SC Paderborn 07 trägt seinen Bundesliga-Aufstieg bis ins Kapitol von Washington
In Washington trägt der SC Paderborn 07 seine Farben derzeit weit über Nordrhein-Westfalen hinaus. Während seines Aufenthalts in der US-Hauptstadt wirbt der Verein um mehr Bekanntheit – mit einem Besuch des Kapitols, einem Aufenthalt an der University of Maryland und einem Freundschaftsspiel gegen D.C. United. Die Bundesliga hilft dabei kräftig mit: Sie macht den Klub auch international anschlussfähig.
Wie schnell das funktionieren kann, zeigte sich am Dienstag bei der Kapitol-Tour. Drei Jungen erkannten die Paderborner Spieler an den Vereinslogos auf deren dunkelblauen Trainingsanzügen. Kurz im Internet nachgeschaut, schon war klar, wer da vor ihnen stand. Danach baten sie um ein gemeinsames Foto – ein kleiner Moment, aber einer, der hängen bleibt.
Vom Campus ins Audi Field
Auf dem Campus der University of Maryland waren Neele Rickers, Leiterin des Marketings beim SC Paderborn 07, sowie Maike Piepenbrock und Maren Hartmann zu sehen. Für den Klub ist die Reise mehr als ein Ausflug: Paderborn versucht, sich in den USA ein Gesicht zu geben, bevor am Mittwoch, 30. September 2026, das Spiel gegen D.C. United ansteht.
D.C. United hatte das internationale Freundschaftsspiel gegen den Bundesliga-Aufsteiger angekündigt. Anpfiff ist um 19:30 Uhr Eastern Time im Audi Field in Washington, D.C. Das Stadion fasst 20.000 Zuschauer. Unterstützt wird D.C. United bei der Austragung von Onside Sports.
Der Ticketverkauf über Ticketmaster startet am 17. Juni um 14:00 Uhr Eastern Time. Abonnenten der E-Mail-Verteiler von D.C. United und Audi Field können bereits ab 12:00 Uhr in den Vorverkauf. Für sämtliche Dauerkarteninhaber von D.C. United ist die Partie im Paket enthalten, ebenso im United Subscription Pass.
Sportlich kommt Paderborn mit einer Geschichte nach Washington, die in den letzten Minuten entschieden wurde. In der Saison 2025/26 holte der Verein 62 Punkte und qualifizierte sich für die Bundesliga-Relegation. Das Hinspiel beim VfL Wolfsburg endete 0:0, im Rückspiel gewann Paderborn 2:1 – das entscheidende Tor fiel in der 99. Minute der Verlängerung. Damit kehrt der Klub erstmals seit der Saison 2019/20 in die Bundesliga zurück.
Ein Aufsteiger mit langem Anlauf
Der SC Paderborn 07 e. V., kurz SCP07 oder SCP, sitzt in Paderborn, Nordrhein-Westfalen, und wurde 1985 durch die Fusion von TuS Schloss Neuhaus und FC Paderborn gegründet. Die Vereinsfarben sind Blau und Schwarz. Der Name „SC Paderborn 07“ verweist auf das Gründungsjahr 1907 von TuS Neuhaus. Seit 1985 spielte der Klub in allen fünf höchsten deutschen Spielklassen.
Die jüngste Aufstiegsgeschichte begann 2017/18 mit dem Sprung aus der 3. Liga in die 2. Bundesliga, 2018/19 folgte der nächste Schritt ins Oberhaus. Der Weg war allerdings keineswegs gerade. Seit der Fusion verbrachte Paderborn den größten Teil seiner Geschichte in der dritthöchsten deutschen Spielklasse. 2005 gelang erstmals der Aufstieg in die 2. Bundesliga, 2013/14 wurde der Verein dort Zweiter und stieg erstmals in die Bundesliga auf.
Auf die erste Bundesligasaison folgte der Abstieg, anschließend ging es weiter hinunter in die 3. Liga. 2016/17 belegte Paderborn sportlich Platz 18 und wäre zum dritten Mal in Folge abgestiegen. Weil dem TSV 1860 München die Lizenz entzogen wurde, blieb Paderborn jedoch in der 3. Liga. 2017/18 ging es als Zweiter wieder nach oben, ein Jahr später erneut in die Bundesliga. Nach dem direkten Abstieg 2019/20 etablierte sich der Klub in der oberen Hälfte der 2. Bundesliga; 2024/25 wurde der Aufstieg noch verpasst.
Die erste Mannschaft trainiert Ralf Kettemann und spielt in der Home-Deluxe-Arena mit 15.000 Plätzen. In der Saison 2025/26 erreichte Paderborn den dritten Platz der 2. Bundesliga und setzte sich in der Relegation gegen Wolfsburg durch: 0:0 im Hinspiel, 2:1 nach Verlängerung im Rückspiel. Die Bundesligaaufstiege werden für 2014, 2019 und 2026 geführt.
Der Saisonfahrplan begann am 5. Juli mit einem Testspiel gegen den Amateurverein SC Blau-Weiß Ostenland. Zwischen dem 21. und 24. August trat Paderborn in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Phönix Lübeck an.
Ein Verein, der aus vielen Linien besteht
Die Wurzeln reichen deutlich weiter zurück als bis 1985. 1907 gründeten 20 Fußballfreunde den Fußballverein Arminia Neuhaus, einen von vier Grundsteinen des heutigen Vereins. Weitere historische Grundlagen waren der FC Preußen Paderborn von 1908, der SV 07 Neuhaus von 1907 und der TuS Sennelager von 1910.
Der FC Preußen Paderborn wurde 1913 teilweise zum SV 1913 Paderborn und später zum VfB Paderborn; ab 1920 hieß der Verein VfJ 08 Paderborn. Dieser spielte unter anderem 1948/49 sowie von 1952 bis 1956 in der Amateurliga Westfalen und gewann dort 1952 die Ligameisterschaft. 1968 fusionierten die Paderborner Vereine erneut zum 1. FC Paderborn.
1978 holte der 1. FC seine Staffelmeisterschaft, scheiterte aber in der Westfalenmeisterschaft und der Aufstiegsqualifikation. 1980/81 wurde er Meister der Amateur-Oberliga Westfalen; wegen der Umstellung der 2. Bundesliga gab es damals keinen Aufsteiger. Der SV 07 Neuhaus spielte 1944/45 kurzzeitig in der Gauliga, ehe der Spielbetrieb nach dem ersten Spiel kriegsbedingt eingestellt wurde. 1973 fusionierte dessen Fußballabteilung mit dem TuS Sennelager zum TuS Schloß Neuhaus.
Der TuS Schloß Neuhaus stieg 1982 als Westfalenmeister in die 2. Bundesliga auf und 1983 wieder ab. 1985 folgte die Fusion mit dem 1. FC Paderborn zum TuS Paderborn-Neuhaus, 1994 gewann der Verein die Oberliga Westfalen, scheiterte aber in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. 1997 wurde er in SC Paderborn 07 umbenannt. 2000/01 stieg der Klub wegen der Reduzierung der Regionalliga-Staffeln in die Oberliga ab, wurde dort aber sofort Meister.
Rund um den Aufstieg 2005 geriet Paderborn außerdem in die Manipulationsaffäre um Schiedsrichter Robert Hoyzer. Im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV gewann der Verein nach einem 0:2-Rückstand mit 4:2. Hoyzer sprach Paderborn zwei Elfmeter zu und verwies Hamburgs Emile Mpenza des Feldes. Weil der Wettbewerb schon weit fortgeschritten war, wurde das Spiel nicht wiederholt; der HSV erhielt eine finanzielle Entschädigung.
2005/06 und 2006/07 hielt sich Paderborn problemlos in der 2. Bundesliga. 2007/08 führten sportliche Probleme und finanzielle Belastungen durch den Stadionneubau zu Platz 17 und zum Abstieg in die neu geschaffene 3. Liga. 2008/09 wurde Paderborn Herbstmeister, rutschte bis zum Saisonende aber auf Rang drei. In der Relegation gegen den VfL Osnabrück gewann der Verein beide Spiele mit 1:0 und kehrte nach einem Jahr zurück.
Es folgten Platz fünf 2009/10, Rang zwölf 2010/11, die bis dahin erfolgreichste Saison 2011/12 mit 61 Punkten und Platz fünf sowie erneut Platz zwölf 2012/13. 2013/14 stieg Paderborn mit 62 Punkten als Zweiter erstmals in die Bundesliga auf und war nach dem vierten Spieltag sogar Tabellenführer. 2014/15 wurde der Verein nach einer 1:2-Niederlage gegen den VfB Stuttgart am letzten Spieltag Tabellenletzter. 2015/16 folgte als Tabellenletzter der Abstieg in die 3. Liga.
Strukturen, Stadion und Nachwuchs
Der Verein zählt zum 1. Juli 2026 insgesamt 11.300 Mitglieder. Präsident ist Thomas Sagel. Oberstes Organ ist die Mitgliederversammlung; sie wählt Aufsichtsrat und Ehrenrat. Der Aufsichtsrat umfasst vier bis sieben Mitglieder.
