Auf dem Campus der Universität Hamburg ist die Sorge vor den geplanten Kürzungen deutlich zu spüren. Tausende Studierende, Beschäftigte und Personalvertretungen gingen am Donnerstagnachmittag unter dem Motto „Wissen Schafft Zukunft“ auf die Straße. Nach Polizeiangaben zogen rund 7000 Menschen vom Hauptgebäude der Universität zum Rathaus.

Sie befürchten massive Einschränkungen im Studienbetrieb, weniger Studienplätze und den Verlust von bis zu 370 Vollzeitstellen. Gefordert wird deshalb eine sofortige Erhöhung des jährlichen staatlichen Grundetats der Universität um 30 Millionen Euro. Künftig soll der Etat außerdem mindestens im Umfang der realen Kostensteigerungen bei Tarifabschlüssen und Sachkosten wachsen.

Ein Etat, der nicht mehr reicht

Der Grundetat der Universität Hamburg liegt derzeit bei etwa 390 Millionen Euro. Zwar sei das Budget insgesamt gestiegen, erklärt die Universität, doch reiche es nicht aus, um reale Kostensteigerungen sowie den wachsenden Aufgaben- und Investitionsbedarf zu decken. Das strukturelle Haushaltsdefizit beträgt aktuell rund 22 Millionen Euro.

Besonders ins Gewicht fällt der Tarifabschluss von 2023: Seit 2025 verursacht er eine effektive Kostensteigerung von 8,35 Prozent. Die Stadt hat diese Mehrkosten nicht vollständig ausgeglichen; die Universität muss sie aus ihrem Grundbudget finanzieren. Deshalb sollen die Fakultäten derzeit 4,5 Prozent und die Verwaltung 5 Prozent einsparen. Bis 2032 sind laut Universität mindestens 10,5 Prozent weniger in den Fakultäten und mindestens 11 Prozent weniger in der Verwaltung vorgesehen.

Die AG Ausfinanzierung der Universität Hamburg erinnert in ihrem Aufruf, den der Akademische Senat unterstützt, an einen früheren Protest: Bereits 2011 demonstrierten mehr als 10.000 Studierende und Beschäftigte gegen damals drohende Kürzungen. Ein Déjà-vu, auf das an einer Hochschule wohl niemand scharf ist.

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Auch an anderen Hamburger Hochschulen ist die Lage angespannt. Zehntausende Studierende sind ins Wintersemester gestartet, während Hochschulen und Beschäftigte gleichzeitig mit den Sparmaßnahmen des Senats umgehen müssen. Die Grundfinanzierung soll von 2027 bis 2030 effektiv eingefroren werden. Laut zuständiger Behörde muss auch die Wissenschaft im kommenden Haushalt weniger ausgeben.

Die Folgen könnten größere Seminare, zeitweise geschlossene Bibliotheken oder Labore und dauerhafte Personallücken in Wissenschaft und Verwaltung sein. Ute Lohrentz, Präsidentin der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und Vorsitzende der Landeshochschulkonferenz, warnt vor schlechteren Studien- und Forschungsbedingungen. Diese seien entscheidend für die Ausbildung von Fachkräften und die Wettbewerbsfähigkeit.

Weniger Plätze, weniger Angebote

An der Universität Hamburg, an der mehr als 43.000 Studierende eingeschrieben sind, sollen bis 2028 insgesamt 675 Studienanfängerplätze wegfallen: von bisher knapp 9.500 auf künftig gut 8.800. Als Grund nennt die Universität den Rückgang des verfügbaren Lehrpersonals. Je nach Fakultät könnten Lehrveranstaltungen voller werden, ergänzende Angebote wie Tutorien könnten schrumpfen.

Freiwerdende Stellen in Wissenschaft und Verwaltung werden bereits häufig nicht nachbesetzt. Aus Kostengründen wurde der Zugang zu den Fachbibliotheken Sozial-, Wirtschafts- und Erziehungswissenschaften reduziert. Eingeschränkt sind außerdem Beschaffungen, Dienstreisen, Fortbildungen und Lizenzen.

Der Studiengang Software-System-Entwicklung soll entgegen früheren Aussagen gestrichen werden. Letztmalige Zulassungen waren zum Wintersemester 2026/27 vorgesehen, die Genehmigung des Präsidiums steht noch aus. Für die Bachelor- und Masterstudiengänge der Wirtschaftsinformatik sollen die Zulassungen zum Wintersemester 2027/28 ausgesetzt werden. Die Universität prüft, ob diese Studiengänge in veränderter Form oder mit wesentlichen Studieninhalten weitergeführt werden können. Für den Lehramts-Aufbaustudiengang Pflege- und Therapiewissenschaften gilt derzeit aus finanziellen Gründen bereits ein Zulassungsstopp.

Die HAW soll mindestens 660 Studienplätze abbauen. Ab 2028 sollen jährlich mindestens 220 Plätze wegfallen. Hamburgs zweitgrößte Hochschule hat fast 17.000 Studierende. Laut Ute Lohrentz könnten geringere Mittel Projekte verzögern und Investitionen aufschieben. Gefährdet sieht das Präsidium Studiengänge und Kooperationen für die städtische Daseinsvorsorge, darunter Hebammenwissenschaften, Pflegewissenschaften und die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Hamburg. Die Auswirkungen der Sparvorgaben werden noch bewertet.

Für die Technische Universität Hamburg ist die finanzielle Lage im Haushaltsjahr 2027 nach eigener Darstellung stabil. Allerdings läuft im kommenden Jahr die Finanzierung einzelner Maßnahmen und Programme aus. Der Senat hat der TUHH eine Liste von Leistungen übermittelt, die künftig nicht mehr finanziert werden sollen. Betroffen ist unter anderem die Gründungsförderung. Forschenden, die Start-ups gründen wollen, könnten dadurch weniger subventionierte Flächen zur Verfügung stehen. Ohne Ausgleich für Kostensteigerungen und höhere Gehälter könne die Leistungsfähigkeit der Universität sinken, warnt die TUHH, die auf ihre Bedeutung für die Ausbildung künftiger Fachkräfte in Hamburg verweist.

Streichungen quer durch die Hochschullandschaft

Besonders hart trifft es offenbar die HafenCity Universität Hamburg. Der Senat will ihr 2028 zwölf Millionen Euro weniger Grundfinanzierung zahlen. Begründet wird das mit hohen Rücklagen, die die Universität für den laufenden Betrieb einsetzen soll. Mitglieder der HCU protestierten dagegen in einem Ende August veröffentlichten Brandbrief.

Laufende und geplante Berufungsverfahren mussten demnach sofort abgebrochen werden. Die Universität müsse ein Fünftel ihrer Stellen streichen, betroffen seien rund 65 Beschäftigte in Wissenschaft und Verwaltung. Der bundesweit einzigartige Studiengang „Technische Gebäudeausrüstung mit digitaler Infrastruktur“ soll eingestellt werden. Damit würden 60 Studienplätze und vier Professuren entfallen. Mitglieder der Universität rechnen mit einem erheblichen Reputationsverlust.

Auch die Hochschule für Musik und Theater Hamburg verliert zusätzlich zu den Sparmaßnahmen des Senats Sondermittel für spezifische Projekte. Das schafft mehr Planungsunsicherheit und weniger Spielraum für neue Vorhaben. Freiwerdende Stellen könnten möglicherweise nicht gleichwertig nachbesetzt werden, sondern nur in geringerem Umfang oder in kostengünstigeren Personalkategorien. Kurzfristig könne das die Qualität von Lehre und Ausbildung beeinträchtigen, mittelfristig seien internationale Reputation und nationale Wettbewerbsfähigkeit gefährdet.

Die Hochschule für bildende Künste Hamburg hat bereits einen Einstellungsstopp umgesetzt. Freiwerdende oder auslaufende Stellen können grundsätzlich nicht nachbesetzt werden. Im Studiengang Bildende Künste soll die Zahl der Bachelorstudienplätze von derzeit 106 auf 84 im Jahr 2029 sinken.

Nach Angaben der HFBK wirken sich die Einsparungen unmittelbar auf Lehre und Forschung aus. Internationale Austauschmöglichkeiten und Kooperationen könnten geschwächt werden, ebenso die über Jahre aufgebaute internationale Sichtbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Strategische Vorhaben müssten reduziert oder aufgegeben werden – darunter der Ausbau der Promotionsstrukturen, die künstlerische Forschung und die geplante Entwicklung des Studienbereichs Literarisches Schreiben.

Nicht betroffen von den angekündigten Einsparungen ist die Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg. Als Universität des Bundes wird sie nicht aus dem Hamburger Hochschulhaushalt finanziert.

Was Senat und Hochschulen daraus machen wollen

Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) äußerte sich zum Protest nicht selbst. Ihre Behörde erklärte, Blumenthal stimme sich seit Monaten eng mit den Hochschulen ab und setze sich für diese ein. Zugleich nehme sie die Sorgen angesichts der Haushaltslage ernst. Wegen der begrenzten finanziellen Spielräume müsse die Stadt Prioritäten setzen; Entscheidungen sollten mit Augenmaß getroffen werden. Kürzungen nach dem Rasenmäherprinzip lehnt Blumenthal ab.

Die neuen Zukunftsverträge mit den Hochschulen sollen eine verlässliche Grundlage bilden. Die Globalbudgets, also die Grundfinanzierung, sollen um zwei Prozent steigen. Die Hochschulen halten diesen Anstieg für unzureichend, weil er die tatsächlichen Kostensteigerungen nicht annähernd ausgleiche.

Der rot-grüne Senat will den Haushaltsplanentwurf für 2027 und 2028 bis Ende Juni beschließen. Die Hamburgische Bürgerschaft soll den Doppelhaushalt Mitte Dezember endgültig verabschieden. Bis dahin bleibt auf dem Campus vor allem eine Frage offen: Wie viel Zukunft passt noch in einen Etat, der schon heute an vielen Stellen knirscht?