Die Hamburger Literaturpreise 2026 sind vergeben. Heute, am 6. November, stehen Jarka Kubsova und Ruth Hoffmann im Mittelpunkt: Kubsovas Roman „Im Licht des neuen Tages“, erschienen im S. Fischer Verlag, wurde zum „Hamburger Buch des Jahres“ gewählt. Den Sachbuchpreis der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS erhält Hoffmann für „Raubzug von rechts“, erschienen bei Goldmann.

Die Entscheidungen fielen Anfang November durch eine unabhängige, jährlich neu zusammengesetzte fünfköpfige Jury. Sie hatte einiges auf dem Tisch: 261 anonymisierte Bewerbungen im Bereich Literatur, 17 Comic-Projekte und 20 literarische Übersetzungen. Vergeben wurden sieben Hamburger Literaturpreise in den Kategorien Roman, Erzählung, Drama/Lyrik/Experimentelles, Kinder- und Jugendbuch sowie Comic. Dazu kamen drei Übersetzungspreise.

Zwischen Böhmischem Wald und rechter Begriffspolitik

In „Im Licht des neuen Tages“ zieht sich die Schriftstellerin Elli Hajek zum Schreiben in ein abgelegenes Haus zurück. Dort erinnert sie sich an Viktorka, eine Figur aus den Erzählungen ihrer tschechischen Großmutter. Nach einem schwerwiegenden Ereignis wurde Viktorka für wahnsinnig erklärt und lebte anschließend allein im Böhmischen Wald. Kubsovas Roman erzählt von zwei Frauen, die sich ihrer Vergangenheit stellen und dadurch zu sich selbst finden.

Ruth Hoffmann untersucht in „Raubzug von rechts“, wie die Neue Rechte demokratische Begriffe für sich beansprucht. Nation, Freiheit, Familie, Demokratie und Widerstand werden daraufhin betrachtet, wie Rechtspopulisten sie umdeuten und für rassistische, sexistische und ausgrenzende Botschaften nutzen. Für Hoffmann ist es bereits die zweite Auszeichnung durch die Jury nach 2024. Damals erhielt sie den Sachbuchpreis für „Das deutsche Alibi“.

Beide Hauptpreise sind mit jeweils 8.000 Euro dotiert. Das Preisgeld für den Sachbuchpreis stiftet die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS. Auch die regulären Literaturpreise tragen jeweils 8.000 Euro; die drei Übersetzungspreise sind mit jeweils 4.000 Euro verbunden.

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Unveröffentlichte Texte, viele Sprachen

In der Kategorie Roman gehen die Preise an Karen Köhler für „Ich bin alles“ und Milena Franck für „Buslinie 575“. Eva Lohmann erhält eine Auszeichnung für „Aus der Zeit gefallen“, Daniela Chmelik für „Ostende“. Djoana Weimann wird in der Kategorie Lyrik/Drama/Experimentelles für „Kill me, but I won’t be dead“ geehrt.

Susanne Orosz gewinnt im Kinder- und Jugendbuch mit „Jadedrache“. Der Comic-Preis geht an Paula Mittrowann für „Frost“. Die in diesen Kategorien ausgezeichneten Texte sind bislang unveröffentlicht – ein kleiner Satz, der für die Autorinnen und Autoren vermutlich ziemlich viel bedeutet.

Auch die Übersetzungen führen weit über den deutschen Sprachraum hinaus: Ursel Allenstein wird für ihre Übertragung von Tove Ditlevsens Gedichtband „Da wohnt ein junges Mädchen in mir, das nicht sterben will“ aus dem Dänischen ausgezeichnet. Henrike Schmidt erhält den Preis für die Übersetzung von Maria Virchovs „Gelbe Gedichte“ aus dem Bulgarischen und Russischen. Britta Fietzke wird für die Übertragung der Biografie „Gertrude Stein“ von Francesca Wade aus dem Englischen geehrt.

Jury, Comicfestival und die Preisverleihung

Zur Jury gehören Can Mayaoglu, Autorin und Buchhändlerin, Kirsten Gleinig, Literaturübersetzerin und Vorjahrespreisträgerin, Silke Tobeler, Autorin und Mitglied des writers’ room e. V., Prof. Dr. Tobias Kurwinkel, Direktor des Instituts für Germanistik, sowie Harriet Dohmeyer, Verlegerin des Ankerwechsel Verlags.

Die Behörde für Kultur und Medien fördert mit den Hamburger Literaturpreisen die ansässige Literaturszene. Die Vergabe des Comic-Preises wird vom Hamburger Comicfestival e. V. begleitet. Für die Auswahl des prämierten Comics entsendet das Festival 2026 die Comic-Verlegerin Johanna Maierski als Expertin in die Jury.

Überreicht werden die Auszeichnungen am 7. Dezember 2026 im Literaturhaus Hamburg. Kultursenator Dr. Carsten Brosda übernimmt die Übergabe. Eine Lesung mit allen Preisträgerinnen ist für das Frühjahr 2027 geplant. Kurz vor der Preisverleihung soll außerdem ein Katalog zu den Preisträgerinnen erscheinen, der auf der angegebenen Hamburger-Webseite heruntergeladen werden kann.

Die Shortlists und ein Blick zurück

Vor der Entscheidung standen bei „Buch des Jahres“ fünf Titel auf der Shortlist: Mitko Bonnés „Kanzlerkino“, Norbert Gstreins „Im ersten Licht“, Nefeli Kavouras „Gelb, auch ein schöner Gedanke“, Jarka Kubsovas „Im Licht des neuen Tages“ und Daniel Mellems „Einstein im Bade“. Ausgezeichnet wird in dieser Kategorie Belletristik einer Hamburger Autorin oder eines Hamburger Autors.

Für den Sachbuchpreis der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS waren neben Ruth Hoffmanns „Raubzug von rechts“ Anne Ottos „Die Eleganz der Zuwendung“, Ursula Schröders „Schutz in Krisenzeiten“, Christian Schüles „Die Jagd nach der Muskatnuss“ und Volker Ullrichs „Helmuth James von Moltke“ nominiert. Der Preis geht an ein Sachbuch aus Hamburg.

Die vergangenen Jahrgänge lesen sich fast wie eine kleine Karte der Hamburger Literaturszene: 2025 gewann Jegana Dschabbarowa mit „Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt“ das „Buch des Jahres“, Eva Thöne erhielt den Sachbuchpreis für „Weibliche Macht neu denken“. In den weiteren Kategorien wurden Andreas Moster und Nicole Röndigs im Roman, Verena Carl in der Erzählung, die Gruppe „Mädchen vom Jupiter“ sowie Till Raether bei „Lyrik, Drama, Experimentelles“, Juliane Pickel im Kinder- und Jugendbuch, Noëlle Kröger im Comic sowie Kirsten Gleinig, Corinna Popp und Nicolai von Schweder-Schreiner für Übersetzungen ausgezeichnet.

2024 ging das „Buch des Jahres“ an Simoné Goldschmidt-Lechner für „Ich kann dich noch sehen (an diesen Tagen)“, 2023 an Till Raether für „Die Architektin“. Moshtari Hilal erhielt 2023 den Sachbuchpreis für „Hässlichkeit“. Zuvor wurden Claudia Schumacher 2022 für „Liebe ist gewaltig“, Andreas Moster 2021 für „Kleine Paläste“, Benjamin Maack 2020 für „Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein“ und Saša Stanišić 2019 für „Herkunft“ als „Buch des Jahres“ ausgezeichnet.

Quelle: Behörde für Kultur und Medien
Weitere Informationen: hamburg.de
Shortlists und frühere Jahrgänge: Hamburger Literaturpreise