Hamburger Woche der Pressefreiheit: Wie Schulen, Medien und KI gegen Desinformation wappnen
Heute, am 13. Oktober 2026, läuft die vierte Hamburger Woche der Pressefreiheit bereits auf Hochtouren. Vom 11. bis 17. Oktober geht es in Hamburg sowie in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern um Pressefreiheit, Medienkompetenz und Desinformation. Internationale Gäste, Diskussionen und Workshops bringen dabei ziemlich unterschiedliche Perspektiven zusammen – vom Regionalradio bis zum Klassenzimmer.
Initiiert wird die Aktionswoche von der Körber-Stiftung und der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS. Beteiligt sind NDR Info und mehr als 50 weitere Partner. NDR Info ist außerdem Gründungspartner der Hamburger Woche der Pressefreiheit. Der NDR beteiligt sich nicht nur mit Angeboten in Hamburg, sondern auch in den drei norddeutschen Flächenländern.
KI, Deepfakes und Regionaljournalismus
In Kiel steht heute um 17 Uhr in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek die Veranstaltung „Fakt oder Fake? – Regionaljournalismus im KI-Zeitalter“ auf dem Programm. Veranstalter sind NDR Schleswig-Holstein und NDR Info. Auf dem Podium sitzen Sabine Doppler, Tanja Köhler, Sven Lohmann, Anna Albrecht und Christoph M. Abels; moderiert wird die Runde von Christopher Scheffelmeier.
Es geht um künstliche Intelligenz, Deepfakes, Desinformation und Faktenchecks – und um die Frage, welche Rolle Regionaljournalismus spielt, wenn Bilder, Videos und Stimmen längst nicht mehr automatisch glaubwürdig wirken. Auch Medienkompetenz gehört zu den Themen. Das klingt zunächst nach großer Medienpolitik, landet aber schnell im Alltag: auf dem Smartphone, im Familienchat, im Unterricht.
In Heide leitet NDR-Redakteur Lornz Lorenzen das „Seminor op Platt: Narichten in de Kries“. Das Seminar beschäftigt sich mit Medienkompetenz im Zeitalter künstlicher Intelligenz. In Schwerin untersuchen Schülerinnen und Schüler in einem Medienkompetenz-Workshop am Beispiel der Landtagswahlen die Berichterstattung über strittige Themen. Dabei wird auch die Bedeutung der Pressefreiheit behandelt. Weitere Informationen gibt es unter NDR.de/MV.
Schon am Sonntag begann die Aktionswoche mit einer Matinee beim NDR, moderiert von Ingo Zamperoni. Am 13. Oktober empfängt der NDR außerdem Schulklassen zu Workshops über die Bedeutung der Pressefreiheit.
Was Desinformation vor Ort anrichtet
In Lüneburg fragten NDR Niedersachsen und NDR Info am Montag, 12. Oktober, um 20 Uhr im Forum der Leuphana Universität: „Was macht Desinformation mit der Demokratie vor Ort?“ Die Podiumsdiskussion fand gemeinsam mit der Leuphana Universität im Rahmen von NDR DIREKT statt.
Im Mittelpunkt standen Deepfakes, Hasskampagnen und Desinformation – und ihre Auswirkungen auf den demokratischen Alltag in Städten und Gemeinden. Teilnehmer waren unter anderem Clara Reveland, Manuel Becker, Fabian Grischkat, Thomas Otto, Thorsten Massinger und Marcus Pietsch. Zusätzlich beteiligten sich Vertreterinnen und Vertreter der Initiative „Starke Stelle“ sowie des Netzwerks „Junge Bürgermeister*innen“. Susanne Stichler moderierte.
Das Format war als Community-Event angelegt: Gäste und Publikum konnten vor Ort ebenso wie digital mitmachen. Gerade bei kommunalen Themen ist das nicht nebensächlich. Wenn eine erfundene Behauptung im Ort die Runde macht, braucht es oft keine riesige Kampagne – ein paar weitergeleitete Nachrichten können reichen.
Am 15. Oktober folgt in der Zentralbibliothek Hamburg der Live-Podcast „Pressefreiheit und Propaganda im Krieg“. Zu Gast sind die Hosts des NDR-Info-Podcasts „Streitkräfte und Strategien“ sowie die Moskau-Korrespondentin Gesine Dornblüth.
Nachrichtenkompetenz beginnt nicht erst im Studium
Am Donnerstag, 15. Oktober, geht es von 19:00 bis 20:30 Uhr bei „Pressefreiheit braucht Nachrichtenkompetenz“ darum, wie Kinder und Jugendliche für die digitale Öffentlichkeit resilient werden können. Die Veranstaltung ist offen für alle und wird von Journalismus macht Schule und dem VOCER Institut für Digitale Resilienz veranstaltet.
Geplant sind ein Vortrag und eine Podiumsdiskussion. Besprochen werden die Bedeutung von Informationskompetenz für Pressefreiheit und demokratische Meinungsbildung, das Einordnen von Informationen und das Erkennen von Desinformation. Außerdem wird das Lernbuch „Digitale Resilienz. Wie Eltern und ihre Kinder souveräner im Umgang mit dem Internet werden“ vorgestellt und diskutiert. Auf dem Tisch liegen auch die Verantwortung von Schulen, Eltern, Medien und Politik sowie Maßnahmen zur Steigerung der Nachrichtenkompetenz Jugendlicher.
Auf dem Podium sitzen Damla Hekimoğlu, unter anderem tagesschau24, Hanin Kleemann, unter anderem tagesschau together, Bianca Thies, Schulleiterin der Helmuth-Hübener-Stadtteilschule, sowie Dr. Stephan Weichert vom VOCER Institut für Digitale Resilienz. Moderiert wird die Veranstaltung von Jörg Sadrozinski. Schwerpunkte sind Medien- und Nachrichtenkompetenz, künstliche Intelligenz und Desinformation sowie das Verhältnis von Presse und Demokratie.
Ort ist der Vortragsraum der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky, Von-Melle-Park 3, 20146 Hamburg. Eine Anmeldung ist unter eveeno.com/135885689 möglich. Die Aktivitäten von Journalismus macht Schule im Rahmen der Hamburger Woche der Pressefreiheit werden von der Otto Brenner Stiftung gefördert.
Warum das Thema in Schulen landet
In sozialen Medien verbreiten sich Falschmeldungen, Deepfakes – also durch KI manipulierte Foto-, Video- und Audioaufnahmen – und gefälschte Nutzerprofile schnell. Vor Wahlen treten solche Inhalte besonders häufig auf. Sie sollen Wählerinnen und Wähler beeinflussen und Stimmung gegen politische Gegner erzeugen. Das ist kein fernes Internetproblem, sondern kann direkt in Wahlkämpfe und Gespräche vor Ort rutschen.
Viele junge Menschen in Deutschland wünschen sich deshalb, dass das Erkennen von Desinformation und der Umgang mit künstlicher Intelligenz im Unterricht behandelt werden. Grundlage dafür sind Ergebnisse der 19. Shell-Jugendstudie 2024. Befragt wurden 2.509 Jugendliche im Alter von 12 bis 25 Jahren in Deutschland. Digitale Angebote werden von ihnen vielfältig und zunehmend genutzt. Bei der Suche nach politischen Informationen verwenden 45 Prozent Online-Medien; 2019 waren es 30 Prozent. Zehn Prozent informieren sich ausschließlich online.
Mit Blick auf die bevorstehenden Neuwahlen zum Deutschen Bundestag empfiehlt der Medienkompetenzrahmen NRW, Fake News, Desinformation und Deepfakes im Unterricht zu thematisieren und Medienkompetenz zu vermitteln. Wichtig sei, Informationen sinnvoll und zielgerichtet auszuwählen sowie kritisch zu bewerten (Kompetenzbereich 2) und mediale Inhalte zu analysieren und zu reflektieren (Kompetenzbereich 5). Diese Fähigkeiten sollen helfen, demokratiegefährdende Medieninhalte zu erkennen und sich gegen Desinformation und Manipulation zu schützen.
Ein neuer Materialpool richtet sich an Lehrkräfte verschiedener Schulstufen und Kompetenzniveaus. Für die Grundschule gibt es etwa das Internet-ABC-„Quiz – Fake News“ (2024), „Fake News – Auf Spurensuche mit Finn“ (aktualisiert 2024), die Unterrichtseinheit des Bayerischen Rundfunks „Fake News – Gibt es erlogene Nachrichten?“ (2023) und „Die Fake Hunter Junior“, ein Planspiel für Kinder.
Für die Sekundarstufe I und II werden unter anderem „So geht MEDIEN im Unterricht: Die Tricks der Fake-News-Macher durchschauen“ (2019), die Klicksafe-Arbeitsmaterialien „Ethik macht Klick. Meinungsbildung in der digitalen Welt. Desinformation – Fake News – Verschwörungserzählungen“ (2023), das Klicksafe-Quiz zu Deepfakes (2024), die Articlett-Unterrichtssequenz „(Des-)Information und Social Media“ (2024) sowie Onlinekurse für Schülerinnen und Schüler mit ergänzenden Materialien für Lehrkräfte des Europäischen Instituts für Journalismus- und Kommunikationsforschung e. V. (2024) genannt.
Dazu kommen „Fakten gegen Fakes“ zum Faktenchecken auf TikTok mit Reporter4You (2024), „Digitale Demokratiekompetenz“ der Landeszentrale für politische Bildung NRW (aktualisiert 2023) und der Digitalcheck NRW, ein kostenloser Selbsttest für die Sekundarstufe II zur Überprüfung eigener Medienkompetenzen, unter anderem zum Thema Desinformation (2024).
Wer selbst prüfen möchte, kann auf den ARD-Faktenfinder, den Mimikama Faktencheck, den „#Faktenfuchs“ der BR24-Redaktion oder den Correctiv-Faktencheck zurückgreifen. Für die Sekundarstufen I und II gibt es außerdem
