Akademischer Berufseinstieg wird schwieriger – wie Bremer Hochschulen Studierende vorbereiten
Für Akademiker wird der Start ins Berufsleben spürbar holpriger. Bundesweit stieg der Anteil arbeitsloser Akademiker laut Arbeitsagentur von 2,9 Prozent im Vorjahr auf 3,3 Prozent. Auch in Bremen-Vegesack zeigt sich diese Entwicklung: Im September hatten dort 6,7 Prozent der Arbeitslosen einen akademischen Abschluss. Das waren 457 von insgesamt 6.827 Arbeitslosen.
Die Zahl lag zwar niedriger als im Vormonat, aber höher als im September des Vorjahres. Vor zehn Jahren hatte der Anteil arbeitsloser Akademiker in der Region noch 4,7 Prozent betragen. Gemeint sind dabei sämtliche Akademikerinnen und Akademiker in der Region – nicht speziell die Absolventen der Constructor University.
Viele finden schnell eine Stelle
Die private Hochschule in Bremen sieht ihre Absolventen dennoch vergleichsweise gut vorbereitet. Laut Alumni-Census sind gut drei Viertel der Absolventen in Voll- oder Teilzeit beschäftigt. 11,3 Prozent absolvieren ein weiteres Studium, zehn Prozent sind unternehmerisch tätig, und etwas mehr als sechs Prozent suchen eine Stelle.
Wer eine Beschäftigung aufnimmt, findet sie häufig zügig: 81 Prozent dieser Absolventen kommen innerhalb von sechs Monaten unter. Rund 58 Prozent arbeiten in Deutschland. Von den Absolventen des Jahrgangs 2025 waren drei Monate nach dem Abschluss knapp 35 Prozent beschäftigt, etwa ein Drittel auf Arbeitssuche und gut 21 Prozent in einem weiteren Studium.
Auf längere Sicht arbeiten oder studieren laut Alumni-Befragung rund 90 Prozent der Absolventen in Vollzeit. Die Universität erhebt die Daten zunächst über eine „First-Destination-Befragung“ und fragt anschließend alle drei Jahre nach den weiteren Karriereschritten. Nach eigenen Angaben hat die Constructor University mehr als 9.000 Absolventen aus über 120 Ländern; etwa die Hälfte von ihnen lebt in Deutschland.
Die meisten arbeiten laut Hochschule im IT-Bereich. Danach folgen Gesundheits- und Biotechnologie sowie die Forschung. Das klingt nach einer klaren Richtung, ist aber kein Garantieschein für den ersten Job – gerade dann nicht, wenn sich ganze Branchen neu sortieren.
Berufseinstieg beginnt nicht erst nach dem Abschluss
In Bremen setzt die Constructor University deshalb früh an. Career-Module behandeln Karriereentwicklung, Beratung und Networking. Dazu kommen Karriereseminare und Bewerbungstrainings, verpflichtende Praktika sowie Kontakte zu Unternehmen, unter anderem über Hackathons. Über das Alumni-Netzwerk erhalten Studierende außerdem Mentoring sowie Hinweise auf Praktikums- und Stellenangebote.
Die Berufseinstiegsvorbereitung sei ein fester Bestandteil des Studiums, erklärt die Universität. Das Alumni-Netzwerk reicht dabei weit über den Campus hinaus. Für Studierende kann ein Gespräch mit jemandem, der diesen Weg schon gegangen ist, manchmal mehr bringen als die zehnte glattpolierte Bewerbungsfolie.
Auch die Universität Bremen bietet Unterstützung an. Sie betreibt gemeinsam mit der Arbeitsagentur ein Career Center, unterhält Praxisbüros und Ansprechpartner in den Fachbereichen und bündelt Angebote im Referat Unitransfer. Hinzu kommen Mentoringprogramme sowie Networking- und Kontaktmöglichkeiten über eine Praxisbörse.
Bei einer Befragung im November 2025 gaben etwa 70 Prozent der außerschulischen Masterabsolventen des Jahrgangs 2022/23 an, innerhalb von sechs Monaten nach dem Abschluss eine Stelle gefunden zu haben.
KI verändert die Spielregeln
Parallel übernimmt künstliche Intelligenz zunehmend Routineaufgaben und die Analyse großer Datenmengen. Für Ilya Kompasov, den Leiter des Alumni- und Karriereservices der Constructor University, ist KI deshalb aber nicht pauschal ein „Jobkiller“.
Hochschulen müssten neben Fachwissen Fähigkeiten vermitteln, die schwer automatisierbar sind: Kommunikation, kritisches Denken, Problemlösung, Zusammenarbeit und die Bereitschaft zur kontinuierlichen Weiterentwicklung. Gerade diese Mischung zeigt sich selten in einer einzelnen Klausur. Sie entsteht eher in Projekten, Diskussionen, Gruppenarbeit – und manchmal auch in Situationen, in denen der erste Plan nicht funktioniert.
Die Constructor University untersucht, wie KI Lehre und Lernen verändert. Interne Arbeitsgruppen und ein Zentrum für Lehre und Lernen unterstützen diese Arbeit.
Veränderungen bei der Arbeitslosigkeit ließen sich jedoch nicht allein mit KI erklären, betont Kompasov. Eine Rolle spielen auch die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung, die Nachfrage in einzelnen Branchen, strukturelle Veränderungen des Arbeitsmarktes und die Frage, wie gut Qualifikationen und verfügbare Stellen zusammenpassen.
Für Hochschulen folgt daraus ein ziemlich nüchterner Auftrag: Studierende sollten nicht nur auf einen bestimmten Beruf vorbereitet werden, sondern darauf, sich an einen Arbeitsmarkt anzupassen, der sich weiter verändert. In Bremen beginnt diese Anpassung offenbar schon lange vor dem Moment, in dem die erste Bewerbung abgeschickt wird.
