionsbetrieb geführt, eine Vernetzung mit weiteren Projekten – unter anderem einer Pflegeschule – ist vorgesehen. Auszubildende werden während ihres gesamten Aufenthalts pädagogisch begleitet. Das Angebot ergänzt Wohnräume für Studierende, Familien sowie sozial benachteiligte und ältere Menschen; unterstützt werden sollen junge Menschen in verschiedenen Lebensbereichen und das gemeinschaftliche Zusammenleben.
In Hamburg-Altona baut die Hamburger Sparkasse wegen des knappen Angebots ein Wohnheim für Auszubildende. Betreiber wird die gemeinnützige Stiftung Azubiwerk. Das Haus am Alsenplatz bietet 140 Plätze. Plätze, die die Haspa nicht selbst benötigt, sollen Auszubildenden anderer Unternehmen offenstehen. Die Mieten orientieren sich 30 Jahre lang an den Vorgaben der IFB Hamburg für geförderten Wohnraum; zum genannten Zeitpunkt betrug die Miete 235 Euro zuzüglich Nebenkosten pro Person und Monat.
In München reichen die Anfänge des AzubiWerks bis in die 1990er Jahre zurück. In den frühen 2000er Jahren wurde eine Stiftung geplant, das Vorhaben aber wegen fehlender Bereitschaft von Arbeitgebern zur Kofinanzierung beendet. Später griff eine Studie der DGB-Jugend München das Konzept wieder auf. Jusos, DGB-Jugend und Kreisjugendring initiierten daraufhin das Pilotprojekt „Azubi-Wohnen am Innsbrucker Ring“. Die Stadt München errichtete dort bis 2019 ein Wohnheim mit 118 Plätzen. Arbeitgeber beteiligten sich anschließend nur noch durch eine Kofinanzierung der Mieten, die Baukosten übernahm die Stadt.
Auch bei Studierendenwohnheimen gibt es verschiedene Wege. Das Wohnheim Nizzaallee in Aachen wurde 2022 im Stadtteil „Am Lousberg“ fertiggestellt, wenige Gehminuten von der Innenstadt entfernt. Das fünfgeschossige Gebäude bietet möblierte Ein- und Zwei-Personen-Apartments. Vermietet wird zu einem All-inclusive-Preis für Miete, Strom, Wasser, Wärme, Internet, Fernsehen und überdachte Fahrradstellplätze. Die Apartments haben Wohn-, Arbeits- und Kochbereiche, Duschbäder und Balkone; Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss dienen als Treffpunkte und Lernbereiche. Die Dachflächen sind extensiv begrünt, der nahegelegene Lousberg mit Waldpark und Stadtblick liegt praktisch vor der Tür.
In Ilmenau wird dagegen ein Wohnhaus aus den 1960er Jahren in DDR-Großblockbauweise auf dem Universitätscampus umfassend saniert, an heutige Bedürfnisse angepasst und energetisch modernisiert. Vorgesehen sind Ein- und Zweiraumwohnungen für 102 Studierende. Dafür wird das bestehende Satteldach zurückgebaut; eine Aufstockung in Holzbauweise schafft größere Bad- und Küchenbereiche bei nahezu gleicher Zahl an Wohnplätzen.
Was Wohnraum mit Bildungswegen zu tun hat
Eine 2025 veröffentlichte Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung untersucht die Wohnraumversorgung und den Wohnraumbedarf von Studierenden und Auszubildenden. Grundlage waren unter anderem Datenanalysen, fünf Expertenworkshops, Befragungen von 2.386 Studierenden und Auszubildenden sowie von 286 Wohnheimbetreibern beziehungsweise -trägern. Die Untersuchung nimmt damit Nachfrage- und Anbieterseite in den Blick.
Sozialer Wohnungsbau soll preisgünstiges Wohnen auch in Innenstädten ermöglichen – durch Neubau und Modernisierung. Davon sollen Haushalte mit geringem Einkommen, Studierende und Auszubildende profitieren. Ältere Menschen können dadurch eher in ihrer vertrauten Umgebung bleiben, während junge Menschen eine bezahlbare Unterkunft am Studien- oder Ausbildungsort finden.
Bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende ist dabei nicht nur eine soziale, sondern auch eine wirtschaftliche Frage für Städte und ländliche Regionen. Die Verfügbarkeit einer Unterkunft kann mitentscheiden, ob und wo junge Menschen eine Ausbildung beginnen oder arbeiten. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen bündelt deshalb im Bundesberatungsnetzwerk „Azubi-Wohnen“ Fachwissen und Beratungskompetenzen und setzt damit eine entsprechende Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag um.
