Georg Puntigam, Doktorand an der RWTH Aachen, hat am 22. Oktober 2026 den Förderpreis der Gesellschaft für Tribologie (GfT) erhalten. Die Auszeichnung wurde bei der GfT-Fachtagung in Wernigerode in Sachsen-Anhalt verliehen. Dort werden seit 2015 jedes Jahr hervorragende Abschlussarbeiten aus der Tribologie gewürdigt – also aus jenem Forschungsgebiet, das sich mit Reibung, Verschleiß und Schmierung beschäftigt.

Der 30-Jährige stammt aus Köln und arbeitet inzwischen als wissenschaftlicher Mitarbeiter am RWTH-Institut für fluidtechnische Antriebe und Systeme (ifas) sowie am Integrated Fuel and Chemical Science Center (FSC²). Für seine ausgezeichnete Masterarbeit nahm er sich eine Frage vor, die ziemlich tief in die Schnittstelle von Maschinenbau und künstlicher Intelligenz führt: Können physik-informierte neuronale Netze, kurz PINNs, die Physik der elastohydrodynamischen Fluid-Struktur-Interaktion von Dichtungen und Schmierstoffen verstehen und abbilden?

Wenn Dichtungen auf künstliche Intelligenz treffen

Betreut wurde die Arbeit von Faras Brumand und Professorin Katharina Schmitz. Puntigam untersuchte, ob die neuronalen Netze nicht nur Daten verarbeiten, sondern zugleich die physikalischen Vorgänge bei der Wechselwirkung von Dichtungen und Schmierstoffen erfassen können. Ein sperriger Gegenstand, zugegeben – aber einer mit praktischer Bedeutung für Bauteile, die zuverlässig funktionieren und lange halten sollen.

Seine Forschungsergebnisse wurden bereits in internationalen Fachzeitschriften aufgegriffen, auf Konferenzen diskutiert und bei der GfT-Tagung vorgestellt. Puntigam erklärte, er freue sich über die Auszeichnung. Sie zeige das Interesse an neuen Methoden und die wachsende Bedeutung von Machine Learning im Ingenieurwesen.

Der Weg nach Aachen führte ihn über München: Zunächst studierte Puntigam Maschinenbau an der Technischen Universität München und an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München. Anschließend wechselte er für den Masterstudiengang Computational Engineering Sciences an die RWTH Aachen.

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Vom Tribometertest bis zum komplexen System

Die Forschungsgruppe „Tribologie“ am ifas untersucht tribologische Systeme in hydraulischen und pneumatischen Anwendungen. Die Spannweite reicht von Tribometertests bis zu komplexen Mehrkörpersystemen. Dabei geht es nicht bloß um Messwerte im Labor, sondern darum, Ergebnisse auf reale Systeme zu übertragen und bestehende tribologische Systeme anwendungsorientiert zu optimieren.

Neben Experimenten entwickelt, erweitert und validiert die Gruppe analytische und simulative Modelle, mit denen sich beobachtete Effekte beschreiben lassen. Kritische lokale Zustände können so schon während der Entwicklung bewertet und optimiert werden – bevor aus einem kleinen Problem ein teurer Ausfall wird.

Das ifas verfügt dafür über Erfahrung in der Entwicklung und im Betrieb spezialisierter Tribologieprüfstände. Dazu zählen Anlagen zur Messung von Reibungskräften in Dichtungssystemen bei Relativgeschwindigkeiten von bis zu 10 m/s, Prüfstände zur Bestimmung von Leckage und zum Einzug von Fremdfluiden über Stangendichtungssysteme und Ventilgeometrien sowie mehrere Tribometer für abstrahierte Kontakte unter unterschiedlichen Schmierbedingungen und Materialpaarungen.

Hinzu kommen Einzelkontaktprüfstände für tribologische Messungen an Serien- und seriennahen Komponenten. Die Forschung soll das physikalische und empirische Verständnis tribologischer Kontakte und Systeme verbessern. Daraus entstehen Grundlagen für die effizientere und langlebigere Auslegung von Komponenten und Fluiden – und für die Vorhersage ihrer Lebensdauer.

Abseits von Dichtungen, Schmierstoffen und neuronalen Netzen spielt Puntigam Trompete und komponiert Musikstücke. Die wurden bereits international aufgeführt. Zwischen Konferenzsaal, Prüfstand und Notenblatt liegt also offenbar noch genug Platz für Musik.