40 Jahre BMW-Werk Regensburg: Vom Ansiedlungsprojekt zum Produktionsstandort der Neuen Klasse
Regensburg, Uni Regensburg, 21.10.2026: Vor 40 Jahren begann im BMW-Werk Regensburg die Produktion. Was heute nach einer festen Größe der Stadt klingt, war damals ein Vorhaben mit offenem Ausgang. Die Entstehung des Standorts lässt sich besonders gut über jene erzählen, die nah dran waren.
Gespräche mit Zeitzeugen zeichnen diese Entwicklung nach: mit Gertrud Maltz-Schwarzfischer, der späteren Oberbürgermeisterin, Hans Schaidinger, dem späteren Oberbürgermeister, dem ehemaligen Werkleiter Erhard Frank, dem langjährigen Betriebsratsvorsitzenden Werner Zierer und dem Kommunalpolitiker Dr. Rudolf Ebneth. Schaidinger war von Anfang an direkt eingebunden. Gemeinsam mit Günter Stöberl leitete er die städtische Abteilung für Stadtentwicklung.
Vom römischen Fundament zum Autostandort
Die Stadt und der Landkreis Regensburg bereiteten die Ansiedlung bereits in den 1980er-Jahren gemeinsam vor. BMW AG war der Bauherr, die Bauzeit dauerte von 1984 bis 1986. Anlass war die hohe Nachfrage nach der 1976 eingeführten BMW-3er-Serie. 1984 wurde der Grundstein gelegt, im Herbst 1986 startete die Serienfertigung.
Das erste Fahrzeug, ein BMW 3er der Baureihe E30, lief im Oktober 1986 vom Band; im November 1986 begann die Serienproduktion. Im damaligen Ansiedlungsvertrag verpflichtete sich BMW, täglich 400 Fahrzeuge zu produzieren und 3.500 Arbeitsplätze zu schaffen. Daraus wurde deutlich mehr. Heute liegt das BMW Group Werk Regensburg im Süden der Stadt auf rund 140 Hektar, die Koordinaten lauten 48° 58′ 49,4″ N, 12° 10′ 11,7″ O.
Die ersten Meilensteine kamen Schlag auf Schlag: 1990 nahm die Karosseriefertigung den Betrieb auf, 1995 wurde das millionste Fahrzeug in Regensburg gebaut. 1997 folgten das 50.000. M3-Modell und die Inbetriebnahme eines eigenen Presswerks. Bis 1998 wuchs die Belegschaft auf rund 8.000 Mitarbeiter. Dieter Hendel war von 1985 bis 1992 technischer Werkleiter und anschließend bis 1994 Werkleiter.
Immer mehr Modelle, immer mehr Werk
2001 rollte das zweimillionste Fahrzeug vom Band; zugleich fiel die Entscheidung, die BMW-1er-Reihe in Regensburg zu fertigen. 2004 begann die Produktion des BMW 1er, 2005 wurde das dreimillionste, 2008 das viermillionste Fahrzeug hergestellt. 2009 startete die Fertigung des BMW Z4, außerdem wurde das erweiterte Presswerk eröffnet.
Für die Serienproduktion der zweiten BMW-1er-Generation wurde das Werk 2010 umgebaut; 2011 begann deren Fertigung. 2012 starteten die Produktion der sechsten BMW-3er-Generation und umfangreiche Investitionen in Presswerk, Karosseriebau und Logistik. 2018 kam der BMW X2 hinzu.
Zum Standort gehören neben dem Hauptwerk Regensburg 6.1 an der Herbert-Quandt-Allee das Batteriewerk 6.11 an der Leibnizstraße, das Werk Wackersdorf 6.2 und der Innovationspark Wackersdorf. Im Batteriewerk begann 2021 die Batteriezelllackierung, seit 2022 werden dort Batterien gefertigt. Zuvor liefen dort Türen und Klappen vom Band.
Ebenfalls 2022 stellte das Werk auf die Fertigung von Elektrofahrzeugen um und begann mit dem BMW iX1. 2023 folgten der neue BMW X2 und der BMW iX2. Bis 2023 wurden in Regensburg insgesamt 8 Millionen Fahrzeuge gebaut; seit 1986 sind es nach BMW-Angaben neun Millionen. Das neunmillionste Fahrzeug war ein BMW iX1 in der Lackierung „Velvet Orchid II Metallic“. Der nach Kundenspezifikation gefertigte Wagen wurde nach Schweden ausgeliefert.
Eine Linie, drei Antriebe
Heute entstehen rund um die Uhr im Dreischichtbetrieb Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, Plug-in-Hybrid- und vollelektrischem Antrieb auf einer einzigen Produktionslinie. Alle 57 Sekunden kommt ein Fahrzeug hinzu, mehr als 1.400 Fahrzeuge pro Arbeitstag. 2025 stellte das Werk mit 356.901 produzierten Fahrzeugen einen Rekord auf; täglich entstehen laut den vorliegenden Angaben rund 1.400 Fahrzeuge. Derzeit werden die Modelle BMW X1 und BMW X2 produziert. Für 2026 wird nach aktuellem Stand erneut ein Produktionshöchstwert erwartet.
Seit dem Werksbeginn investierte die BMW Group mehr als sechs Milliarden Euro in den Standort. Seit 2019 sanken die Kosten des Werks um mehr als ein Viertel. Digitale Helfer sind längst Teil des Alltags: Künstliche Intelligenz unterstützt die Oberflächenbearbeitung in der Lackiererei und Qualitätskontrollen in der Montage, ein cloudbasiertes Verkehrsleitsystem steuert die Teilebereitstellung. Seit Anfang 2025 fahren Neufahrzeuge automatisiert und fahrerlos vom Montageband zum Verladeplatz. Ein bisschen Science-Fiction zwischen Fördertechnik und Werkshalle.
2026 wurden Anlagen für die künftige Fahrzeuggeneration „Neue Klasse“ umgebaut. Dazu gehört die „Speicherhochzeit“: Hochvoltbatterie und Fahrzeugkarosserie werden schon zu Beginn der Montage verbunden. Seit 2023 flossen rund 400 Millionen Euro in Anlagen und Produktionsstrukturen für die „NEUE KLASSE“. In der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre soll in Regensburg ihre Produktion beginnen.
Auch die Logistik verändert sich. BMW baut für das Werk eine Wasserstoff-Infrastruktur auf; die Umstellung der Intralogistik soll bis 2031 erfolgen. Das Werk gilt als volumenstärkster BMW-Produktionsstandort in Europa. 2025 erhielt es in der Kategorie „Hervorragende Serienfertigung“ die Auszeichnung „Fabrik des Jahres“.
Regensburg, Wackersdorf und das Netz dahinter
In Regensburg und Wackersdorf arbeiten rund 9.000 Menschen, darunter etwa 380 Auszubildende. Die Investitionen wirken sich auch auf regionale Zulieferer, Dienstleister und mittelständische Unternehmen aus. Im vergangenen Jahr produzierte die BMW Group erneut mehr als eine Million Fahrzeuge in Deutschland; etwa jedes vierte in Deutschland produzierte Automobil stammte damit von BMW. Nach dem Prinzip „Local for Local“ entspricht das europäische Produktionsvolumen dem Fahrzeugabsatz der BMW Group in Europa.
Deutschland beschäftigt rund 55 Prozent der BMW-Group-Mitarbeitenden und ist Zentrum eines eng vernetzten Produktions- und Zuliefernetzwerks. Im Innovationspark Wackersdorf arbeiten Zulieferer, Dienstleister und Logistikunternehmen mit BMW zusammen. Das Werk Wackersdorf liegt rund 50 Kilometer nördlich von Regensburg und befindet sich auf einem Teilgelände der in den 1980er-Jahren geplanten Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf. Nach der Einstellung des Projekts infolge von Protesten wurde ein Teilgelände Ende 1989 an BMW verkauft.
Seitdem werden dort Karosserien gefertigt; wegen der Werksnummer 6.2 ist Wackersdorf dem Regensburger Werk zugeordnet. Zum Standort gehören unter anderem die Cockpitfertigung, die Teileversorgung für Überseewerke, ein Türen- und Klappenzentrum für Rolls-Royce sowie ein Batterietestzentrum. Außerdem entsteht dort ein Competence Center Circularity für Fahrzeugdemontage und Wiederverwertung, dessen Inbetriebnahme für 2029 geplant ist.
Das Jubiläum würdigten Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, BMW-Produktionsvorstand Raymond Wittmann, Regensburgs Oberbürgermeister Thomas Burger und Landrätin Tanja Schweiger. In Regensburg und Wackersdorf ist aus dem früheren Ansiedlungsprojekt längst ein weit verzweigter Produktionsstandort geworden. Und während draußen der Herbst über die Uni Regensburg zieht, werden an der Herbert-Quandt-Allee schon die nächsten Anlagen für die „Neue Klasse“ vorbereitet.
