Osteoporose kommt oft leise. Über Jahre kann der Knochenabbau schmerzfrei und unbemerkt voranschreiten, bis ein Knochenbruch oder Rückenschmerzen die Betroffenen überhaupt zur Untersuchung bringen. In Deutschland bleiben laut DVO-Leitlinie mehr als 70 Prozent der Fälle unerkannt. Ein internationaler Osteoporose-Report kam für das Jahr 2021 sogar zu dem Ergebnis, dass rund 90 Prozent der Erkrankungen hierzulande erst spät diagnostiziert werden; in der Schweiz waren es 95 Prozent.

Dann ist der Knochenschwund häufig schon weit fortgeschritten, erste Frakturen sind nicht selten bereits passiert. Dabei fördern wissenschaftliche Einrichtungen und Behörden weltweit Projekte, die sturzbedingte Brüche bei älteren Menschen verringern, Osteoporose früher entdecken, Bewegung als Prävention stärken und die Pflegeinfrastruktur weiterentwickeln. An der Technischen Universität München wird daran nicht nur am Computer gearbeitet.

CT-Bilder werden zu zusätzlichen Hinweisen

Das Unternehmen Bonescreen hat die Software SpineQ entwickelt. Sie wertet vorhandene CT-Aufnahmen nachträglich auf Knochendichte und Wirbelkörperfrakturen aus – ohne zusätzliche Untersuchung. Die KI analysiert die Bilddaten, extrahiert quantitative Biomarker und orientiert sich dabei an denselben Parametern wie die klassische DXA-Messung, der Dual-Röntgen-Absorptiometrie. Mehrere Algorithmen strukturieren, klassifizieren und bewerten die Aufnahmen; festgelegte Erkennungsmerkmale entscheiden, welche Informationen einfließen.

In einer Studie von 2026 mit 178 Patienten lagen die Variationskoeffizienten je nach Wirbelsäulenabschnitt zwischen 0,83 und 6,8 Prozent. Eine weitere Frakturstudie ergab eine Spezifität von 96,3 Prozent. SpineQ ist leitliniengerecht und CE-zertifiziert, Bonescreen nach der EU-Medizinprodukteverordnung MDR 2017/745. Die Software ersetzt trotzdem keine ärztliche Diagnose – das bleibt wichtig, gerade wenn eine Zahl auf dem Bildschirm plötzlich sehr endgültig aussieht.

Für die Entwicklung und Erprobung arbeiteten Bonescreen und seine Partner unter anderem mit der Technischen Universität München sowie den Universitätskliniken Freiburg und Ulm. Mitgründer Prof. Dr. Jan Kirschke beschäftigt sich seit seiner Doktorarbeit vor mehr als 25 Jahren mit Osteoporose. Gemeinsam mit weiteren Mitstreitern gründete er 2022 Bonescreen. Mitgründer Dominik Maurer verweist auf weitere klinische Studien: Die wissenschaftliche Evidenz soll sicherstellen, dass das Produkt den Anforderungen der Medizintechnik entspricht.

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Fast 100 radiologische Praxen in Deutschland nutzen die Lösung bereits. Dafür müssen Praxen und Kliniken keine neue Untersuchung ansetzen, wenn geeignete CT-Bilder schon vorhanden sind. Bonescreen arbeitet außerdem an einer App, mit der Patientinnen und Patienten ihre Screeningdaten selbstbestimmt verwalten können. Auch die Übertragung des Modells auf weitere unterdiagnostizierte Volkskrankheiten wird geprüft; MRT-Bilder könnten zusätzliche Einsatzmöglichkeiten eröffnen.

In einem anderen Verbundprojekt namens BMDNow entwickeln das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD), die Goethe-Universität Frankfurt und garritz online media eine Software zur frühen Erkennung. Das von der Hessen Agentur geförderte System ermittelt die Dichte einzelner Wirbelkörper aus bereits vorhandenen CT-Aufnahmen. Zusätzliches Personal oder spezielle Untersuchungsgeräte sind dafür nicht nötig. Routine-CTs von Herz- oder Lungenuntersuchungen könnten so nebenbei ein weiteres Analyseergebnis liefern und Spezialuntersuchungen, Zeitaufwand für Ärzte sowie individuelle Strahlenbelastung verringern.

Der Algorithmus verbindet neuronale Netze zur automatischen Bildsegmentierung mit bildgebenden Verfahren. Im Mittelpunkt steht der trabekuläre Bereich der Wirbelkörper, das innere, schwammartige Knochengewebe. Das KI-Modell wurde mit realen Patientendaten des Universitätsklinikums Frankfurt unter praxisnahen Bedingungen getestet. Es erstellt eine dreidimensionale Dichtekarte und zeigt die Verteilung von Knochenbestandteilen wie Fett und Kalzium farblich. Kalibrierkurven, die zuvor mit Referenzphantomen erstellt wurden, dienen zur Berechnung der Knochendichte.

Die Ergebnisse können Hinweise auf Osteoporose oder Osteopenie geben, also auf eine Vorstufe der Osteoporose. Der medizinische Goldstandard ist bislang die DXA-Messung, die meist erst bei bestehendem Verdacht eingesetzt wird. BMDNow läuft derzeit mit Dual-Energy-CT-Aufnahmen, bei denen zwei unterschiedliche Röntgenenergien verwendet werden. Normale Single-Energy-CTs sollen später ebenfalls analysiert werden können. Der Prototyp wird fertiggestellt und validiert; eine Zulassung als Medizinprodukt ist innerhalb von ein bis zwei Jahren geplant. Eine Referenzdatenbank soll die weitere Optimierung ermöglichen. Beim Wettbewerb „Hessen Ideen“ erreichte das Projekt 2025 den zweiten Platz.

Wenn Aufstehen zur Trainingsfrage wird

Im Labor der TUM testeten Forschende einen 2,86 Kilogramm schweren Exosuit an Erwachsenen zwischen 69 und 85 Jahren. Mit Unterstützung des Anzugs schafften die Teilnehmenden durchschnittlich 18,6 statt 16,8 Sitz-Steh-Zyklen pro Minute. Der metabolische Transportaufwand sank bei der Mehrheit im Mittel um 13,6 Prozent. Das klingt nach einer kleinen technischen Hilfe, kann sich beim wiederholten Aufstehen aber ordentlich bemerkbar machen.

Die Versuche fanden allerdings unter Laborbedingungen statt. Ob der langfristige Nutzen im Alltag trägt – beim Aufstehen vom Küchenstuhl, am Gehweg oder wenn die Kraft nach einem schlechten Schlaf fehlt –, ist noch ungeklärt.

Eine frühe Diagnose kann nach Einschätzung von Jan Kirschke hormonell bedingten Knochenschwund bremsen, etwa durch gesunde Ernährung, Vitamin-D-Zufuhr und ausreichende Bewegung. Die therapeutische Versorgung in Deutschland sei grundsätzlich gut, erreiche viele Betroffene aber zu spät.

Ganz ohne Technik versuchen es andere Projekte. In Londrina, Brasilien, wurde das Osteoporose-Präventionsprogramm „Fragilidade Óssea“ für Frauen in der Menopause und Männer ab 60 Jahren ausgeweitet. Während einer sechsmonatigen Pilotphase wurden 69 Menschen untersucht, bei 19 wurde Osteoporose festgestellt. 2025 kamen laut Gesundheitssekretärin Vivian Feijó rund 900 Menschen wegen Knochenbrüchen in die Krankenhäuser der Stadt. Für den 16. Oktober ist ein Fachsymposium geplant, am 20. Oktober 2026 soll eine öffentliche Informationsveranstaltung folgen.

Im niederländischen Zegge vermittelt der Kurs „In Balans“ Übungen für Koordination und Bewegungssicherheit. Anlass sind Daten von NOS: 2025 starben in den Niederlanden fast 8.000 Menschen an den Folgen eines Sturzes. In Reinach BL in der Schweiz wird seit Jahresbeginn eine offene Rollator-Gruppe gefördert. Sie soll Mobilität und soziale Kontakte stärken. Die Gemeinde wendet für Menschen mit niedriger Pflegestufe monatlich fast eine halbe Million Franken auf.

Pflege, Wohnen und ein Vlies für Wunden

Im Landkreis Kronach wurde ein Kompetenzcenter Pflege eröffnet. Der Freistaat Bayern fördert das Zentrum mit rund 2,8 Millionen Euro. Laut Pflegeministerin Judith Gerlach kommen dort 77 Pflegebedürftige auf 1.000 Einwohner. Geplant sind eine zentrale Beratungsstelle, digitale Plattformen und ein Chatbot – also Hilfe, die im besten Fall nicht erst dann auftaucht, wenn Angehörige schon völlig am Limit sind.

In Gießen begann die Vermietung von 64 barrierearmen Wohnungen im Quartier „Westhang Living“. Serienmäßig gehört eine Sturzerkennung zur Ausstattung. Der Bezug ist für das Ende des ersten Quartals 2027 vorgesehen. Studierende der Hochschule Furtwangen untersuchen bis zum 15. Oktober 2026 in Kappel, wie groß der Bedarf an betreutem Wohnen und Alltagshilfen ist. Anfang 2027 soll ihr Abschlussbericht dem Gemeinderat vorgelegt werden.

Auch chronische Wunden gehören in diesen Zusammenhang. Das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme in Dresden entwickelt ein abbaubares Vlies für ihre Behandlung. In Deutschland leben rund eine Million Menschen mit chronischen Wunden; nach Angaben der Fraunhofer-Gesellschaft kostet ihre Behandlung etwa 7,5 Milliarden Euro pro Jahr. Die Materialentwicklung soll im Mai 2027 abgeschlossen sein.

Trockenpflaumen: ein kleiner Effekt, kein Wundermittel

Eine randomisierte, zwölfmonatige Studie mit 235 postmenopausalen Frauen untersuchte, ob Trockenpflaumen die Knochendichte beeinflussen. In der Kontrollgruppe sank die Hüftknochendichte um 1,1 Prozent. Bei täglich 50 Gramm Trockenpf