Rund 43,4 Millionen Euro fließen an die RWTH Aachen, damit dort neue Luftfahrtantriebe erforscht und erprobt werden können. Das Geld kommt vom Bund und vom Land Nordrhein-Westfalen. Die Förderbescheide übergab Regierungspräsident Gregor Lange am 30. Oktober 2026 am Institut für Strahlantriebe und Turbomaschinen.

Auf dem RWTH-Campus entsteht damit eine Forschungs- und Testinfrastruktur, die ziemlich nah an der Praxis liegen soll: Das „Testing Center Aviation & Energy“, kurz TCAE, soll die Entwicklung und Erprobung künftiger Flugzeugantriebe ermöglichen. Ein Schwerpunkt liegt auf Wasserstofftechnologien. Die drei geförderten Projekte laufen von 2026 bis 2029. Danach sollen die neuen Prüfstände für Forschungs- und Entwicklungsarbeiten bereitstehen.

Drei Projekte, drei unterschiedliche Prüfstände

Das Projekt „HydRA.NRW“ erhält rund 17,1 Millionen Euro. Geplant sind zwei Prüfstände für Verdichter. Diese Bauteile sind unter anderem für wasserstoffbasierte Flugzeugantriebe relevant. Getestet werden kann damit nicht nur irgendeine Einzelkomponente, sondern ihre Funktion unter Bedingungen, die für spätere Antriebssysteme eine wichtige Rolle spielen.

Weitere 16,4 Millionen Euro gehen an „H2Engine.NRW“. Dafür baut die RWTH einen Prüfstand für komplette Triebwerkssysteme mit bis zu 1.500 Kilowatt Leistung. Im Mittelpunkt stehen künftige Hubschrauberantriebe und die Verbrennung von Wasserstoff. Das ist der Teil des Vorhabens, bei dem es nicht mehr bloß um einzelne Bauteile geht, sondern um das Zusammenspiel eines vollständigen Systems.

„MPP.NRW“ wird mit rund 9,8 Millionen Euro gefördert. Vorgesehen ist eine mobile Testplattform auf einem Lastwagen. Auf ihr sollen elektrische Antriebe mit Brennstoffzellen unter wechselnden Belastungen getestet werden. Der Prüfstand kommt also nicht einfach in eine Halle und bleibt dort – er ist als bewegliche Plattform gedacht.

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Vom Bauteil bis zum vollständigen Antrieb

Die neuen Anlagen sollen Untersuchungen an einzelnen Bauteilen ebenso ermöglichen wie an vollständigen Antriebssystemen. Genau diese Verbindung ist für die RWTH wichtig: Forschung im Detail, aber auch Tests, bei denen viele Komponenten gemeinsam arbeiten müssen. Mit dem TCAE will die Hochschule außerdem die Zusammenarbeit mit Industrieunternehmen ausbauen.

Bei der Förderübergabe eröffnete MTU Aero Engines sein „Center of Competence for Flying Fuel Cell Systems“. Damit steht am selben Ort ein weiterer Schwerpunkt im Umfeld elektrischer Luftfahrtantriebe mit Brennstoffzellen. Auf dem Papier klingt das trocken. In den Prüfständen dürfte es später deutlich lauter werden.

Für die RWTH Aachen beginnt die eigentliche Arbeit nun mit dem Aufbau der Infrastruktur. Bis 2029 sollen die drei Projekte abgeschlossen sein; anschließend sollen die Prüfstände für Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur Verfügung stehen. Wasserstoff, Brennstoffzellen, elektrische Antriebe und neue Triebwerkssysteme landen damit nicht nur in Konzeptpapieren, sondern auf konkreten Testanlagen.