Susanne Baltes wird erste Alumna an der Spitze der Bucerius Law School
Die Bucerius Law School bekommt zum 1. Dezember 2026 eine neue Geschäftsführerin: Susanne Baltes übernimmt die Aufgabe an der Hamburger privaten Stiftungshochschule. Vorgestellt wurde sie den Hochschulmitgliedern am 25. September 2026 bei der Begrüßungsfeier für die neuen Studierenden.
Baltes folgt auf Meinhard Weizmann, der die Hochschule nach zehn Jahren verlässt. Gemeinsam mit Präsident Prof. Dr. Michael Grünberger und Co-Geschäftsführer Benedikt Landgrebe wird sie künftig die Bucerius Law School führen. Nach Angaben der Hochschule ist Baltes die erste Frau und zugleich die erste Alumna in der Geschäftsführung.
Von der Hochschule ins Bundeskanzleramt
Ihr eigener Weg begann an der Bucerius Law School: 2002 schloss Baltes dort als Alumna ab. Danach arbeitete sie unter anderem bei der Unternehmensberatung McKinsey, an der Columbia University, wo sie forschte und einen Master of Public Administration erwarb, sowie als Referatsleiterin im Bundeskanzleramt. Weitere Stationen führten sie ins Bundesministerium für Arbeit und Soziales und zu Lehraufträgen an die FOM Hochschule.
Seit April 2022 leitet Baltes im Bundesministerium für Arbeit und Soziales das Referat „Grundsatzfragen des Arbeitsschutzes“. Sie bringt damit Erfahrung aus Politik und Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft sowie internationale Berufserfahrung mit. In ihrer künftigen Arbeit will sie unter anderem mitgestalten, welche Auswirkungen die rasante Entwicklung Künstlicher Intelligenz auf die juristische Ausbildung hat. Ein ziemlich großes Brett – und eines, das an einer Law School wohl kaum liegen bleiben dürfte.
Die Hochschulleitung besteht künftig aus Susanne Baltes als designierter Geschäftsführerin, Benedikt Landgrebe und Prof. Dr. Michael Grünberger. Landgrebe ist seit 2010 stellvertretender Geschäftsführer und seit 2025 Geschäftsführer. Grünberger ist seit 2023 Präsident. Bisher gehörte neben Landgrebe Meinhard Weizmann zur Geschäftsführung; die Hochschulleitung wird durch einen Aufsichtsrat überwacht.
Eine Stiftungshochschule mit Hamburger Adresse
Die Bucerius Law School – Hochschule für Rechtswissenschaft in Hamburg wurde 2000 von der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS gegründet. Sie ist als gemeinnützige GmbH organisiert, eine private Stiftungshochschule für das Gemeinwohl und nach dem Verleger und Politiker Gerd Bucerius benannt. Ihr Sitz befindet sich im ehemaligen botanischen Institutsgebäude der Universität Hamburg im Park Planten un Blomen, nahe dem Bahnhof Hamburg-Dammtor.
Rund 680 Studierende werden von 24 hauptamtlichen Professorinnen und Professoren betreut. Die Hochschule hat bislang mehr als 2.200 Absolventinnen und Absolventen hervorgebracht. Andere veröffentlichte Kennzahlen nennen 794 Studierende im Sommersemester 2023 und 213 Beschäftigte im Jahr 2022, darunter 21 Professoren. Insgesamt verfügt die Hochschule über 36 Professoren: 17 Lehrstühle, vier Juniorprofessoren, eine ordentliche Professur, sieben Affiliate-Professoren, sieben Honorarprofessoren und ein Emeritus. Der Jahresetat lag 2016 bei 17,8 Millionen Euro.
Das Leitbild lautet: „Freiheit des Denkens – universitäre Erneuerung – gesellschaftliche Verantwortung“. Zum Campus gehören das historische Hauptgebäude, ein Auditorium mit 450 Plätzen sowie die Deutsche Bank Hall mit Bibliothek, Mensa und einem weiteren Hörsaal. Die Bibliothek umfasst mehr als 100.000 Bände und 2.355 gedruckte und elektronische Zeitschriften, ist allerdings nur für Hochschulangehörige zugänglich. Gruppenarbeitsräume, Ruheraum, Café, Fitnessstudio, Theaterraum und Kindertagesstätte liegen ebenfalls auf dem Gelände.
Jura mit Auslandstrimester und Studium generale
Das grundständige Jurastudium bereitet auf die Erste Juristische Prüfung vor und führt zum Bachelor of Laws. Pro Jahr werden 116 Studierende aufgenommen. Einschließlich Examensvorbereitung und Auslandstrimester dauert das Studium vier Jahre und umfasst zwölf beziehungsweise 13 Trimester. Im zehnten Trimester wird der Bachelor of Laws verliehen; zugleich bereitet das Studium auf die Erste Juristische Staatsprüfung vor. Im siebten Trimester absolvieren alle Studierenden ein Auslandsstudium.
Auf dem Stundenplan stehen ein obligatorisches Studium generale, englischsprachige Rechtskurse, wirtschaftswissenschaftliche Lehrveranstaltungen und Fremdsprachenunterricht. Pflichtkurse auf Englisch sind „Introduction to Legal English“ und „Foundations of Contract Law“; weitere englischsprachige Kurse können freiwillig belegt werden. Das Fremdsprachenprogramm umfasst Englisch, Französisch und Spanisch, bei ausreichender Nachfrage auch Chinesisch, Russisch und Arabisch.
Die Pflichtveranstaltungen in Wirtschaftswissenschaften behandeln unter anderem BWL, VWL, Steuern und Bilanzen. Über Wahlveranstaltungen kann ein Zertifikat der WHU – Otto Beisheim School of Management erworben werden. In vorlesungsfreien Zeiten sind teilweise Praktika vorgeschrieben, für die Förderer der Hochschule Praktikumsplätze bereitstellen. Ein eigenes Examensvorbereitungsprogramm dient als Repetitorium.
Für den Studierendenjahrgang ab 2024 betragen die Studiengebühren 5.200 Euro pro Trimester beziehungsweise 62.400 Euro insgesamt; das 13. Trimester ist gebührenfrei. 2018 waren rund 11 Prozent der Studierenden Stipendiaten der Studienstiftung des deutschen Volkes. Der erste Absolventenjahrgang erreichte in der Ersten Juristischen Prüfung einen Durchschnitt von 11,2 Punkten. Im CHE-Hochschulranking ist die Bucerius Law School im Fach Jura seit 2008 durchgehend bestplatziert.
Die Zulassung erfolgt in zwei Stufen. Zunächst müssen ausreichende Englischkenntnisse sowie ein Abiturzeugnis oder Ersatzzeugnisse nachgewiesen werden. Danach folgen ein etwa dreistündiger schriftlicher Multiple-Choice-Test und ein 45-minütiger Essay, seit der COVID-19-Pandemie online. Das Testergebnis wird mit der Abiturnote verrechnet, die zu einem Drittel einfließt. Die 232 besten Kandidaten werden zu einem mündlichen Auswahlverfahren nach Hamburg eingeladen – mit Vortrag, Diskussionen, Einzelgesprächen und Gruppendiskussion. Aufgenommen werden 116 Studierende. Neue Studierende beginnen ausschließlich zum Herbsttrimester.
Master, Forschung und digitale Lehre
Der weiterbildende Bucerius Master of Law and Business führt zum LL.M. oder Master of Law and Business. Der Studiengang wird seit Dezember 2019 wieder gemeinsam mit der WHU angeboten, nachdem ihn die Bucerius Law School von 2014 bis 2019 allein durchgeführt hatte. Er richtet sich an Absolventen eines rechts- oder wirtschaftswissenschaftlichen Studiums mit Berufserfahrung, dauert ein Jahr, wird vollständig auf Englisch unterrichtet und bildet internationale Führungskräfte an der Schnittstelle von Recht und Wirtschaft aus. Jährlich werden etwa 50 Studierende aufgenommen, die Kosten betragen 25.000 Euro.
Das Masterstudienjahr läuft von Anfang September bis Ende Juli und umfasst drei Trimester: Im Herbsttrimester gibt es zwei Kursblöcke, im zweiten Trimester sechs Wochen Unterricht und acht Wochen Praktikum, im dritten Trimester sechs Wochen Unterricht und neun Wochen Masterarbeit. Der Masterstudiengang hat ein eigenes Auswahlverfahren.
Die Hochschule besitzt das Promotions- und Habilitationsrecht. Seit ihrer Gründung wurden mehr als 500 Promotionen abgeschlossen; diese Angabe stammt aus dem Jahr 2020. Zu den Forschungseinrichtungen gehören das Institut für Unternehmens- und Kapitalmarktrecht, das Institut für Stiftungsrecht und das Recht der Non-Profit-Organisationen sowie das Institut für Medizinrecht.
Hinzu kommen das Center for Transnational IP, Media and Technology Law and Policy, das Notarrechtliche Zentrum Familienunternehmen, das Center for International Dispute Resolution, das Center for Legal Technology and Data Science und – seit 2022 – das Center for Interdisciplinary Research on Energy, Climate and Sustainability. Seit 2020 arbeitet außerdem ein Learning Innovation Lab an der Digitalisierung der juristischen Lehre. Es entwickelt unter anderem digitale Skripte, Videokorrekturen und Blended-Learning-Konzepte.
Das Bucerius Alumni Mooting Center unterstützt seit 2020 die Moot-Court-Teams der Hochschule mit zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern. Moot Courts gibt es unter anderem in englischem Recht, internationalem Handelsrecht, Arbeitsrecht und Steuerrecht. Im Sommer finden drei Summer Programs statt: International Business Law, International IP Transactions gemeinsam mit der University of California, Hastings College of the Law, sowie Legal Technology and Operations.
International, auf dem Campus und darüber hinaus
Im Rahmen des International Exchange Program kommen im Herbsttrimester etwa 100 Studierende von Partnerhochschulen nach Hamburg. Rund 97 ausländische Partnerhochschulen in 34 Ländern gehören zum Netzwerk,
