Rhein-Main-Universitäten erhalten Exzellenztitel: Mehr Studienfreiheit für Mainz, Frankfurt und Darmstadt
Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz erhält ab 2027 gemeinsam mit der Goethe-Universität Frankfurt und der Technischen Universität Darmstadt den Exzellenztitel. Für die Uni Mainz bedeutet das neue Möglichkeiten in Forschung und Studium – und für Studierende womöglich weniger Hürden, wenn sie Lehrveranstaltungen am jeweils anderen Standort besuchen möchten.
Die drei Rhein-Main-Universitäten werden als Exzellenzverbund im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern gefördert. Dafür stellen der Bund sowie Hessen und Rheinland-Pfalz Mittel bereit. Der erfolgreiche Antrag trägt den Titel „RMU-EXCITE – Excellent. Collaborative. Transformative“. Die Allianz will Frankfurt-Rhein-Main bis 2033 zu einer international führenden Wissenschaftsregion entwickeln.
Mehr Auswahl zwischen Mainz, Frankfurt und Darmstadt
Die strategische Allianz besteht bereits seit 2015. Nach Angaben der Universitäten arbeiten dort mehr als 90.000 Studierende und rund 1.500 Professuren zusammen. Für ein RMU-Studium können sich Studierende seit dem Wintersemester 2020/2021 einschreiben; zur Auswahl stehen mehr als 1.000 Veranstaltungen der drei Hochschulen.
Mit dem Exzellenztitel soll dieses Miteinander nun im Alltag spürbarer werden. Geplant sind neue Studienangebote und ein erleichterter Wechsel zwischen den Standorten. Wer etwa ein besonderes Vorlesungsangebot in Frankfurt oder Darmstadt nutzen möchte, soll Lehrveranstaltungen und Studienangebote dort häufiger belegen können. Für Studierende in fortgeschrittenen Studienphasen sind außerdem sogenannte Masterclasses vorgesehen. Sie ermöglichen die Mitarbeit an laufenden Forschungsprojekten und sollen den Einstieg in die Forschung erleichtern – eine ziemlich direkte Verbindung zwischen Seminarraum und Labor, statt erst einmal vor zehn Türen zu stehen.
Auch die Forschung selbst soll kräftiger aufgestellt werden. Vorgesehen sind strategische Berufungen von Professorinnen und Professoren, gemeinsame Infrastrukturen für Spitzenforschung sowie zusätzliche Fördermöglichkeiten für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierephasen. Hinzu kommen innovative Studienangebote und Qualifizierungen für Personen mit Führungsverantwortung.
Gemeinsame Stärken, gemeinsame Verantwortung
Die Strategie setzt auf starke und sich ergänzende Disziplinen, auf die Ausbildung einer neuen Generation von Forschenden, Studierenden und Fachkräften sowie auf die gemeinsame Gestaltung nachhaltiger Transformation. Die RMU sollen zu einem international führenden Zentrum für Spitzenforschung ausgebaut werden, das Antworten auf wissenschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen entwickelt.
Dazu gehört eine Forschungskultur, die Wissenschaft und Gesellschaft durch Dialog, Teilhabe und gemeinsame Wissensgestaltung verbindet. Die Universitäten wollen gemeinsame Forschungsfelder entwickeln, neue wissenschaftliche Verbindungen schaffen und Studierende, Forschende und Fachkräfte stärker zusammenbringen. Erkenntnisse sollen im Austausch mit Gesellschaft, Wirtschaft und Politik nutzbar werden – gerade bei aktuellen Herausforderungen.
Die Präsidenten der drei Universitäten begrüßten die Förderentscheidung. Sie verwiesen auf die Bedeutung der Zusammenarbeit sowie auf die Vielfalt und die komplementären Stärken der Hochschulen. Hessen und Rheinland-Pfalz hatten den Antrag als länderübergreifenden Verbund unterstützt. Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels bezeichnete die Entscheidung als ersten Exzellenz-Titel für Universitäten in Hessen und als ersten länderübergreifenden Verbund in der Exzellenzstrategie. Neben der wissenschaftlichen Bewerbung hätten auch eine Verwaltungsvereinbarung der beiden Länder und gleichlautende Beschlüsse der Landtage zum Erfolg beigetragen.
Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Clemens Hoch erklärte, die Förderung bestätige die Bedeutung der Zusammenarbeit von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Ländern. Für den Zeitraum von 2027 bis 2033 erhält der Verbund sieben Jahre Planungssicherheit. Davon sollen Wissenschaft, akademischer Nachwuchs, Gesellschaft und Wirtschaft profitieren.
Was hinter dem Exzellenztitel steckt
Die Exzellenzkommission wählte neben den RMU drei Einzeluniversitäten und einen weiteren Verbund neu zur Förderung aus. Die unabhängige Kommission berief insgesamt fünf weitere Universitäten beziehungsweise Verbünde: die Friedrich-Schiller-Universität Jena, das Ruhr Innovation Lab mit der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Dortmund, die Rhein-Main-Universitäten mit der Technischen Universität Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die Universität Freiburg sowie die Universität zu Köln.
Bekannt gegeben wurde das Ergebnis von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär und Falko Mohrs, Wissenschafts- und Kulturminister Niedersachsen, als Vorsitzendem beziehungsweise stellvertretendem Vorsitzenden der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz. Grundlage waren schriftliche Anträge mit den Gesamtstrategien, die im November 2025 eingereicht wurden, sowie Ortsbesuche internationaler Gutachterpanels zwischen April und Juni 2026.
Für den Förderzeitraum 2027 bis 2033 kommen außerdem neun bereits bestehende Exzellenzuniversitäten und ein Exzellenzverbund hinzu. Sie waren 2019 ausgewählt und im März 2026 positiv evaluiert worden. Bei dieser Überprüfung zeigten sich eine höhere internationale Sichtbarkeit in der Spitzenforschung, Fortschritte in der angewandten Forschung und beim Wissenstransfer in die Praxis sowie Weiterentwicklungen bei Personal, Lehre, Gleichstellung und Vielfalt.
Die Exzellenzstrategie wurde 2016 von Bund und Ländern beschlossen. Sie soll deutsche Spitzenforschung dauerhaft fördern und den Wissenschaftsstandort international sichtbarer machen. Ausgewählte Universitäten erhalten dafür Fördermittel in Millionenhöhe. Ab 2027 stehen jährlich insgesamt 747 Millionen Euro zur Verfügung: 75 Prozent übernimmt der Bund, 25 Prozent das jeweilige Sitzland des Clusters beziehungsweise der Universität.
Die Strategie hat zwei Förderbereiche. Exzellenzcluster unterstützen projektbezogen international wettbewerbsfähige Forschung, häufig an fachübergreifenden Themen. Die Förderung von Exzellenzuniversitäten und -verbünden stärkt dagegen langfristig einzelne Universitäten oder Zusammenschlüsse mehrerer Universitäten. Einzeluniversitäten müssen an mindestens zwei Exzellenzclustern beteiligt sein, Universitätsverbünde an mindestens drei.
Durchgeführt wird die Exzellenzstrategie gemeinsam von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Wissenschaftsrat. Über Cluster und Universitäten entscheiden wissenschaftliche Auswahlverfahren im Auftrag von Bund und Ländern. Die Förderung ist dauerhaft angelegt, allerdings wird alle sieben Jahre geprüft, ob die Voraussetzungen weiterhin erfüllt sind. Exzellenzcluster ermöglichen langfristige fachübergreifende Forschung, gemeinsame Entwicklungen mit außeruniversitären Partnern und eine stärkere Attraktivität als Forschungs- und Studienstandort.
Zur Förderung gehört damit nicht nur Geld. Sie soll auch die nationale und internationale Sichtbarkeit der Hochschulen erhöhen und Impulse über die geförderten Universitäten hinaus setzen – als Orientierung für andere Hochschulen. Für Mainz heißt das ab 2027: mehr gemeinsame Forschung, neue Wege durchs Studium und Masterclasses, in denen der Sprung in ein laufendes Projekt nicht mehr ganz so groß sein soll.
