Am 5. Dezember wird in Frankfurt der neue Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gewählt. Thomas Weikert scheidet aus. Für den Nachfolger wartet gleich ein dicker Brocken: Er soll München bei der Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044 unterstützen. Die Bewerbungsfrist für DOSB-Kandidaten endet am 30. Oktober.

In Hamburg, wo Wolfgang Maennig als Wirtschaftsprofessor an der Universität lehrt, wird die Personalie ebenfalls aufmerksam verfolgt. Der 66-Jährige, Ruder-Olympiasieger von 1988, könnte selbst antreten. Als Mitglied der Deutschen Olympischen Akademie beteiligt er sich an Debatten über die Reform der Spitzensportförderung und die deutsche Olympia-Bewerbung.

Mronz ist der Favorit der Findungskommission

Als aussichtsreichster Bewerber gilt Sportmanager Michael Mronz. Der 59-Jährige wurde von der Findungskommission vorgeschlagen und ist seit 2023 Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Als IOC-Mitglied gehört er automatisch dem DOSB-Präsidium an. Mronz tritt als Reformer auf: Der DOSB müsse sich stärker als Dienstleister seiner Mitgliedsorganisationen verstehen, die Interessen des Sports müssten mehr ins Zentrum rücken. Dafür brauche es höhere Akzeptanz und einen Modernisierungsprozess.

Seine Reformideen verknüpft Mronz direkt mit Münchens Olympia-Plänen. Als IOC-Mitglied und Präsident eines nationalen Dachverbandes könne er den deutschen Sport international stärker vertreten. München sei in eine neue Bewerbungsphase eingetreten, Deutschland müsse international präsenter auftreten.

Gegen Mronz regt sich vor allem im Wintersport und in Bayern Widerstand. Kritiker vermissen seine Verankerung in den Sportverbänden. Sie wünschen sich einen DOSB-Präsidenten aus einer der drei Sportsäulen: den Landessportbünden und -verbänden, den Spitzenverbänden oder den Verbänden mit besonderen Aufgaben.

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Von Arnim bleibt beim Tennis

Dietloff von Arnim, 67 Jahre alt und Präsident des Deutschen Tennis-Bundes (DTB), will nicht für das Präsidentenamt kandidieren. Er wolle DTB-Präsident bleiben, erklärte er. Zwei Spitzenämter könne man nicht vollständig ausfüllen. Eine Kandidatur als DOSB-Vizepräsident erwägt von Arnim aber weiterhin; bis zum 30. Oktober kann er darüber entscheiden.

Seine Forderungen sind klar: Ein starker Spitzensportverband soll im DOSB-Präsidium vertreten sein, dazu brauche es eine klare strategische Ausrichtung und einen gleichberechtigten Dialog mit den Mitgliedsorganisationen. Die Weiterentwicklung des Leistungssports müsse außerdem unabhängig von der Olympia-Bewerbung vorankommen.

Neben Mronz schlägt die Findungskommission als Vizepräsidenten die frühere Speerwurf-Olympiasiegerin Silke Renk-Lange (59) vom Landessportbund Sachsen-Anhalt, Florian Sperl (39), Präsident des Deutschen Gewichtheberverbands, sowie Wirtschaftsexperten Fritz Joussen (63) vor.

Engelhardt mit „Sportplan für Deutschland“

Martin Engelhardt ist derzeit DOSB-Vizepräsident und wurde gemeinsam mit weiteren DOSB-Mitgliedsverbänden von der Deutschen Triathlon-Union (DTU) als Gegenkandidat vorgeschlagen. Der 66-Jährige kennt das Rennen bereits: 2018 trat er gegen den damaligen DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann an, unterlag jedoch.

Engelhardt war von 1987 bis 2001 und ist seit 2011 erneut Präsident der DTU. Beruflich arbeitet er als Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Osnabrück. 2004 und 2008 gehörte er als leitender Orthopäde zur deutschen Olympia-Delegation. Früher schwamm er in der Bundesliga, 1987 nahm er an der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii teil.

Am 31. März des kommenden Jahres beendet Engelhardt seine Tätigkeit als Chefarzt. Ab April 2027 will er dem DOSB ohne berufliche oder geschäftliche Verpflichtungen zur Verfügung stehen. Er kündigt einen „Sportplan für Deutschland“ an, der gemeinsam mit der Politik umgesetzt werden soll. Die nationalen und internationalen Aufgaben des deutschen Sports müssten geschlossen angegangen werden.

Olympia-Bewerbung läuft längst

Über die Vergabe der Olympischen und Paralympischen Spiele entscheidet das IOC. Seit einer Reform im Jahr 2020 läuft die Auswahl potenzieller Ausrichter nicht mehr über klassische Bewerbungen, sondern über mehrere Dialogphasen. Das soll Kosten und Aufwand für Bewerber senken und einen frühzeitigen Austausch mit dem IOC ermöglichen.

Deutschland befindet sich seit November 2025 im „Continuous Dialogue“, der ersten formellen Phase des neuen Verfahrens. Konzepte können gemeinsam mit dem IOC weiterentwickelt und geprüft werden, ohne dass bereits ein Austragungsjahr festgelegt werden muss. Neben Deutschland nehmen derzeit Katar, Indien, Südkorea, Ungarn, die Türkei und Südafrika an diesem Dialog teil.

Danach folgt der „Strategic Dialogue“. Das IOC entscheidet, welche Interessenten in diese nächste Phase aufrücken. Für die Spiele 2036 soll sie erstmals im März 2027 beginnen. Der Austausch wird dann vertieft, die Konzepte sollen möglichst eng an den langfristigen Zielen und Anforderungen des IOC ausgerichtet werden.

Für Ende 2028 ist der Start des „Targeted Dialogue“ mit einem oder mehreren Bewerbern vorgesehen. In dieser Phase arbeitet das IOC mit den verbliebenen Kandidaten gezielt auf eine Vergabe hin. Die Entscheidung über den Austragungsort der Spiele 2036 soll auf der IOC-Session Mitte 2029 fallen.

Sollte Deutschland den Zuschlag für 2036 nicht erhalten, will der DOSB die Bewerbung für 2040 oder 2044 weiterverfolgen. Bereits entwickelte Konzepte und Strukturen sollen dann als Grundlage dienen und im weiteren IOC-Vergabeprozess fortentwickelt werden. Das klingt nach langem Atem – und nach vielen Sitzungen, in denen vermutlich reichlich Kaffee gebraucht wird.

Ein bereitgestellter Leitfaden zur Ausarbeitung der Bewerbungskonzepte liefert für diesen Bericht keine zusätzlichen verwertbaren Informationen: Der PDF-Inhalt ist unvollständig beziehungsweise nicht lesbar. Überprüfbare Nachrichteninhalte oder Fakten enthält der Datenstrom nicht.