Im Bielefelder Einrichtungsgeschäft „Sitzformat“ stehen derzeit nicht nur Sofas, Sessel und Wohnaccessoires im Mittelpunkt. Hinter dem Räumungsverkauf steckt eine persönliche Krise: Ladenbesitzer Stefan Meierjohann ist unerwartet an Leukämie erkrankt. Seine Freunde springen ein, damit er sich auf die Behandlung konzentrieren kann.

Begonnen hatte alles mit Unwohlsein und Kurzatmigkeit. Meierjohann wollte deshalb zunächst zu einem Kardiologen. Dann wurde kurzfristig ein Termin frei – und statt einer Herzdiagnose kam die Nachricht von der Leukämie. Anfangs hoffte er noch, die Behandlung mit Tabletten bewältigen und weiterarbeiten zu können. Die Ärzte wiesen ihn jedoch ins Krankenhaus ein und begannen eine Infusionstherapie.

Elf Wochenenden für den Räumungsverkauf

Nach mehreren schlaflosen Nächten fasste Meierjohann einen schweren Entschluss: Er gibt das Geschäft auf. Die Arbeit sei zu anstrengend, zudem sei das Risiko für seine Familie zu hoch. „Sitzformat“ hatte sich seit der Eröffnung 2020 von einer Sofa- und Sessel-Boutique zu einem Geschäft für Wohnaccessoires entwickelt.

Im Laden gibt es unter anderem Polstermöbel einer Manufaktur aus Ostwestfalen, Produkte europäischer Handwerker, Kissen, Decken, Leuchten, Gemälde und weitere Einzelstücke. Auf alle Waren gibt es 30 Prozent Rabatt. Das Finale des Räumungsverkaufs ist für den 19. Dezember angekündigt.

Unter dem Namen „Rudel Power“ organisierte Meierjohanns Freundeskreis die Unterstützung. Eine von seiner Patentante Simone Wehrmann erstellte Helferliste war per WhatsApp schnell vollständig besetzt. Freitags und samstags übernehmen die Freunde den Verkauf. Elf Wochenenden sind dafür vorgesehen.

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Vor dem ersten Einsatz gab es einen Crashkurs: Kartenlesegerät bedienen, Beleuchtung einschalten, Kaffeemaschine in Gang bringen und Kopfrechnen üben. Bei fachlichen Fragen zu den Möbeln oder anderen Waren wollen die Helfer Meierjohann per WhatsApp aus der Klinik kontaktieren. Ein ungewöhnlicher Verkaufsalltag – aber einer, bei dem offenbar jeder Handgriff zählt.

Auch Meierjohanns Frau Katrin und die Söhne Juri (18) und Leo (22) sind von der Situation betroffen und helfen mit. Über Leo bedankte sich Stefan Meierjohann bei seinen Freunden für die Unterstützung seiner Familie.

Waffeln für die DKMS

Zusätzlich plant der Freundeskreis an einigen Wochenenden einen Waffelverkauf. Die Einnahmen sollen vollständig an die DKMS gehen, falls eine Stammzellenspende erforderlich wird. Der Räumungsverkauf ist freitags von 12 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Außerdem beteiligt sich „Sitzformat“ am verkaufsoffenen Sonntag am 3. Advent.

Die DKMS weist darauf hin, dass sich gesunde Menschen im Alter von 17 bis 55 Jahren grundsätzlich als potenzielle Stammzellspender registrieren können. 17-Jährige dürfen noch nicht spenden; ab ihrem 18. Geburtstag werden sie automatisch aktiviert und bei der Spendersuche berücksichtigt. Wer bereits bei der DKMS oder einer anderen Datei registriert ist, muss sich nicht erneut aufnehmen lassen.

Bei chronischen oder anderen schweren Erkrankungen in der Vergangenheit sowie bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme soll vorab die DKMS unter medizinische-spenderanfragen@dkms.de kontaktiert werden. Eine Registrierung ist aktuell ausgeschlossen bei starkem Übergewicht mit einem BMI über 40 oder starkem Untergewicht mit einem BMI unter 16,5, schweren Herz-Kreislauf-, Lungen-, Nieren-, neurologischen oder psychischen Erkrankungen, schweren Stoffwechselstörungen, Tropenkrankheiten oder schweren chronischen Infektionen.

Ausgeschlossen sind außerdem HIV- sowie Hepatitis-B- oder -C-Infektionen, systemische Autoimmunerkrankungen oder andere schwere chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Rheuma, Krebserkrankungen – auch wenn sie bereits ausgeheilt sind –, schwere Erkrankungen des Bluts oder Immunsystems sowie Abhängigkeitserkrankungen von Alkohol, Drogen oder Medikamenten.

Ohne vorherige Rücksprache ist eine Registrierung unter anderem bei einer stabilen, beschwerdefreien Schilddrüsenvergrößerung, Schilddrüsenunterfunktion oder Hashimoto-Thyreoiditis möglich, auch bei Behandlung mit Schilddrüsenhormonen oder Jodid. Morbus Basedow ist ausgeschlossen. Ebenso genannt werden stabil eingestellter Bluthochdruck, Heuschnupfen, leichtes Asthma ohne Anfälle, Nahrungsmittelallergien, unipolare Depressionen ohne Einschränkungen im Alltag, eine mit Eisentabletten gut behandelbare Eisenmangelanämie, Basaliome und vollständig entfernter Gebärmutterhalskrebs in situ.

Eine DKMS-Registrierung ist nur für Personen mit festem Wohnsitz in Deutschland möglich. Wer im Ausland lebt, kann sich beim jeweiligen nationalen Stammzellspenderregister registrieren und dadurch am weltweiten Suchlauf teilnehmen. Eine Liste der nationalen Register stellt die WMDA-Datenbank bereit: https://share.wmda.info/display/WMDAREG/Database#.

Was bei Leukämie im Körper passiert

Blutkrebs umfasst Krebserkrankungen des blutbildenden Systems im Knochenmark. Entartete Zellen vermehren sich stark, sind funktionsunfähig und breiten sich im Knochenmark aus. Dadurch wird die Bildung gesunder Blutzellen behindert. Zu den wichtigsten Formen zählen Lymphome und Leukämien.

Bei Leukämien entstehen die Krebszellen aus frühen Vorstufen der Blutkörperchen, nicht aus bereits fertigen Blutzellen. Diese Vorstufen vermehren sich unkontrolliert und überschwemmen Blut und Knochenmark mit halbfertigen Blutzellen. Gleichzeitig werden normale blutbildende Zellen verdrängt, wodurch das Gleichgewicht der Blutzellen gestört wird.

Unterschieden werden Leukämien nach ihrem Verlauf und nach der betroffenen Zellreihe. Akute Leukämien verursachen innerhalb von Tagen Symptome, chronische Leukämien entwickeln sich schleichend. Lymphatische Leukämien betreffen Vorstufen der Lymphozyten. Myeloische Leukämien gehen von Vorstufen der Zellen aus, aus denen rote Blutkörperchen, Blutplättchen und ein Teil der weißen Blutkörperchen entstehen.

Bei akuten Leukämien soll die Behandlung die entarteten Zellen beseitigen und eine normale Zusammensetzung des Blutes wiederherstellen. Meist beginnt sie mit einer intensiven, stationär durchgeführten Chemotherapie, der sogenannten Initialtherapie. Sie verringert die Zahl unreifer, funktionsunfähiger Zellen in Knochenmark und Blut und ermöglicht die Bildung gesunder, reifer Blutzellen. Danach folgt meist eine etwa einjährige Konsolidierungstherapie.

Welche Behandlung eingesetzt wird, hängt vom Zustand und der körperlichen Belastbarkeit des Patienten ab. Möglich sind eine weitere intensive Chemotherapie, die Transplantation eigener, zuvor entnommener gesunder Stammzellen oder die Transplantation passender fremder Stammzellen.

Bei einer Stammzelltransplantation sollen die erkrankten Knochenmarkzellen dauerhaft durch gesunde Zellen ersetzt werden. Zunächst werden die vorhandenen blutbildenden Zellen durch intensive Chemotherapie und Bestrahlung zerstört. Anschließend werden aufbereitete blutbildende Zellen eines Spenders per Infusion übertragen. Damit der Körper die fremden Zellen dauerhaft annimmt, müssen zahlreiche Merkmale von Spender- und Empfängerzellen übereinstimmen. Deshalb ist ein großer Pool potenzieller Stammzellspender wichtig – während in Bielefeld Freunde zwischen Leuchten, Kissen und Sofas die Kaffeemaschine anschalten und den nächsten Verkaufstag vorbereiten.