In Deutschland wird deutlich weniger Bier getrunken als früher: Rund 150 Liter pro Kopf waren es 1975, im vergangenen Jahr noch 84 Liter. Die Brauerei Schinkels in Witzenhausen wächst trotzdem. Seit 2019 hat sie ihre Produktion verdreifacht.

Fabio und Sarah Schinkel führen das Unternehmen gemeinsam mit ihrem Vater Rainer, der die Brauerei 1997 gründete. 2026 betreuten die Geschwister zahlreiche Volksfeste, übernahmen einen Biergarten am Werraufer und richteten ein Brauhotel in Witzenhausen her. Schinkels versteht sich längst nicht mehr nur als Brauerei, sondern als Dienstleister rund ums Bier.

Mehr als Bier im Glas

Ein großer Teil des Geschäfts entfällt auf regionale Veranstaltungen, Gastronomie, Hochzeiten und Firmenfeiern. Rund 70 Menschen arbeiten im Unternehmen, die Mehrheit davon in der Gastronomiesparte. Das Bier kommt also nicht nur aus dem Kasten, sondern wird oft gleich dort ausgeschenkt, wo gefeiert, geheiratet oder getanzt wird.

Insgesamt produziert Schinkels 21 verschiedene Getränke – Biere, alkoholfreie Sorten und Limonaden. Bier macht etwa zwei Drittel des Umsatzes aus, Limonaden rund ein Drittel; ihr Anteil steigt. Jährlich entstehen etwa 8.000 Hektoliter, zwei Drittel davon Bier und ein Drittel Limonade. Zum Vergleich: Die Einbecker Brauerei setzt rund 400.000 Hektoliter im Jahr ab.

Während der Corona-Pandemie fiel die Gastronomie weitgehend aus. Schinkels entwickelte deshalb mit „Wiz Limo“ ein zusätzliches Standbein. Die Marke startete mit Kirsche, Orange und Zitrone, später kamen Cola, Mische und Mate hinzu. Verkauft werden die Getränke unter anderem in Edeka-, Rewe- und Tegut-Märkten im Kreis Göttingen sowie im Werra-Meißner-Kreis. Eine 0,33-Liter-Flasche kostet 1,89 Euro.

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Auch beim Bier probiert die Brauerei einiges aus: Scotch Ale, Böhmisches Pilsener, IPA, Weizen und Bock gehören zum Sortiment. Trotzdem bleibt Pils die meistverkaufte Sorte und steht für etwa die Hälfte des Gesamtabsatzes. Rainer Schinkel experimentierte bereits vor rund 30 Jahren mit India Pale Ales, als diese in Deutschland noch wenig verbreitet waren.

Bio, größere Kessel und schnelleres Abfüllen

2001 arbeitete Schinkels mit der Universität Kassel an der Umstellung auf Bio und wurde nach eigenen Angaben Hessens erste Bio-Brauerei. Heute ist etwa die Hälfte der Produktion Bio-Bier. Auch die Wiz-Limo-Produkte tragen ein Ökosiegel.

2005 wurden Gastronomie und Brauereibetrieb getrennt, zugleich vergrößerte das Unternehmen die Braukessel. Fabio und Sarah Schinkel stiegen 2014 ein. Was früher mit viel Handarbeit verbunden war, läuft inzwischen deutlich flotter: Einst wurden etwa 200 Flaschen pro Stunde abgefüllt, die heutige Anlage schafft 2.500.

Beim persönlichen Geschmack sind sich die Geschwister erstaunlich einig. Sarah Schinkel bevorzugt Pale Ale, im Sommer auch Weizen. Fabio Schinkel trinkt im Winter Pale Ale und im Sommer Weizen. Als alkoholfreie Alternative nennen beide die Wiz-Limo-Sorte Zitrone.

Der Markt schrumpft – und verändert sich

Wie stark der Druck auf die Branche ist, zeigen die bundesweiten Zahlen: Deutsche Brauereien setzten 2025 rund 7,8 Milliarden Liter Bier ab, 6,0 Prozent weniger als im Vorjahr. Das war der stärkste Rückgang seit Beginn der Statistik; erstmals lag der Absatz unter acht Milliarden Litern. Vor zehn Jahren wurden noch fast zwei Milliarden Liter mehr verkauft.

Der Deutsche Brauer-Bund führt den langfristigen Abwärtstrend unter anderem auf einen gesünderen Lebensstil, veränderte Trinkgewohnheiten und wirtschaftlich bedingte Konsumzurückhaltung zurück. 82,5 Prozent des Bieres wurden im Inland verkauft, dort sank der Absatz um 5,8 Prozent. Biermischgetränke verloren 5,2 Prozent und kamen noch auf 402 Millionen Liter.

Alkoholfreie Biere sind in dieser Statistik nicht enthalten. Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bunds waren sie 2025 die am schnellsten wachsende Sorte und überschritten im Handel erstmals zehn Prozent Umsatzanteil. Das passt zu dem, was Schinkels ohnehin im Sortiment ausbaut: Getränke ohne Alkohol, nicht bloß als Notlösung für Autofahrer, sondern als eigenes Angebot.

Alkoholfrei ist längst mehr als eine Ausweichroute

Bier bleibt das beliebteste alkoholische Getränk in Deutschland, doch der Gesamtmarkt verzeichnet sinkende Absatz- und Umsatzzahlen. Alkoholfreies Bier ist inzwischen in vielen Restaurants und Bars erhältlich. Getrunken wird es immer häufiger von Menschen, die bewusster und gesundheitsorientierter essen und trinken wollen – zu Hause sogar öfter als außer Haus.

Das Angebot hat sich von wenigen Alternativen zu einem breiten Markt entwickelt: Pils, Biermischgetränke, alkoholfreies Weizenbier und Craft-Biere stehen nebeneinander. Zu den beliebtesten Marken zählen Krombacher 0,0, Bitburger 0,0 % und Erdinger Alkoholfrei. Erlaubt sind bei alkoholfreiem Bier maximal 0,5 Volumenprozent Alkohol.

2024 sank der deutsche Bierabsatz auf rund 67,9 Millionen Hektoliter und damit auf einen neuen Tiefstwert. Zugleich wurden fast 5,8 Millionen Hektoliter alkoholfreies Bier produziert; der Produktionswert lag bei mehr als 606,4 Millionen Euro. Der Pro-Kopf-Konsum alkoholfreien Biers betrug knapp fünf Liter. Der Pro-Kopf-Absatz ist in den vergangenen Jahren gestiegen und soll laut Prognosen bis 2027 weiter zunehmen.

Bei den Konsumgewohnheiten zeigt sich ein kleiner Unterschied zwischen den Geschlechtern: 2025 gaben rund 21 Prozent der männlichen Bierkonsumenten an, mehrmals im Monat alkoholfreies Bier zu trinken. Bei den Frauen waren es rund 23 Prozent. Bei Männern lag alkoholfreies Bier in der Beliebtheit noch hinter Pils, bei Frauen hinter Radler beziehungsweise Mischbier.

Die Gründe für die wachsende Verbreitung liegen nahe: größere Sortenvielfalt, bessere Qualität und eine bessere Verfügbarkeit, auch in der Gastronomie. Während die Nachfrage nach alkoholhaltigem Bier zurückging, stieg die Produktion alkoholfreier Varianten deutlich. In Deutschland wurden zuletzt 1.459 Brauereien gezählt.

Veröffentlicht wurde die zugrunde liegende Auswertung vom Statista Research Department am 17.12.2025. Für eine kleine Brauerei wie Schinkels heißt das: Pils bleibt wichtig, aber daneben muss Platz für IPA, Limo, Bio und die alkoholfreie Zitrone bleiben. Am Werraufer dürfte dabei nicht nur der Zapfhahn entscheiden, sondern auch, was die Leute an diesem Tag eigentlich im Glas haben wollen.