Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) darf sich künftig als Teil eines Exzellenzverbunds bezeichnen. Gemeinsam mit der Goethe-Universität Frankfurt und der TU Darmstadt wurde sie als „Exzellenzverbund“ ausgezeichnet. Der Verbund tritt unter dem Namen Rhein-Main-Universitäten, kurz RMU, auf.

Für die Bewerbung zogen die drei Hochschulen an einem Strang. Beschäftigte der JGU arbeiteten drei Jahre lang an der Vorbereitung des Antrags. Bekanntgegeben wurde die Entscheidung am 2. Oktober 2026; in Darmstadt wurde sie bei einem Public Viewing gefeiert. Mit dabei waren unter anderem JGU-Präsident Georg Krausch, der Präsident der Goethe-Universität Frankfurt Enrico Schleiff, TU-Präsidentin Tanja Brühl sowie die Wissenschaftsminister von Rheinland-Pfalz und Hessen, Clemens Hoch und Timon Gremmels.

Förderung ab 2027

Ab 2027 werden die RMU im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern gefördert. Die Unterstützung ist auf Dauer angelegt und umfasst Mittel des Bundes sowie der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz. Für den Verbund bedeutet das ab 2027 sieben Jahre Planungssicherheit und zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten. Konkrete Auswirkungen auf den Standort Mainz sind bislang nicht genannt.

Die RMU gehören damit zu den zwölf ausgezeichneten Einzeluniversitäten und drei ausgezeichneten Universitätsverbünden in Deutschland. Ihr erfolgreicher Antrag trägt den Titel „RMU-EXCITE – Excellent. Collaborative. Transformative“ und läuft bis 2033. Ziel ist, Frankfurt-Rhein-Main zu einer international führenden Wissenschaftsregion zu entwickeln und die drei Hochschulen zu einem international führenden Zentrum für Spitzenforschung auszubauen.

Geplant sind starke, synergetische Disziplinen an allen drei Universitäten, die Ausbildung einer neuen Generation von Forschenden, Studierenden und Fachleuten sowie die gemeinsame Gestaltung nachhaltiger Transformation. Antworten auf komplexe wissenschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen sollen dabei nicht nur in Hörsälen und Laboren entstehen: Wissenschaft und Gesellschaft sollen durch Dialog, Teilhabe und gemeinsame Wissensgestaltung enger zusammenrücken.

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Auf der Maßnahmenliste stehen strategische Berufungen, der Ausbau gemeinsamer Forschungsinfrastrukturen und innovative Studienangebote. Hinzu kommen zusätzliche Angebote für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierephasen sowie für Personen mit Führungsverantwortung innerhalb und außerhalb der RMU. Ein ziemlich großes Paket also.

„Neue Möglichkeiten schaffen“

RMU-Sprecherin und TU-Präsidentin Tanja Brühl bezeichnete die Entscheidung als großen Erfolg. Sie dankte den Beschäftigten und Studierenden der drei Universitäten. Durch die Verbindung ihrer unterschiedlichen Stärken entstünden neue Möglichkeiten, sagte sie. Die Wissenschaftsregion Frankfurt-Rhein-Main solle international sichtbarer und attraktiver für Forschung, Lehre und Innovation werden.

JGU-Präsident Georg Krausch führte den Erfolg auf das Engagement und die Zusammenarbeit zahlreicher Beteiligter zurück. Die Förderung ermögliche es, die Kooperation zu vertiefen und neue Perspektiven für Forschung, Studium, Lehre und Austausch zu entwickeln. Besonders dankte Krausch den Wissenschaftsministerien Hessens und Rheinland-Pfalz.

Goethe-Präsident Enrico Schleiff hob die Vielfalt und Komplementarität der drei Universitäten hervor. In den vergangenen zehn Jahren sei die Zusammenarbeit in vielen Bereichen vertieft worden. Mit RMU-EXCITE sollen nun neue wissenschaftliche Verbindungen, gemeinsame Forschungsfelder und Kooperationen zwischen Studierenden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Fachkräften entstehen. Forschungsergebnisse sollen im Dialog mit Gesellschaft, Wirtschaft und Politik für aktuelle Herausforderungen nutzbar gemacht werden.

Politisch und organisatorisch unterstützt wurde der länderübergreifende Antrag von Hessen und Rheinland-Pfalz. Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels nannte die Auszeichnung historisch: Die RMU seien die ersten Universitäten in Hessen mit dem Exzellenz-Titel und zugleich der erste länderübergreifende Verbund, der in der Exzellenzstrategie ausgezeichnet wurde. Die geplante Millionenförderung und das Renommee der Exzellenzstrategie sollen helfen, die drei Standorte zu einem internationalen Zentrum für Forschung und Innovation weiterzuentwickeln.

Zum Erfolg beigetragen haben laut Gremmels neben der wissenschaftlichen Bewerbung eine Verwaltungsvereinbarung der beiden Länder sowie unterstützende Beschlüsse beider Landtage. Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Clemens Hoch erklärte, die Entscheidung bestätige die Bedeutung der Zusammenarbeit von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Ländern. Profitieren sollen Wissenschaft, akademischer Nachwuchs, Gesellschaft und Wirtschaft.

Mehr als 90.000 Studierende

Der Hochschulrat der TU Darmstadt würdigte die Auszeichnung als gemeinsames Zeichen wissenschaftlicher Exzellenz und strategischer Entwicklung. Er dankte den beteiligten Präsidien, Studierenden und Universitätsmitgliedern und kündigte an, die Umsetzung von RMU-EXCITE zu begleiten. Darmstadts Oberbürgermeister Hanno Benz erklärte, die Auszeichnung bestätige die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft der drei Universitäten sowie das Potenzial regionaler Zusammenarbeit.

Zusammen kommen die drei RMU-Universitäten auf mehr als 90.000 Studierende und 1.500 Professorinnen und Professoren. Sie kooperieren in Forschung, Studium und Lehre, Talentförderung sowie beim Wissenstransfer mit Wirtschaft und Gesellschaft. Frankfurt-Rhein-Main soll dadurch als integrierte und global sichtbare Wissenschaftsregion weiterentwickelt werden.

Der Weg zur Entscheidung begann mit schriftlichen Anträgen, die im November 2025 eingereicht wurden. Zwischen April und Juni 2026 besuchten internationale Gutachtergremien die Standorte. Die Exzellenzkommission wählte neben den RMU drei Einzeluniversitäten und einen weiteren Verbund zur Förderung aus. Für den Zeitraum 2027 bis 2033 kommen außerdem neun bereits 2019 ausgewählte Einzeluniversitäten und ein Verbund hinzu; diese Standorte waren im März 2026 positiv evaluiert worden.

Was hinter der Exzellenzstrategie steckt

Umgesetzt wird die Exzellenzstrategie gemeinsam von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Wissenschaftsrat. Sie umfasst zwei Förderlinien: Exzellenzcluster unterstützen projektbezogen international wettbewerbsfähige Forschungsfelder. Exzellenzuniversitäten stärken einzelne Universitäten oder Universitätsverbünde dauerhaft. Einzeluniversitäten müssen mindestens zwei, Verbünde mindestens drei Exzellenzcluster vorweisen.

Die Förderung soll den Wissenschaftsstandort Deutschland stärken und seine internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Zugleich erhöht der Exzellenzstatus die nationale und internationale Sichtbarkeit und die Attraktivität als Forschungs- und Studienort. Exzellenzcluster ermöglichen langfristige, fachübergreifende Forschung und die gemeinsame Weiterentwicklung von Forschung und Infrastruktur mit außeruniversitären Partnern.

In Mainz bleibt damit vorerst vor allem die Aussicht auf eine engere Verbindung über den Campus hinaus: nach Frankfurt, nach Darmstadt und in die gesamte Region. Die drei Universitäten haben ihren Antrag gemeinsam getragen, jetzt beginnt die eigentliche Arbeit an RMU-EXCITE.