Mit einem frischen Blick auf die Diagnostik von Knieachsenabweichungen haben die Physiotherapie-Auszubildenden Lukas Janisch und Lilo-Marie Maack, gemeinsam mit Dominik Fohrmann, M.Sc. und Prof. Dr. Carlos J. Marques, eine bemerkenswerte Studie veröffentlicht. Diese ist in dem Fachjournal BMC Musculoskeletal Disorders erschienen und widmet sich einem Thema von großer Bedeutung: dem dynamischen Knievalgus. Medical School Hamburg berichtet, dass dieser Zustand als zentraler Risikofaktor für Verletzungen der unteren Extremitäten gilt.

Doch was versteht man eigentlich unter dynamischem Knievalgus? Diese Abweichung zeigt sich, wenn das Knie während bestimmter Bewegungen zur Körpermitte hin kollabiert. Besonders gefährdet sind Sportarten, die Sprünge, Richtungswechsel oder Stoppbewegungen erfordern, wie zum Beispiel Fußball, Handball und Basketball. Schockierende Statistiken belegen, dass in den USA jährlich bis zu 250.000 Rupturen des vorderen Kreuzbands (VKB) zu verzeichnen sind. Diese Verletzungen haben nicht nur immensen Einfluss auf das Sportlerleben, sondern verursachen auch geschätzte Kosten von rund 3 Milliarden US-Dollar für das Gesundheitssystem, wie Readkong herausstellt.

Das Hauptaugenmerk der veröffentlichten Studie liegt darauf, Lücken in der Diagnostik zu schließen und eine verlässliche, standardisierte quantitative Bewertung der Bewegungsmuster anzubieten. Dies ist von erheblicher Bedeutung, da Studien zeigen, dass 70-84% der VKB-Verletzungen Non-Contact-Verletzungen sind. Risikofaktoren variieren, wobei anatomische Unterschiede und hormonelle Faktoren, insbesondere bei Frauen, eine besonders große Rolle spielen.

Biomechanische Aspekte des dynamischen Knievalgus

Biomechanisch wird der dynamische Knievalgus durch eine Wechselwirkung zwischen proximalen und distalen Faktoren beeinflusst. Muskuläre Schwäche, insbesondere in den Abduktoren und externen Rotatoren der Hüfte, trägt entscheidend dazu bei, wie gut das Knie kontrolliert wird. Insbesondere in Hochbelastungssituationen, wie bei Landungen oder schnellen Bewegungswechseln, kann dies zu erhöhter Verletzungsgefahr führen. Wie Dr. Jordi Jimenez erklärt, sind nicht nur Kraftdefizite, sondern auch biomechanische Ausrichtungen und muskuläre Interaktionen entscheidend.

Die Studie hebt hervor, dass nicht jeder mit einem dynamischen Knievalgus auch gleich einem hohen Risiko für Verletzungen ausgesetzt ist. Bei einem Screening-Test, das an 67 Sportlern durchgeführt wurde, zeigte sich nur bei 69% der Frauen und 63% der Männer ein erhöhtes Risiko. Allerdings ist der dynamische Knievalgus bei Kinder und Jugendlichen, insbesondere bei weiblichen Sportlerinnen, trotzdem ein ernstzunehmender Risikofaktor.

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Prävention und Korrektur

Um Verletzungen vorzubeugen, sind spezifische Präventions- und Korrekturprogramme unerlässlich. Diese sollten sowohl Kraft- als auch Flexibilitätstraining sowie neuromuskuläres Training umfassen, um die Kontrolle über die Bewegungsabläufe zu verbessern. Übungen, die den dynamischen Valgus angehen, sind unter anderem einbeinige Kniebeugen, Hüftbrücken und gezielte Dehnungen. Durch die frühzeitige Identifikation und Korrektur von Bewegungsdefiziten wird die Wahrscheinlichkeit, Verletzungen zu erleiden, signifikant gesenkt.

Insgesamt zeigt sich, dass der dynamische Knievalgus ein komplexes Phänomen ist, das eine differenzierte Betrachtung und geeignete Maßnahmen erfordert. Die Erkenntnisse aus der vorliegenden Studie unterstreichen die Notwendigkeit eines fundierten Ansatzes in der physiotherapeutischen Diagnostik und Behandlung. Die enge Einbindung der Studierenden in den Forschungsprozess verdeutlicht zudem den anwendungsorientierten Ansatz der Ausbildung an der MSH und fördert die wissenschaftliche Kompetenz künftiger Physiotherapeuten.