Die Philipps-Universität Marburg startet am Mittwoch, 15. Oktober 2026, in die Feierlichkeiten zu ihrem 500-jährigen Bestehen. Das eigentliche Jubiläum steht 2027 an. Zum Auftakt soll am Abend auf dem Landgrafenschloss gefeiert werden – mit Studierenden, Universitätsmitgliedern und Gästen. Ein bisschen Geschichte, ein bisschen Party, vermutlich auch Herbstluft über den Schlosshof.

Am Nachmittag wird eine Fahrradstaffel aus Homberg (Efze) in Marburg erwartet. Dort war zuvor „500 Jahre Reformation in Hessen“ gefeiert worden. Studierende des Collegium Philippinum übernahmen symbolisch den Staffelstab und bringen ihn nun per Fahrrad nach Marburg. Universitätspräsident Thomas Nauss will mit ihnen durch die Stadt zum Schlosshof ziehen, wo die Auftaktparty stattfindet.

500 Jahre Wandel – und ein Blick nach vorn

Gegründet wurde die Universität auf Befehl Landgraf Philipps am 30. Mai 1527; am 1. Juli desselben Jahres wurde sie feierlich eingeweiht. Die Philipps-Universität gilt als erste protestantische Universität Deutschlands und als älteste Hochschule Hessens, die im Zusammenhang mit der Reformation entstand. Zur Gründung gehörten elf Professoren und 88 Studenten. Erster Rektor war der Jurist Johannes Eisermann, der unter dem Namen „Ferrarius Montanus“ bekannt war und die Universität bereits am 20. Mai 1527 eröffnet hatte.

Das Jubiläumsmotto lautet: „500 Jahre Wandel. 500 Jahre Wissenschaft und Bildung.“ Geplant ist kein reiner Rückblick mit Staub auf den Vitrinen. Die Universität will ihre Erfolge ebenso zeigen wie schwierige Epochen, darunter die NS-Zeit, und über ihre künftige Bedeutung sprechen: Welche Anforderungen werden Wissenschaft und Bildung in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten erfüllen müssen?

2027 soll Forschung, Bildung, Anwendungen und der Austausch zwischen Generationen würdigen. Vorgesehen sind ein Rückblick auf die Universitätsgeschichte, die gemeinsame Feier des Jubiläums und die Entwicklung von Ideen für die Zukunft. Rund 300 Veranstaltungen sind geplant – Workshops, Theaterstücke, Feste und wissenschaftliche Projekte.

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Mitgestalten sollen ehemalige, aktuelle und zukünftige Universitätsmitglieder, die Marburger Stadtgesellschaft, Freundinnen, Freunde und Fördernde, institutionelle Partner, die nationale und internationale Wissenschaftsgemeinschaft sowie politische Akteure. Die Universität betont ihre langjährige Verbindung mit Marburg und der Region. 2027 soll die Stadt als Standort für exzellente Forschung und interdisziplinären Austausch stärker in den Mittelpunkt der Wissenschaftslandschaft rücken. Bestehende Partnerschaften sollen vertieft, neue Kooperationen und langfristige Netzwerke aufgebaut werden.

Eine Arbeitsgruppe bereitet das Jubiläumsjahr vor. Für den Sommer 2025 war eine Veranstaltung für alle Universitätsmitglieder geplant, bei der die gemeinsame Gestaltung des Festjahres besprochen werden sollte. Weitere Informationen zu Planung und Beteiligungsmöglichkeiten sollen folgen. Fragen und Anregungen können an Annika Pamir, die Koordinatorin des Festjahres, gerichtet werden; Lisa Weber ist Ansprechpartnerin für die zentralen Festveranstaltungen. Über die weiteren Planungsschritte will die Universität regelmäßig informieren.

Virtuelle Räume, alte Klöster und eine Universität aus der Maschine

Das Kunstgeschichtliche Institut hat gemeinsam mit einer Marburger IT-Firma die interaktive Karte „Marburger Wissensräume“ entwickelt. Über die Webanwendung können Interessierte Universitätsgebäude erkunden und teilweise virtuell betreten – Forschungslabore ebenso wie Gebäude, die längst verschwunden sind. Dazu gehört das frühere Dominikanerkloster. Auf seinen Fundamenten steht heute die Alte Universität mit dem Fachbereich Evangelische Theologie.

Projektleiter Peter Bell beschreibt die Karte als Verbindung von 500 Jahren Wissenschafts- und Architekturgeschichte. Sie zeigt, wie Gebäude früher genutzt wurden und welche Funktion sie heute haben. Auf der Universitätswebsite gibt es außerdem einen KI-Generator: Interessierte können Wünsche und Forderungen an die Universität eingeben; die KI verarbeitet die Antworten zu einem Gesamtbild der Universität der Zukunft. Ein ungewöhnlicher Briefkasten, nur dass er nicht aus Blech ist und ziemlich viel rechnet.

Am Donnerstag wird im Landgrafenschloss die Ausstellung „500 Jahre Universität Marburg“ eröffnet. Gleichzeitig bleibt ein kleiner Wermutstropfen: Die Universität hatte sich gemeinsam mit der Justus-Liebig-Universität Gießen als „H-Core“ („Hessian Collaboration of Research Excellence“) um den Titel „Exzellenz-Universität“ beworben, wurde aber nicht ausgezeichnet.

Von Klostergebäuden zum Campus auf den Lahnbergen

In den ersten Jahren nutzte die Universität säkularisierte Klostergebäude der Dominikaner, Franziskaner und Kugelherren. 1527 erhielt sie akademische Freiheiten, 1541 machte sie die Dotationsurkunde wirtschaftlich selbstständig. 1542 verlieh Kaiser Karl V. ihr auf dem Reichstag zu Regensburg das Universitätsprivileg – damit galt die Gründung als abgeschlossen. Landgraf Philipp gewährte weitreichende Rechte, darunter die Entsendung eines Abgeordneten zum Landtag sowie Zoll- und Abgabenfreiheit.

Auch die Hessische Stipendiatenanstalt geht auf Philipp zurück. Er gründete sie 1529 zur Förderung begabter Landeskinder; als Studentenwohnheim besteht sie bis heute fort. Das Collegium Philippinum, ebenfalls 1529 gegründet, gehört zur Universität und bietet im Marburger Schloss 39 Wohnheimplätze. Das Christian-Wolff-Haus entstand 1962 für etwa 100 Promotionsstudenten und wurde 1990/92 auf fünf Gebäude mit 258 Plätzen erweitert. Heute steht es Studierenden aller Fachrichtungen offen und gehört dem Studentenwerk Marburg.

Die frühe Universität war eng mit den religiösen Auseinandersetzungen ihrer Zeit verbunden. 1529 fand in Marburg das Religionsgespräch zwischen Martin Luther, Ulrich Zwingli und Philipp Melanchthon statt. Die theologische Fakultät zog viele ausländische Studenten an, unter anderem aus der Schweiz, Dänemark, Schweden, den Niederlanden und Schottland. Zeitweise studierten hier Patrick Hamilton und Giordano Bruno.

Seuchen machten das akademische Leben allerdings ziemlich unruhig. Englischer Schweiß und Pest führten im ersten Jahrhundert mehrfach zu Verlegungen: nach Frankenberg in den Jahren 1530, 1554, 1564, 1575, 1585 und 1611, nach Grünberg 1541/42 und 1633, nach Gießen 1633 sowie 1597 nach Kirchhain, Homberg und Gemünden. Das mit der Universität verbundene Pädagogium wich mehrfach nach Wetter aus.

In der Medizin lehrte Johann Dryander bis zu seinem Tod 1560. Nach mehreren kurzfristigen Besetzungen wurde Georg Marius 1565 auf den medizinischen Lehrstuhl berufen; 1566 kam mit Victorinus Schönfeldt eine zweite medizinische Professur hinzu. Zu den weiteren bekannten Hochschullehrern zählen Johann Lonitzer, Johann Oldendorp sowie Petrus Nigidius der Ältere und der Jüngere. Rudolf Goclenius der Ältere lehrte von 1580 bis 1628 Philosophie, Logik und Ethik. Johannes Hartmann erhielt 1609 den weltweit ersten pharmazeutisch-medizinisch ausgerichteten Chemie-Lehrstuhl.

Nach dem Übertritt Landgraf Moritz’ zum Calvinismus im Jahr 1605 musste auch die Universität das reformierte Bekenntnis annehmen. Viele lutherische Professoren wechselten an die 1607 gegründete Universität Gießen. Als Marburg 1624 vorübergehend an Hessen-Darmstadt fiel, wurden Marburg und Gießen von 1625 bis 1649 vereinigt; anschließend wurde die Marburger Universität geschlossen. Wilhelm VI. von Hessen-Kassel eröffnete sie am 24. Juni 1653 wieder und verlegte den Universitätsstandort des Landes von Kassel nach Marburg. Konfessionsstreitigkeiten und Finanzmangel blieben danach ständige Belastungen.

Der Philosoph Christian Wolff lehrte ab 1723 in Marburg, nachdem er aus Halle vertrieben worden war. Trotz theologischer Einwände blieb er bis 1740 und kehrte anschließend auf Berufung Friedrichs II. nach Preußen zurück. Seit 1999 findet in Marburg jährlich die Christian-Wolff-Vorlesung statt. Der Siebenjährige Krieg bremste die Entwicklung, weil Hessen und Marburg wiederholt Kriegsschauplatz beziehungsweise Festung waren.

1785 war die Universität zugleich Landstand, eigenständiger Gerichtsbezirk, geistliche Stiftung und wissenschaftliche Einrichtung. Im Senat saßen unter anderem drei Theologen, sechs Juristen, zwei Mediziner und neun Philosophen. Hinzu kamen Lehrkräfte und Personal für Sprachen, Reiten, Fechten, Tanzen, Musik, Mechanik und Zeichnen. Eine Stiftung Johann Georg Estors brachte der Bibliothek rund 10.000 Bände; der jährliche Ankaufsetat lag bei 150 Gulden. Zur Universität