Tomosynthese senkt Intervallkarzinome im Brustkrebs-Screening um bis zu 29 Prozent
Brustkrebs ist mit rund 75.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Eine große Studie aus Münster zeigt nun: Die digitale Brust-Tomosynthese könnte im Screening etwa ein Viertel jener invasiven Intervallkarzinome verhindern, die innerhalb von zwei Jahren nach einer unauffälligen herkömmlichen Mammografie auftreten.
Im ersten Jahr nach einem unauffälligen Screening lag die Rate invasiver Intervallkarzinome in der Tomosynthese-Gruppe um 29 Prozent niedriger als in der Mammografie-Gruppe. Die Ergebnisse der TOSYMA-Studie, der bislang weltweit größten Vergleichsstudie beider Verfahren, hat ein Forschungsteam der Universität Münster und des Universitätsklinikums Münster gemeinsam mit weiteren Partnern in The Lancet Oncology veröffentlicht. Die Publikation aus dem Jahr 2026 trägt den DOI 10.1016/S1470-2045(26)00341-4.
Schichtbilder statt Überlagerungen
Bei der digitalen Brust-Tomosynthese schwenkt die Röntgenröhre über die Brust und erstellt mit niedrig dosierter Röntgenstrahlung Aufnahmen aus mehreren Winkeln. Daraus entsteht ein pseudo-3-dimensionaler Datensatz mit Schichtbildern, die bis zu etwa ein Millimeter dünn sind. Tumorzeichen werden dadurch seltener von überlagerndem Gewebe verdeckt.
Intervallkarzinome sind Brusttumoren, die zwischen zwei regulären Screenings entdeckt werden. Sie sind meist aggressiver und haben eine ungünstigere Prognose als Tumoren, die bereits bei der Früherkennungsuntersuchung auffallen. Die erste TOSYMA-Auswertung aus dem Jahr 2022 hatte bereits gezeigt, dass mit Tomosynthese mehr invasive Brustkrebserkrankungen entdeckt wurden: 7,1 statt 4,8 Fälle pro 1.000 untersuchte Frauen.
Deutlicher Vorteil im ersten Jahr
In der zweiten Auswertung, TOSYMA-2, wurden die später diagnostizierten Intervallkarzinome beider Gruppen verglichen. Nach einem Jahr gab es in der Tomosynthese-Gruppe 4,5 Fälle pro 10.000 Frauen, in der Mammografie-Gruppe 6,3. Nach zwei Jahren lagen die Werte bei 14,2 gegenüber 18,6 Fällen pro 10.000 Frauen. Das entspricht einer um 24 Prozent niedrigeren Rate in der Tomosynthese-Gruppe, auch wenn der Unterschied nach zwei Jahren statistisch nicht signifikant war.
Die Auswertung passt damit zu einer randomisierten Studie, über die das Deutsche Ärzteblatt berichtet: Dort sank die Zahl invasiver Intervallkarzinome durch die digitale Brust-Tomosynthese um etwa 25 Prozent. Statistisch signifikant war der Unterschied allerdings nur im ersten Jahr.
Von den invasiven Tumoren, die innerhalb von zwei Jahren diagnostiziert wurden, waren beim Screening bereits 83,5 Prozent in der Tomosynthese-Gruppe entdeckt worden. In der Mammografie-Gruppe lag dieser Anteil bei 72,3 Prozent. Die Zuverlässigkeit, mit der Frauen ohne Brustkrebs als unauffällig eingestuft wurden, war in beiden Gruppen ähnlich.
Rund 100.000 Frauen unter Alltagsbedingungen
Zwischen 2018 und 2020 wurden an 17 Screening-Standorten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen knapp 100.000 Frauen im Alter von 50 bis 70 Jahren zufällig zwei Gruppen zugeteilt. Die eine erhielt eine Tomosynthese mit zusätzlich berechnetem zweidimensionalem Bild, die andere eine herkömmliche digitale Mammografie.
Die Untersuchung war in das qualitätsgesicherte bundesweite Mammografie-Screening eingebettet und lief unter Alltagsbedingungen. Ursprünglich war die Studie auf rund 20.000 Frauen mehr ausgelegt. Als möglicher Grund für die geringere Zahl wird die Corona-Pandemie genannt.
Für die Erfassung der Intervallkarzinome wurden die Daten der Teilnehmerinnen mit den Krebsregistern Nordrhein-Westfalens und Niedersachsens abgeglichen. Diese Register erfassen mehr als 95 Prozent der neu auftretenden Brustkrebsfälle. Verdachtsfälle prüften die beteiligten Stellen in mehreren Stufen; Krebsregister, Referenzzentren und das unabhängige Datensicherheitsgremium kannten die Gruppenzuordnung nicht.
Weniger fortgeschrittene Befunde bei Wiederholerinnen
Besonders klar zeigte sich der Unterschied bei Frauen, die wiederholt am Screening teilnahmen. In der Tomosynthese-Gruppe wurden nach zwei Jahren 13,5 Intervallkarzinome pro 10.000 Frauen festgestellt. Bei Frauen in der ersten Screening-Runde lag die Rate mit 18,8 pro 10.000 nahezu identisch mit diesem Vergleichswert aus der Studie.
Intervallkarzinome nach einer Tomosynthese waren zudem seltener lokal fortgeschritten. Auch Lymphknoten in der Achselhöhle waren seltener befallen. Ob die Tomosynthese im Vergleich zur Mammografie tatsächlich fortgeschrittene Tumorstadien stärker reduziert, soll nun die nächste reguläre Screening-Runde zeigen: Untersucht werden die dort entdeckten Karzinome.
Die Studie wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse von der Universität Münster und dem Universitätsklinikum Münster mit weiteren Partnern in The Lancet Oncology – der Blick auf die dünnen Schichtbilder dürfte damit noch eine Weile weitergehen.
