Hessenmonitor 2026: Mehr Demokratie-Akzeptanz, aber große Zweifel!
Am 26. Juni 2026 wurde in Wiesbaden der erste Hessenmonitor präsentiert, ein zukunftsweisendes Projekt zur Stärkung der Demokratieforschung in Hessen. Prof. Dr. Isabelle Borucki, Co-Sprecherin des Hessen-Monitor-Teams, erläuterte die Ergebnisse der umfassenden Umfrage, die zwischen Mai und Juni 2026 durchgeführt wurde. Die Studie basiert auf einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung, zu der insgesamt 30.000 Personen kontaktiert wurden, wovon mehr als 4.000 Interviews geführt werden konnten. Die Beteiligung reichte von 19 bis 86 Jahren, was eine breite Altersspanne und damit wertvolle Einsichten in die demokratischen Einstellungen der hessischen Bevölkerung ermöglicht.
Der Hessenmonitor zeigt eine überwältigende Unterstützung für die Demokratie in Hessen. So befürworten 95,4 % der Befragten die Demokratie als Idee und 92,3 % sind mit der Demokratie des Grundgesetzes zufrieden. Dennoch gibt es eine kritische Sicht auf die politische Praxis: Nur 64,3 % der Bürger:innen sind mit dem Funktionieren der Demokratie im Alltag zufrieden. Diese Diskrepanz wird als „Performanzlücke“ beschrieben, die zwischen der Zustimmung zur Idee der Demokratie und deren praktischer Umsetzung besteht.
Regionale Verbundenheit und Wahrnehmung
Die Studie offenbart auch eine hohe regionale Verbundenheit: 85,2 % der Befragten fühlen sich ihrer Gemeinde und 81,4 % dem Land Hessen verbunden. Die Bürger:innen nehmen allerdings auch große Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Räumen wahr, was durch die Tatsache unterstrichen wird, dass mehr als die Hälfte der Befragten diese Unterschiede ausdrücklich benennt. Demokratische Erfahrungen werden vor allem vor Ort in Kommunen, Vereinen und Nachbarschaften gemacht.
Wirtschaftlich zeigt sich ein gemischtes Bild: Rund 80 % der Befragten bewerten ihre persönliche wirtschaftliche Situation positiv, während nur 26 % die wirtschaftliche Lage Deutschlands als erfreulich einschätzen. Dennoch bleibt die Bevölkerung aufmerksam und zuversichtlich hinsichtlich möglicher Krisen, wobei mehr als zwei Drittel den lokalen Behörden zutrauen, im Krisenfall angemessen zu handeln.
Auf ein starkes Fundament für die Demokratieforschung
Finanziell wird der Hessenmonitor bis 2027 mit über 200.000 Euro unterstützt, um eine solide Faktenbasis für die Demokratieforschung zu schaffen. Wissenschaftsminister Timon Gremmels betont die Notwendigkeit, solche Studien weiter zu fördern und zu verankern, um auch nationale und internationale Sichtbarkeit zu erlangen. Der Fokus liegt nicht nur auf der Analyse bestehender Daten, sondern auch auf der Entwicklung thematischer Fokusgruppen bis ins Frühjahr 2027.
Das Zentrum für Demokratieforschung, getragen vom Projekt, spielt eine essenzielle Rolle in der Verknüpfung empirischer und theoretischer Ansätze zur Demokratieforschung. Mit regelmäßigen Veranstaltungen und dem Ziel, die Resilienz von Demokratien zu erhöhen, wird die Forschung eng in nationale und internationale Netzwerke eingebunden. Dies unterstreicht die Relevanz der Ergebnisse des Hessenmonitors für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die politischen Herausforderungen der Zukunft.
Insgesamt sind die Resultate des Hessenmonitor 2026 ein wichtiges Signal, dass Demokratische Werte in Hessen fest verankert sind, aber auch Raum für Verbesserungen bieten. Wie Prof. Dr. Isabelle Borucki die Situation treffend zusammenfasst, ist die Analyse und die tiefere Diskussion der in der Studie festgestellten Fragestellungen unerlässlich, um die Demokratie weiterhin stark und lebendig zu halten. Für einen Blick auf die detaillierten Resultate und Auswertungen lässt sich die Studie direkt auf den Webseiten der Universität Marburg, der hessischen Wissenschaftsministeriums und der Leuphana Universität einsehen: Universität Marburg, Wissenschaft Hessen, Leuphana Universität.
