Zum Wintersemester 2026/27 bekommt die Fakultät für Wirtschaft und Recht der Hochschule Pforzheim drei neue Gesichter. Auch die Business School begrüßt Professorin Dr. Marie Stadge, Professorin Dr. Elena Scolnaia und Professor Dr. Martín Villalba. Der Anlass ist der 3. November 2026; der hier gesetzte Ortsrahmen lautet Businessschool Berlin.

Die drei Professuren decken ein breites Feld ab: International Business, Business Administration and Strategic Management sowie Process Analytics, Process Mining & Artificial Intelligence. Das klingt nach viel englischer Fachsprache, dahinter stehen aber sehr konkrete Fragen – von nachhaltiger Unternehmensführung über Innovationsstrategien bis zum Umgang mit sensiblen Daten.

Drei neue Professuren, drei unterschiedliche Wege

Professorin Dr. Marie Stadge studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing in einem Doppeldiplom-Masterstudium an der emlyon business school Lyon und der Technischen Universität Berlin. Anschließend erwarb sie an der Université de Strasbourg einen weiteren Masterabschluss in Wirtschaftsethik und promovierte dort 2021 im Bereich Managementwissenschaften.

Beruflich führte ihr Weg zunächst in die Praxis: Stadge war in Führungspositionen bei adidas in Frankreich und bei L’Oréal in Deutschland tätig. Zuletzt arbeitete sie als Associate Professor und Associate Faculty Dean an der ESSCA School of Management in Straßburg. Ihre Forschung dreht sich um Corporate Social Responsibility, die nachhaltige Transformation von Organisationen, Hochschulmanagement und institutionellen Wandel.

Professorin Dr. Elena Scolnaia promovierte 2019 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Ihre Dissertation befasste sich mit globalen Forschungs- und Entwicklungsnetzwerken multinationaler Unternehmen. Danach arbeitete sie unter anderem bei der Daimler Truck AG in der Strategieentwicklung für Forschung und Entwicklung sowie in der strategischen Produktplanung.

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Später leitete Scolnaia bei cellcentric GmbH & Co. KG Projekte zu Brennstoffzellensystemen. Zuletzt war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Gastdozentin am Institute for Strategic Innovation & Transformation der HTWG Konstanz. In Lehre und Forschung beschäftigt sie sich mit Twin Transformation, Business Model Innovation, strategischem Management, organisationaler Transformation, Innovationsökosystemen und internationalen Innovationsnetzwerken.

Professor Dr. Martín Villalba studierte Computerwissenschaft an der Nationalen Universität Córdoba in Argentinien und promovierte in Computerlinguistik an der Universität des Saarlandes. Als Experte für Natural Language Processing entwickelte er intelligente Systeme zur Verarbeitung und Klassifizierung sensibler Daten. Außerdem forschte er zu den Zusammenhängen zwischen Hirnfunktionsstörungen und Sprachmustern.

Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen bei automatischer Zusammenfassung, Mensch-Computer-Interaktion und den Wechselwirkungen zwischen KI-Entwicklungen und gesellschaftlichen Prozessen. Hinzu kommen Datenhoheit, Selbsthosting und nachhaltige digitale Infrastrukturen. Ein ziemlich weiter Bogen – vom Sprachmuster im Gehirn bis zur Frage, wer eigentlich Kontrolle über digitale Daten behält.

Ein Umfeld zwischen Prozessen, KI und Transformation

In Pforzheim trifft Villalbas Professur auf ein Umfeld, in dem technologische und wirtschaftliche Veränderung schon länger zusammengedacht werden. Professor und Forscher Bernhard Kölmel arbeitet an den Schnittstellen von Technologiemanagement, digitaler Transformation und Innovationsmanagement. Zu seinen Themen gehören Cloud Computing, das Internet der Dinge, Künstliche Intelligenz, Distributed-Ledger- und Blockchain-Technologien, cyber-physische Systeme sowie Industrie 4.0 und 5.0.

Kölmel studierte Wirtschaftsingenieurwesen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und promovierte dort im Bereich Softwareprozesse. Von 1993 bis 2000 war er am Forschungszentrum Informatik (FZI) im Technologietransfer tätig. Parallel arbeitete er von 1996 bis 2000 im Forschungsmanagement der IT-Stabsstelle des Landes Baden-Württemberg, in Kooperation mit dem Steinbeis-Europa-Zentrum.

Von 2001 bis 2012 war Kölmel bei der YellowMap AG im Forschungs- und Entwicklungs- sowie Innovationsmanagement tätig. Ebenfalls von 2001 bis 2012 arbeitete er bei der CAS Software AG in den Bereichen Strategie, Innovation und Business Design. Seit 2012 ist er Professor für Globales Prozessmanagement an der Hochschule Pforzheim.

Dort war beziehungsweise ist er unter anderem für nationale und internationale Akkreditierungen verantwortlich, Mitglied des Hochschulrats, stellvertretender wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Smart Systems and Services (IoS3) und Forscher an der Schnittstelle von nachhaltigem Management und technologischen Anwendungen.

Seit 2022 ist Kölmel Inhaber beziehungsweise Leiter des Bereichs Strategic Technology Management an der International School of Management (ISM) in Paris und New York. Außerdem ist er Gastprofessor an der Texas State University. Berufserfahrung sammelte er in den 1990er-Jahren im Silicon Valley; regelmäßig verbringt er mehrere Monate an Universitäten in Texas.

Seit 2009 ist er CEO einer Technologietransfereinrichtung und verantwortet dort Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu Cloud Computing, KI, IoT und Smart Spaces. Daneben ist er Vorsitzender des Transformationsbeirats des Transformationsnetzwerks Automobilindustrie Nordschwarzwald, wissenschaftlicher Koordinator bei bwcon Research gGmbH sowie Aufsichts- und Beiratsmitglied, teils Vorsitzender, in Unternehmen und Start-ups. Er führt außerdem verschiedene Forschungsbeiräte und arbeitet als externer Experte für deutsche, europäische, griechische und zyprische Forschungsinstitutionen.

Vom Geschäftsmodell bis zur Smart City

Kölmels Forschung reicht von Innovationsmanagement und technologischer Vorausschau über disruptive und offene Innovation bis zu Forschungs- und Entwicklungsmanagement, Technologiemanagement und Technologieimplementierung. Auch Geschäftsmodell- und Wertdesign, Business Process Management und BPMN-Modellierung, virtuelle Organisationen und Prozessdesign, Corporate Entrepreneurship sowie Customer Centricity gehören dazu.

Weitere Themen sind Produkt-Service-Systeme und Servitization, Industrie 4.0 und 5.0, KI, Blockchain und Smart Systems. In jüngeren Veröffentlichungen ging es unter anderem um Reifegradmodelle für Smart Cities in deutschen Kommunen, die Validierung von Cybersecurity-Investitionen, technologische Treiber der Transformation der Automobilindustrie und Einsatz- und Implementierungsbedingungen von KI.

Behandelt wurden außerdem Geschäftsmodellanpassungen bei Automobilzulieferern, Plattformökonomie und deren Auswirkungen auf Automobilzulieferer, Commodity Traps und Plattformökonomien, die Wirtschaftlichkeit von NB-IoT- und LoRaWAN-Technologien, regionale Innovationsökosysteme, Robotic Process Automation und KI sowie Digitalisierung, Produkt-Service-Systeme und kundenzentriertes Innovationsmanagement.

Mehr als 150 wissenschaftliche Publikationen und über 500 Vorträge bei nationalen und internationalen Veranstaltungen gibt Kölmel an. 2024 erhielt er den Best Reviewer Award des Journal of Engineering Research and Sciences, 2022 den Perspektivenpreis der Hochschule Pforzheim.

An zahlreichen europäischen und deutschen Forschungsprojekten war er beteiligt, darunter TraFoNetz Nordschwarzwald, Digital Hub Nordschwarzwald, EcoAction, Chain Reaction, Integral, UNICORN, PaaSport, GaNEsHA und Drive2Transform. Im Rahmen des TraFoNetz-Projekts war er von 2022 bis 2025 wissenschaftlicher Gesamtprojektleiter und Projektleiter an der Hochschule Pforzheim.

Seit 2012 berät Kölmel Unternehmen und Organisationen zu digitaler Transformation, KI, IoT sowie Innovations- und Technologiemanagement. Dazu kommen Gutachtertätigkeiten für wissenschaftliche Zeitschriften und Konferenzen, die Begutachtung von Forschungsprojekten für deutsche und europäische Institutionen, die Betreuung von Promotions- und DBA-Studierenden sowie Lehrtätigkeit in Master- und Weiterbildungsprogrammen.

Workshops und Schulungen bietet er zu KI, Technologiemanagement, Geschäftsmodellen, Digitalisierung und Industrie 4.0 an. Als Keynote-Speaker und Vortragender spricht er über KI, die Automobilindustrie, Plattformökonomie, Nachhaltigkeit und digitale Transformation. 2026 wurde ein Interview mit ihm unter dem Titel „KI trifft Mittelstand: Transformation im Nordschwarzwald“ im Leistungs- und Gesellschaftsbericht 2025 der Sparkasse Pforzheim Calw veröffentlicht.

Weitere Medienbeiträge mit seiner Beteiligung behandelten die Zukunft der Automobilbranche im Nordschwarzwald, den Einsatz von ChatGPT in Schulen, die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Autos, die Transformation der Automobilindustrie und Zukunftsprojekte des Transformationsnetzwerks Nordschwarzwald. Bei so vielen Themen ist der Kalender vermutlich eher ein Gegner als ein Hilfsmittel.