ALSO bringt 60 Lehramtsstudierende an Schulen in Ostsachsen
Nach den Herbstferien 2026 wird es an sechs Schulen in den Landkreisen Görlitz und Bautzen wieder voller: 60 Lehramtsstudierende der TU Dresden starten dort ein semesterbegleitendes Schulpraktikum. Im Schuljahr 2026/27 findet „ALSO – Alternatives Lehramtspraktikum an ausgewählten Schulen in Ostsachsen“ bereits zum dritten Mal statt.
Die Studierenden begleiten im Team jeweils eine fünfte Klasse bis zum Schuljahresende. Einmal pro Woche treffen sie sich zu einem gemeinsamen Lerntag an der Schule. Das verbindet frühe Praxiserfahrung im Lehramtsstudium mit einem Studierendenjob. Vor allem in Deutsch, Englisch und Mathematik unterstützen sie Schülerinnen und Schüler – an Schulen, die von hohem Unterrichtsausfall betroffen sind.
Weniger Plätze, neue Schule
Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der teilnehmenden Studierenden und Schulen gesunken. Das Projektteam nennt organisatorische Schwierigkeiten und fehlende Planungssicherheit als Gründe. Im April 2026 waren die Finanzierungsabsprachen mit dem Freistaat Sachsen für das Schuljahr 2026/27 noch nicht abgeschlossen. Die Bewerbung für das Projekt konnte deshalb nicht rechtzeitig beginnen.
Die Schulen in Malschwitz und Seifhennersdorf setzen ihre Teilnahme aus dem Vorjahr fort. Görlitz, Löbau und Neusalza-Spremberg nehmen zum dritten Mal Nachwuchslehrkräfte auf. Neu dabei ist eine Grundschule in Oppach in der Oberlausitz.
Wer bereits ein ALSO-A-Praktikum mit dem Schwerpunkt Classroom Management absolviert hat, kann 2026/27 auch das B-Praktikum semesterbegleitend machen. Die Studierenden gehören dann zum ALSO-Klassenteam und übernehmen im Verlauf des Schuljahres erste Fachunterrichtsstunden in einer anderen Klasse.
An der TU Dresden werden die Teilnehmenden im ALSO-Projektteam um die Initiatorin Prof. Dr. Anke Langner begleitet und angeleitet. Zur Reflexion ihrer Erfahrungen gibt es Videokonferenz-Coachings und Präsenztage nach dem Einsatz in den fünften Klassen. Dazu kommt das studentische Format „Kollegiale Fallberatung“. Als mögliche Prüfungsleistung können die Studierenden Podcasts mit persönlichen Einblicken und Reflexionen zu ihren Praktika erstellen.
Informationen und Einschreibung
Die Informationsveranstaltung zum Projekt ALSO – Alternatives Lehramtspraktikum im Schuljahr 2026/27 fand am 13. April 2026 um 9:20 Uhr statt, abhängig vom Studiengang in HSZ 004 oder HSZ 003. Für das Lehramt an Oberschulen lief sie in der Vorlesung „Allgemeine Didaktik“ bei Prof.in Anke Langner, Montag, 13. April 2026, 2. Doppelstunde, 9:20 Uhr, HSZ 004. Für das Gymnasium war die Vorlesung „Allgemeine Didaktik und empirische Unterrichtsforschung“ bei Dr. Frank Beier vorgesehen, ebenfalls am Montag, 13. April 2026, in der 2. Doppelstunde um 9:20 Uhr, HSZ 003.
Für das Lehramt an Grundschulen gab es die Information in der Vorlesung „Konzeptionen des Grundschulunterrichts“ bei Dr. Beatrice Rupprecht: Donnerstag, 16. April 2026, 4. Doppelstunde, 13:00 Uhr, BAR SCHOE. Im Anschluss war jeweils ein Austausch mit teilnehmenden Studierenden des aktuellen Schuljahres und/oder Projektmitarbeiterinnen möglich. Weitere Informationen für Studierende stehen auf der Projektwebseite.
Die Einschreibung für das Schuljahr 2026/27 war bis 15. Mai 2026 möglich. Details standen im OPAL-Kurs „ALSO – Alternatives Lehramtspraktikum Ostsachsen“. Teilnehmen können Lehramtsstudierende bereits nach dem ersten Studienjahr sowie in höheren Semestern. Das Praktikum erstreckt sich über nahezu das gesamte Schuljahr und findet semesterbegleitend statt. Nach Ableistung der Pflichtstunden werden weitere Stunden anteilig vergütet.
Zum Konzept gehören angeleitete Reflexion der Praxiserfahrungen, die Verbindung mit theoretischen Inhalten und die Zusammenarbeit der TU Dresden mit den Praktikumsschulen. Entwickelt und erprobt wurde das Praktikumsformat seit 2022 an der Universitätsschule Dresden. Seit dem Schuljahr 2024/25 nutzt das ALSO-Transferprojekt die Erfahrungen aus diesem Schulversuch an Schulen im ländlichen Raum. Wissenschaftlich begleitet und weiterentwickelt wird ALSO von der Professur für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Inklusive Bildung (EWIB) an der TU Dresden.
Zwischen Unterrichtsausfall und Auszeit
Der Bedarf ist nicht schwer zu sehen: In Sachsen fehlen Lehrkräfte, entsprechend fällt viel Unterricht aus. Auch an der Schule von MDR-AKTUELL-Nutzer Marcel Stangl in Kirchberg im Landkreis Zwickau ist Unterricht ausgefallen. Angesichts schlechter PISA-Ergebnisse fragt Stangl, warum Sachsen weiterhin Sabbaticals für Lehrkräfte genehmigt, obwohl darauf kein gesetzlicher Anspruch besteht.
Derzeit nehmen 530 Lehrkräfte in Sachsen eine Auszeit im Rahmen eines Sabbatjahrs. Bei rund 30.000 Lehrkräften entspricht das etwa 1,8 Prozent. Kultusminister Conrad Clemens bezeichnet diesen Anteil als gering und unterstützt die Möglichkeit eines Sabbaticals weiterhin.
Die meisten Lehrkräfte nutzen das Sabbatjahr, um ihren Ruhestand vorzuverlegen. In einer mehrjährigen Ansparphase arbeiten sie mehr beziehungsweise erhalten weniger Gehalt. Das reduzierte Teilzeitgehalt wird während des Sabbatjahrs weitergezahlt. Dafür können sie früher abschlagsfrei in Pension oder Rente gehen.
Für sächsische Lehrkräfte ist das Sabbatical derzeit der einzige Weg in ein Teilzeitmodell. Eine andere Arbeitszeitreduzierung wird nur genehmigt, wenn Lehrkräfte Kinder betreuen oder pflegebedürftige Angehörige versorgen. Burkhard Naumann, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sachsen, hält Sabbatjahre deshalb für wichtig: Sie ermöglichten einen früheren Ruhestand, und Lehrkräfte könnten im Laufe ihrer Berufslaufbahn neue Kraft schöpfen. So ließen sich möglicherweise mehr Menschen länger im Beruf halten.
Naumann fordert sogar mehr Sabbatjahre. Teilzeitkräfte könnten vorübergehend mehr arbeiten und Zeit für eine spätere Auszeit ansparen – vielleicht für einige Jahre später, wenn der Lehrkräftemangel geringer ist.
Ein Moratorium hält Kultusminister Clemens nicht für zielführend. Ein Verbot oder eine Aussetzung würde den aktuellen Unterrichtsausfall nicht kurzfristig beheben. Wer jetzt ein Sabbatjahr beantragt, müsste zunächst mehrere Jahre im Ansparmodell arbeiten. Bis dahin könnten mehr Lehramtsabsolventen verfügbar sein und weniger Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden.
Stefan Kraft, Vorsitzender des sächsischen Landeselternrats, sieht den Lehrkräftemangel ebenfalls als Realität. Schulen benötigten grundsätzlich jede verfügbare Lehrkraft zur Absicherung des Unterrichts. Zugleich könne es berechtigte Gründe für eine zeitlich begrenzte Auszeit geben. Kraft hält es deshalb für sinnvoll und wichtig, jeden Antrag auf ein Sabbatjahr einzeln zu prüfen.
