Wer von Hamburg nach Lüneburg fährt, sitzt gerade einmal etwa 35 Minuten in der Bahn. Vom Bahnhof sind es knapp zehn Minuten zu Fuß bis zum Stintmarkt – und plötzlich liegt die Ilmenau vor einem, eingerahmt von Giebel- und Fachwerkhäusern. Lüneburg in Niedersachsen hat etwas mehr als 79.000 Einwohner:innen, wirkt in seiner Altstadt aber an vielen Stellen deutlich kleiner, näher und langsamer.

Am historischen Stintmarkt steht der Alte Kran, daneben reihen sich Häuser mit hohen Giebeln. Auf der Brücke am Stint lässt sich das Treiben gut beobachten. Im Sommer sitzen dort viele junge Menschen und Studierende mit Getränken; diese Form des Zusammensitzens wird teils „Bridgen“ genannt. Ein bisschen Flussluft, ein bisschen Feierabend – und meistens findet sich noch jemand, der dazukommt.

Zwischen Giebeln, Markt und Universität

Rund um den Stint liegen die Innenstadt, kleine Geschäfte, Cafés und der Marktplatz. Mittwochs und samstags findet vor dem Historischen Rathaus der Wochenmarkt statt. Das Rathaus selbst gilt als sehenswert: Seine ältesten Teile stammen aus dem 13. Jahrhundert, die heutige Barockfassade wurde im 18. Jahrhundert vollendet. Es ist eines der bedeutendsten Rathäuser Norddeutschlands und weiterhin Sitz der Stadtverwaltung. Einige historische Räume können bei Führungen besichtigt werden.

Im Rathausturm hängt ein Glockenspiel mit 41 Meißener-Porzellanglocken. Täglich spielt es Melodien von Johann Abraham Peter Schulz, dem in Lüneburg geborenen Komponisten von „Der Mond ist aufgegangen“ und „Ihr Kinderlein, kommet“. Der Marktplatz bleibt dabei ziemlich bodenständig: Marktstände, Stimmengewirr, Gerüche – und irgendwo klappert immer etwas.

Durch die Altstadt führen kopfsteingepflasterte Gassen, vorbei an Cafés, Restaurants und Geschäften. Der Platz Am Sande gehört zu den ältesten Plätzen Lüneburgs und ist für seine aneinandergereihten, gestalteten Giebelhäuser bekannt. Dort steht auch die St.-Johannis-Kirche mit ihrem leicht schiefen Turm. Nördlich des Platzes beginnt das Haupteinkaufsviertel, westlich davon liegt das ruhigere Wohnviertel rund um die Michaeliskirche.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Gotische Kirchen, historische Giebelhäuser und moderne Einrichtungen liegen in Lüneburg erstaunlich dicht beieinander. Das auffälligste moderne Gebäude ist das Zentralgebäude der Leuphana Universität. Entworfen wurde es vom Architekten Daniel Libeskind; von außen erinnert der Bau an ein Raumschiff. Der Bau führte zu Diskussionen – was bei einem Gebäude, das derart aus der Umgebung herausragt, wohl kaum ausbleibt. Rund 10.000 Studierende besuchen die Universität, deren Standort nach dem Ende der Garnisonszeit in einer ehemaligen Kaserne entstand.

Salz unter der Stadt

Über mehr als 1.000 Jahre prägte Salz die Entwicklung Lüneburgs. Die Saline machte die Stadt im Mittelalter reich, Lüneburg wurde zu einer bedeutenden Handelsstadt der Hanse. Das Salz gelangte über Lübeck in den Ostseeraum und wurde vor allem zur Konservierung von Lebensmitteln genutzt. Historische Backstein-Giebelhäuser zeugen noch heute von diesem früheren Wohlstand.

Das mittelalterliche Stadtbild mit engen Gassen, Marktplatz und dem Platz Am Sande ist weitgehend erhalten geblieben. Unter der Oberfläche steckt allerdings eine komplizierte Geschichte: Der unterirdische Salzabbau führte ab 1830 zwischen der ehemaligen Saline und dem Kalkberg zu Absenkungen. Das Gebiet senkte sich um mehrere Meter, Dutzende Häuser und die Lambertikirche gingen verloren. In der Frommestraße schoben sich durch die Erdbewegungen sogar zwei gusseiserne Torflügel übereinander.

Die St.-Michaelis-Kirche entstand im 14. und 15. Jahrhundert. Nördlich davon wurden Überreste eines ehemaligen Benediktinerklosters entdeckt, vermutlich Teile des Kapitelsaals. Ein Michaeliskloster auf dem Kalkberg ist bereits für das Jahr 956 belegt. Nach der Zerstörung der Festung 1371 wurden Kirche und Kloster innerhalb der Stadtmauern wiederaufgebaut. Der Neubau entstand auf der Abbruchkante eines Salzstocks – deshalb gerieten Pfeiler im Kirchenschiff bis zu 70 Zentimeter aus dem Lot.

St. Michaelis wird „Bachkirche des Nordens“ genannt. Johann Sebastian Bach besuchte dort als Jugendlicher die Partikularschule des Klosters und musizierte in der Kirche. St. Nicolai ist die jüngste Hauptkirche Lüneburgs; ihr Backsteinturm wurde erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet.

Wer höher hinauswill, kann auf dem Kalkberg über die Dächer und Kirchtürme der Altstadt schauen. Auch der historische Wasserturm besitzt eine Aussichtsplattform, der Aufstieg ist sogar per Fahrstuhl möglich. Das ist praktisch, wenn die Beine vom Pflaster schon ein wenig protestieren.

Vom Salzsieden bis „Rote Rosen“

Das Deutsche Salzmuseum befindet sich am Standort der ehemaligen Produktionsstätten, die 1980 geschlossen wurden. Dort wird erklärt, wie Salz aus Sole gewonnen, gesiedet und durch das Verdampfen des Wassers kristallisiert wurde. Die Sole kam aus bis zu 20 Meter tiefen Schächten, wurde über Feuer erhitzt und hinterließ schließlich Salzkristalle. Auch die Eigenschaften von Salzkristallen gehören zum Programm.

Das Museum Lüneburg spannt den Bogen weiter: Naturkunde, Archäologie und Stadtgeschichte treffen dort aufeinander. Die Themen reichen von der Eiszeit über das Mittelalter bis zur Gegenwart, darunter Landschaft, Kunst, Hanse, Nationalsozialismus und Anti-Atom-Bewegung.

Rund um den Stintmarkt im historischen Hafenviertel liegen zahlreiche Restaurants. Das Wasserviertel war früher ein Ort des Fischhandels; heute gibt es dort, nach Angaben des NDR-Beitrags, ebenso wie in der gesamten Stadt mehr als 300 Lokale. Weitere gastronomische Schwerpunkte befinden sich in der Schröderstraße und der Heiligengeiststraße. Wer nach einem langen Altstadtspaziergang hungrig wird, muss also nicht lange suchen.

Am alten Kurpark bietet die Salztherme „Salü“ mehrere Salzwasserbecken mit bis zu vier Prozent Sole, außerdem ein Erlebnisbad mit Rutschen und eine Saunazone. Und dann ist da noch „Rote Rosen“: Die Telenovela läuft seit 20 Jahren und trägt laut dem Beitrag zum Tourismus bei. Jährlich kommen rund sieben Millionen Tagestouristen in die Hansestadt, viele davon wegen der Serie. Für manche ist es das Rathaus, für andere die nächste Drehkulisse.

Auch außerhalb der Stadt geht die Reise weiter. Der historische Heide-Express fährt von Lüneburg durch die Lüneburger Heide bis an die Elbe; zu Ostern ist ein Osterhase an Bord. Der Radfernweg „Alte Salzstraße“ folgt dem früheren Handelsweg des Salzes von Lüneburg nach Lübeck entlang des Elbe-Lübeck-Kanals. Die Lüneburger Heide südlich von Hamburg bis nach Gifhorn eignet sich zum Radfahren und Wandern – mit etwas Glück bleibt danach sogar noch Energie für ein Getränk an der Brücke.

Der NDR strahlte seinen Beitrag über Lüneburg und die Sehenswürdigkeiten am 23.08.2026 im Fernsehen aus. Heute, am 23.10.2026, sitzt man an der Uni Lüneburg vielleicht schon wieder zwischen Seminaren, Fahrradständern und dem nächsten Kaffee. Und unten am Stint zieht die Ilmenau weiter, als hätte sie mit all dem Stadttrubel überhaupt nichts zu tun.