Greifswald bildet Fachkräfte für den Moor- und Klimaschutz aus
Am Institut für Botanik und Landschaftsökologie der Universität Greifswald lernen derzeit 25 Menschen, wie man Moore schützt, Daten auswertet und Wiedervernässungsprojekte vorbereitet. Die Universität unterstützt dafür ein dreijähriges Ausbildungsprogramm des Landesamts für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) in Güstrow.
Im Kurs sitzen nicht nur Hochschulabsolventinnen und -absolventen. Auch Quereinsteiger aus unterschiedlichen Berufen sind dabei; einige arbeiten bereits in Planungsbüros oder Verwaltungen. „Greifswald übernimmt einen praktischen Teil der Ausbildung“, sagt Kursleiter Matthias Krebs.
Moordaten statt grauer Theorie
Während der Aktionswoche „Aktion Natürlicher Klimaschutz“, die bis Mittwoch läuft, üben die Teilnehmenden in Greifswald die Digitalisierung von Moordaten. Klingt zunächst nach viel Bildschirmarbeit, ist aber für die Praxis entscheidend: Die Informationen werden unter anderem gebraucht, um die Wiedervernässung von Mooren zu planen.
Das Programm „Moorspezialist*in“ soll den Fachkräftemangel in Mecklenburg-Vorpommern verringern. Angesprochen werden zuständige Behörden, Vorhabenträger, Wasser- und Bodenverbände, große Flächeneigentümer sowie Planungsbüros. Neben dem individuellen Wissenserwerb geht es um den Austausch zwischen verschiedenen Institutionen. Die Teilnehmenden und ihre Einrichtungen sollen dadurch nachhaltig vernetzt werden – damit Vorhaben nicht an Zuständigkeitsgrenzen hängen bleiben.
Mehr Fachkräfte bis 2031
Das IMS qualifiziert in vier Jahrgängen jeweils etwa 20 Hochschulabsolventinnen und -absolventen zu Moorspezialistinnen und -spezialisten. Bis 2031 sollen so insgesamt mehr als 80 zusätzliche Fachkräfte in diesem Bereich ausgebildet werden. Zunächst ist das Programm als Modellvorhaben bis Ende 2031 geplant; anschließend soll es verstetigt werden.
Die ausgebildeten Fachkräfte sollen später bundesweit in Behörden oder Verbänden Moor-Klimaschutzprojekte umsetzen. Dafür brauchen sie nicht nur Kenntnisse über Pflanzen, Wasserstände und Flächen, sondern auch Kontakte zu jenen Institutionen, die solche Projekte auf den Weg bringen. Ein bisschen Netzwerkarbeit gehört also genauso dazu wie die Arbeit an den Moordaten.
Warum Wiedervernässung so dringend ist
Die Wiedervernässung von Mooren ist Bestandteil der Nationalen Moorschutzstrategie. Der Handlungsbedarf ist groß: Entwässerte Moorflächen verursachen rund sieben Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen, obwohl sie etwa fünf Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ausmachen.
Das Bundeskabinett beschloss die Nationale Moorschutzstrategie im November 2022. Sie setzt auf Bundesebene den politischen Rahmen für den Moorschutz in den kommenden Jahren. Umgesetzt werden soll sie nach dem Prinzip der Freiwilligkeit. Dafür müssen Bund und Länder mit den Eigentümern sowie den land- und forstwirtschaftlichen Nutzern der Flächen zusammenarbeiten.
Das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz schafft bundesweit finanzielle Anreize für freiwillige Wiedervernässungsmaßnahmen. In Greifswald geht es derweil erst einmal um die Grundlagen: Daten ordnen, Flächen verstehen, Pläne vorbereiten – und um 25 Menschen, die daraus irgendwann konkrete Projekte machen sollen.
