BTU Cottbus-Senftenberg steigt im THE-Ranking auf Ranggruppe 801 bis 1.000 ein
Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) ist bei ihrer ersten Teilnahme am THE World University Ranking in die Ranggruppe 801 bis 1.000 eingestuft worden. Das Ranking der britischen Fachzeitschrift Times Higher Education wurde am 30. September veröffentlicht. Heute, am 2. Oktober 2026, ist das Ergebnis auch an der TU Braunschweig ein Gesprächsthema: Die dortige Universität liegt gemeinsam mit der Universität Magdeburg in der Gruppe 651 bis 700 und damit vor der BTU.
Für die aktuelle Ausgabe wurden 2.297 Hochschulen aus 118 Ländern bewertet. THE hatte dafür Daten von mehr als 3.000 Hochschulen erhoben. Vor zehn Jahren erfasste das Ranking noch weniger als 1.000 Einrichtungen. Ab Platz 301 nennt die Zeitschrift keine Einzelplätze mehr, sondern Ranggruppen. Nach Angaben der BTU gehört sie mit ihrem Einstieg damit zu den besten 40 Prozent der weltweit bewerteten Hochschulen.
Internationale Stärke, Forschungsdaten und ein breites Feld
Bewertet wird in fünf Bereichen mit insgesamt 18 Indikatoren. Einbezogen werden Angaben der Hochschulen, Veröffentlichungen, Zitationen sowie weitere Forschungs- und Hochschuldaten. Die BTU erreichte bei der internationalen Ausrichtung 68,4 von 100 Punkten und weltweit Platz 494. In den übrigen Bereichen stehen 44,8 Punkte für Forschungsqualität, 43,0 Punkte für Einnahmen aus der Industrie, 32,3 Punkte für Lehre und 30,3 Punkte für das Forschungsumfeld.
Im deutschen Vergleich liegt die BTU bei der internationalen Ausrichtung auf Platz 26 von 55 – zwischen der Universität Mannheim und der TU Darmstadt. Rund die Hälfte der etwa 7.700 Studierenden kommt aus dem Ausland. THE nennt rund 7.500 Studierende und einen Anteil von 45 Prozent, die nicht ursprünglich aus Deutschland stammen; sie kommen aus 130 Ländern. Die kleine Abweichung dürfte mit unterschiedlichen Erhebungen zusammenhängen, die Angaben stehen so nebeneinander.
BTU-Präsidentin Gesine Grande erklärte, der Einstieg ins THE-Ranking mache Leistungen in Forschung, Lehre und Transfer international sichtbarer. Vizepräsident Wolfram Berger verwies auf internationale Studierende und Forschende sowie auf grenzüberschreitende Kooperationen an der Universität. Zum Wintersemester nahm die BTU mehr als 2.000 neue Studierende auf.
In Deutschland sind 55 Hochschulen im THE-Ranking vertreten. Ganz oben stehen die TU München auf Platz 25, die LMU München auf Platz 41 und die Universität Heidelberg auf Platz 45. Aus Brandenburg finden sich die BTU und die Universität Potsdam in der Liste; Potsdam liegt auf Platz 247. Hinter der Gruppe 801 bis 1.000 folgt die TU Clausthal in der Gruppe 1.001 bis 1.200. In derselben Ranggruppe wie die BTU liegt aus Deutschland nur die Fernuniversität Hagen.
Drei Standorte, sechs Fakultäten und Eisstiel-Brücken
Die BTU hat ihren Hauptcampus in Cottbus. Weitere Standorte liegen in Cottbus-Sachsendorf und Senftenberg, im nordostdeutschen Raum rund 87 Kilometer von Berlin entfernt. Die sechs Fakultäten bündeln verwandte Fachbereiche: Fakultät 1 umfasst Mathematik, Informatik, Physik, Elektrotechnik und Informationstechnik; Fakultät 2 Umwelt- und Naturwissenschaften; Fakultät 3 Maschinenbau sowie Elektro- und Energiesysteme.
In Fakultät 4 sind die Humanwissenschaften angesiedelt, Fakultät 5 vereint Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften. Architektur, Bauingenieurwesen und Stadtplanung gehören zu Fakultät 6. Für Studierende, die nach dem Seminar nicht sofort nach Hause wollen, gibt es Campus TV, produziert von und für Studierende, den Börsenclub Cottbus, zahlreiche Sportvereine – darunter BMX, Angeln und Behindertensport – sowie internationale Clubs für Studierende aus verschiedenen Herkunftsländern.
Auch bei der Wohnungssuche hilft die Universität. Private Wohnheime und Gästehäuser liegen nahe den Campusstandorten, die meisten bieten Einzel- und Doppelzimmer. In einigen Zimmern gibt es viel Platz, eine Küchenspüle, ein Induktionskochfeld und ein eigenes Bad. Mensen versorgen die Studierenden an allen drei Standorten mit Mahlzeiten. Und wer neben dem Studium etwas zurückgeben möchte, wird bei der Suche nach passenden ehrenamtlichen Projekten unterstützt.
Beim Brückenbauwettbewerb wird es dann praktisch: Studierende müssen ihre Bauingenieurkenntnisse einsetzen und eine Brücke ausschließlich aus 250 Eisstielen, 20 Metern Schnur und Klebstoff bauen. Das klingt zunächst nach Basteln am Küchentisch, dürfte aber spätestens beim ersten Knacken der Konstruktion ziemlich ernst werden.
Was ein Ranking zeigt – und was nicht
Das THE-Ranking misst die BTU weltweit anhand von fünf Bereichen und 18 Indikatoren. Für die Studienwahl in Deutschland lohnt daneben ein Blick auf das CHE Hochschulranking, das seit 1998 besteht und seit über 25 Jahren als umfassendes Ranking deutscher Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Dualer Hochschulen gilt.
Das CHE erfasst Bewertungen von mehr als 120.000 Studierenden zu ihren Studienbedingungen, Fakten zu Studium, Lehre, Ausstattung und Forschung sowie rund 40 Fächer an mehr als 300 Hochschulen. Hinzu kommen beschreibende Merkmale zu Studium und Lehre. Verglichen werden Hochschulen nicht als Ganzes, sondern ausschließlich innerhalb einzelner Fächer. Einen Gesamtwert aus gewichteten Einzelindikatoren bildet das Ranking nicht.
Statt einzelner Rangplätze gibt es drei Ranggruppen: Spitzen-, Mittel- und Schlussgruppe. Damit sollen geringe Zahlenunterschiede nicht fälschlich wie große Qualitätsunterschiede wirken. Dargestellt werden unter anderem Lehrangebot, Betreuung und Ausstattung – aus mehreren Perspektiven: mit Fakten zu Fachbereichen und Studiengängen, Einschätzungen von Hochschullehrenden und Bewertungen von Studierenden.
Methodik, Datenerhebung, Datenauswertung und Ranking-Indikatoren werden ausführlich dokumentiert und von verschiedenen Beiräten begleitet. Transparenz, Methodik und Zuverlässigkeit wurden 2014 durch die internationale Ranking-Expertengruppe IREG bestätigt. Das CHE ist für Konzeption, Datenerhebung und Auswertung verantwortlich, DIE ZEIT gibt das Ranking heraus und übernimmt Publikation, Vertrieb und Marketing. Die Ergebnisse sind kostenlos im Internet zugänglich, unter anderem auf „HeyStudium“, dem Studienorientierungsportal der ZEIT. Der ZEIT Studienführer veröffentlicht ausgewählte Ergebnisse und weitere Informationen zur Studienwahl; der DAAD bietet eine englischsprachige Version an.
Für jede Hochschule gibt es in der Regel eine zentrale Ansprechperson, die die Erhebung mit den Fachbereichen koordiniert. Einmal jährlich beraten die zentralen Koordinatorinnen und Koordinatoren mit dem CHE-Ranking-Team über Verbesserungen der Befragungen, die Formulierung der Fragen und die Datenerhebung. Fachbeiräte geben fachbezogene Rückmeldungen zu Daten und Methoden. Die Daten jedes Fachs werden alle drei Jahre neu erhoben, entsprechend werden auch die Fachbeiräte im Dreijahresrhythmus neu zusammengesetzt. In ihnen sitzen Vertreterinnen und Vertreter von Fakultäten- und Fachbereichstagen, Fachgesellschaften sowie Studierenden. Unterstützt wird die Weiterentwicklung durch drei Beiratsgruppen: den Beirat der Hochschulkoordinatorinnen und -koordinatoren, Fachbeiräte sowie weitere methodische beziehungsweise qualitätssichernde Gremien.
Die aktuellen CHE-Meldungen reichen bis in den Sommer 2026: Am 20. Juli wurde angekündigt, dass das Lehramt an Grundschulen erstmals als eigener Studienbereich in die Erhebungen für das CHE Hochschulranking 2027 aufgenommen wird. Am 16. Juli ging es um Wohnformen – mehr als ein Viertel der Studierenden in Deutschland lebt weiterhin bei den Eltern, daneben sind Mietwohnungen und Wohngemeinschaften häufig. Am 22. Juni meldete das CHE die Kooperation mit dem DAAD, am 4. Juni starteten die Erhebungen für das CHE Ranking 2027 mit rund 4.500 Studienangeboten, unter anderem in Mathematik und Naturwissenschaften sowie Medizin, Pflege und Sport.
Am 7. Mai bewerteten Studierende ihre Studienbedingungen im CHE Hochschulranking 2026/27 insgesamt sehr positiv. Bereits am 16. April hatten rund 160 zentrale Hochschulkoordinatorinnen und -koordinatoren am jährlichen Online-Treffen mit dem CHE-Ranking-Team teilgenommen. Während in Cottbus und Senftenberg also internationale Sichtbarkeit, Labore und Brücken aus Eisstielen zusammenkommen, bleibt die Frage nach dem passenden Studienfach eine ziemlich konkrete – und manchmal entscheidet eben auch, ob die Mensa noch offen hat.
