Hamburg hat den Siegerentwurf für die neue Köhlbrandbrücke vorgestellt. Am 10. Juni 2026 präsentierten Senatorin Dr. Melanie Leonhard, Oberbaudirektor Franz-Josef Höing, Dr.-Ing. Maren Wolff und Jens Meier, CEO der Hamburg Port Authority, die Ergebnisse des europaweiten Wettbewerbs im Hamburger Rathaus. Auch an der Uni Hamburg dürfte die Nachricht viele interessieren: Die neue Querung wird den Hafenverkehr über Jahrzehnte prägen.

Die bestehende Köhlbrandbrücke muss nach mehr als 50 Jahren ersetzt werden. Eine Sanierung wäre nur noch mit großem Aufwand möglich. Der ausgewählte Entwurf greift die vertraute Gestalt auf: schmale, geschwungene Rampen, zwei große Pylone und ein über dem Köhlbrand hängender Mittelteil. Trotzdem ist es nicht einfach eine Kopie.

Höher, länger und für größere Schiffe

Die Pylone sollen künftig aus Beton statt aus Stahl bestehen. Der Mittelteil wird nur durch Stahlseile zwischen den Fahrbahnen getragen. Die Fahrbahn liegt dann 73,5 Meter über dem Köhlbrand – rund 20 Meter höher als heute. In den Planungsunterlagen ist von einer Durchfahrtshöhe von rund 73 Metern und einer Hauptspannweite von 400 Metern die Rede.

Damit sollen größere Schiffe die dahinterliegenden Hafengebiete erreichen können. Weil die Brücke höher wird, verlängern sich die Rampen auf der Ost- und Westseite jeweils um 500 Meter. Der gesamte Brückenzug misst laut Oberbaudirektor Franz-Josef Höing rund fünf Kilometer. Er ersetzt die Köhlbrandbrücke von 1974 und wird Bestandteil der Haupthafenroute.

Den Zuschlag erhielt eine Ingenieurgemeinschaft aus WTM Engineers, GRASSL und schlaich bergermann partner sowie gmp und PPL. In der Darstellung wirkt der Entwurf filigran und modern, zugleich soll die Brücke im Hafen deutlich sichtbar sein. Höing beschreibt ihn als klar, elegant und konstruktiv durchdacht. Geplant werden außerdem eine wartungsarme Konstruktion, nachhaltige Lösungen und ein möglichst reibungsloser Hafenbetrieb während der Bauphase.

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Planung unter Zeitdruck

Der Siegerentwurf dient nun als Grundlage für die weitere Planung der neuen Köhlbrandquerung. Ursprünglich war die Verkehrsfreigabe erst etwa 2042 erwartet worden. Nach der beschleunigten Planung soll bis 2030 der Planfeststellungsbeschluss beantragt werden. Für den Autoverkehr ist die Freigabe am Ende der 2030er-Jahre vorgesehen.

Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard rechnet damit, dass die veranschlagten Kosten von 5,3 Milliarden Euro eingehalten werden können. Der Bund soll die Hälfte der Netto-Baukosten übernehmen. Die Hamburgische Bürgerschaft hatte dem Neubau bereits im Juni 2024 zugestimmt.

Wer sich den Entwurf selbst ansehen möchte, kann das in der Rathausdiele tun: Dort ist die Ausstellung bis zum 24. Juni zu sehen. Ein bisschen Hafenluft und große Infrastruktur auf Plänen – der Weg vom Uni-Alltag zur ganz großen Hamburger Baustelle ist damit nicht weit.

Warum diese Querung überhaupt nötig wurde

Die Geschichte der Köhlbrandbrücke beginnt lange vor ihrer Eröffnung. Seit den Planungen in den 1960er-Jahren war sie als Ost-West-Verbindung für den Hamburger Hafen und als Zubringer zur A7 und zum Elbtunnel vorgesehen. Gemeinsam sollten Brücke, Autobahn und Elbtunnel die Verkehrsanbindung des Hafens und seines Hinterlands in Nord- und Osteuropa sichern.

Der Hafen war nach dem Zweiten Weltkrieg durch den wachsenden Welthandel und den Containerverkehr nach Westen gewachsen. Eine leistungsfähige Querung des Köhlbrands wurde dringend gebraucht. Zuvor brachten drei Fährschiffe den Verkehr über die stark befahrene Wasserstraße; mehr als 6.000 Fahrzeuge pro Tag konnten sie nicht transportieren.

Eine klassische Hängebrücke nach dem Vorbild der Golden-Gate-Bridge galt wegen der erforderlichen geringen Spannweite als unwirtschaftlich. Eine Bogenbrücke wiederum hätte die für den Schiffsverkehr notwendige lichte Höhe von 53 Metern nicht ermöglicht. Die Lösung: eine Schrägseilbrücke.

Den Entwurf lieferte der Architekt Egon Jux, der damals als elegant und preisgekrönt beschrieben wurde. 1973 standen Pfeiler und Pylone bereits, erste Fahrbahnteile wurden eingehoben. Nach knapp fünfjähriger Bauzeit eröffnete Bundespräsident Walter Scheel die Köhlbrandbrücke am 20. September 1974.

Bevor der Verkehr offiziell freigegeben wurde, nutzten rund 600.000 Menschen an drei Tagen die Gelegenheit, über die Brücke zu laufen. Der Elbtunnel folgte ein Jahr später, 1975. Nun bekommt Hamburgs markante Verbindung über den Köhlbrand ein neues Kapitel – mit Betonpylonen, Stahlseilen und deutlich mehr Luft unter der Fahrbahn.