Am 11. Juni 2026 fand der Bucerius Innovation Day auf dem Campus der Bucerius Law School in Hamburg statt. Das diesjährige Thema drehte sich um die Wertschöpfung aus internen und externen Mandantendaten. Rechtsabteilungen und Kanzleien stehen vor der Herausforderung, dass sie über enorme Mengen an Daten verfügen, diese jedoch oft ungenutzt bleiben. Ein Beispiel hierfür ist die Analyse von 80.000 Dokumenten, die häufig lediglich zu einem Unbedenklichkeitsstempel führt. Dies wird von Experten als verpasste Chance betrachtet, da ein tiefergehendes Data Mining erhebliche Vorteile bieten könnte.

Die Möglichkeit, Datenanalysen zur Risikoerkennung, Prognosen und strategischen Beratungen zu nutzen, scheint verlockend und notwendig. Dennoch zeigen sich die Herausforderungen auf diesem Gebiet: Häufig sind die Daten ungeordnet, fragmentiert, unkategorisiert und fehlerhaft maschinenlesbar. Eine unreflektierte Verwendung von Daten ohne vollständigen Kontext kann zudem problematisch sein.

Datenqualität bestimmt Marktvorsprung

Eine zentrale Erkenntnis des Innovation Days ist, dass der Marktvorsprung von Kanzleien und Rechtsabteilungen stark von der Qualität, Kuratierung und Kontextualisierung der verwendeten Daten abhängt. Professor Dr. Alexander Meyer stellte die Bedeutung von Daten in der Medizin vor, die zur Verbesserung der Behandlungsqualität und zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle genutzt werden. Dieser Ansatz könnte auch im juristischen Bereich nachgeahmt werden.

Im Rahmen eines Workshops unter der Leitung von Dr. Felix Wendenburg wurden Konzepte vorgestellt, um diese Ideen auf den juristischen Kontext zu übertragen. Ziel war es, bestehende Hürden zu identifizieren und Use Cases zu entwickeln. Marc Ohrendorf, ein weiterer Referent, sprach über die Entwicklung von Schnittstellen zwischen Kanzleien und Rechtsabteilungen, um eine effiziente Datenverwaltung zu fördern.

Künstliche Intelligenz in der Rechtsberatung

Ein weiterer thematischer Schwerpunkt des Bucerius Innovation Days war der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Der Einsatz von KI bietet große Chancen für die juristische Entscheidungsfindung und kann helfen, rechtliche Prozesse zu optimieren und effizienter zu gestalten. Allerdings müssen auch die rechtlichen Grenzen und die Auswirkungen auf die richterliche Unabhängigkeit beachtet werden.

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Angesichts dieser Entwicklungen wird zunehmend diskutiert, wie die Integration von Legal Tech die Rechtsberatung gestalten kann. In den letzten Jahren haben Experten wie Enders und Kahle in verschiedenen Publikationen darauf hingewiesen, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz von Technologie im Rechtsbereich überprüft werden müssen. Die neue EU-Verordnung zur Künstlichen Intelligenz könnte hierbei eine entscheidende Rolle spielen, indem sie bestimmte Praktiken regelt und damit einen Rahmen für den sicheren Einsatz von KI im Rechtswesen schafft.

Der Bucerius Innovation Day ist Teil des Alumni-Formats des Bucerius Open Innovation Labs. Das Hauptziel dieses Labs ist es, Erkenntnisse für die Zukunft des Rechtsberatungsmarktes zu gewinnen und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren im Rechtswesen zu fördern. Dieses Jahr fand die Veranstaltung bereits zum neunten Mal statt und zog zahlreiche Experten und Interessierte aus der Rechtsbranche an.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Bucerius Innovation Day 2026 wichtige Impulse für die Zukunft der Rechtsberatung gegeben hat. Die fortschreitende Digitalisierung und der Umgang mit Daten stellen Kanzleien vor neue Herausforderungen, bieten jedoch auch große Chancen, die es zu nutzen gilt. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Daten und der Einsatz von KI sind entscheidend, um im Wettbewerb um Mandanten und Marktanteile erfolgreich zu sein.

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