An der Brigham Young University (BYU) im US-Bundesstaat Utah ist eine Debatte über Sportkleidung entbrannt. Auslöser waren Trainingsfotos der Männer- und Frauen-Crosslaufteams, die die Universität auf Instagram veröffentlichte. Darauf trugen Läuferinnen Sport-BHs und kurze, enge Hosen; einige männliche Athleten trainierten ohne Oberteil.

Was auf einer Laufbahn oder im Wald kaum jemand zweimal anschauen würde, sorgte innerhalb der mormonischen Glaubensgemeinschaft für Diskussionen. Die BYU gehört zur „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ und erwartet von ihren Studierenden einen strengen Ehrenkodex – einschließlich Regeln für ein „bescheidenes“ Auftreten.

Sportkleidung zwischen Funktion und Zurückhaltung

Ein Nutzer kritisierte die Kleidung auf X, ehemals Twitter, als nicht vereinbar mit den Vorstellungen von Zurückhaltung. Sein Beitrag wurde mehr als 500.000-mal aufgerufen. Dabei stellte er klar, dass er die Kleidung beider Geschlechter gleich bewerte: Auch die oberkörperfreien Männer kritisierte er.

Die Kirche erklärt, Mitglieder sollten ihren Körper respektvoll behandeln und Kleidung wählen, die nicht unnötig Aufmerksamkeit auf den Körper lenkt. Gleichzeitig erkennt sie an, dass beim Sport bestimmte Kleidung aus Bewegungs- oder Sicherheitsgründen erforderlich sein kann. Danach, so die Empfehlung, sollten sich Sportlerinnen und Sportler möglichst wieder bedecken.

Genau an dieser Stelle gehen die Auslegungen auseinander. Einige Mitglieder fordern mehr Zurückhaltung. Andere verweisen darauf, dass Sport-BHs, enge Laufkleidung und oberkörperfreies Training im Leistungs- und Crosslauf üblich seien. Crosslauf findet auf Wiesen, Waldwegen und anderen unbefestigten Strecken statt; der wechselnde Untergrund verlangt Ausdauer, Kraft und Koordination. Da wird es schnell heiß, schweißtreibend und ziemlich unpraktisch, wenn jedes Kleidungsstück nur nach allgemeinen Alltagsmaßstäben beurteilt wird.

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Was der Ehrenkodex verlangt

Die BYU ist Teil des Church Educational System (CES), das von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage getragen und vom Bildungsrat beziehungsweise den Kuratorien der Kirche geleitet wird. Ziel des CES ist es, Jünger Jesu Christi auszubilden, die in Familie, Kirche und Gesellschaft Verantwortung übernehmen. Der Ehrenkodex soll dieses Ziel unterstützen.

Lehrkräfte, Verwaltung, Mitarbeitende und Studierende verpflichten sich freiwillig, ihr Leben an den Grundsätzen des Evangeliums Jesu Christi auszurichten. Erwartet werden hohe Standards bei persönlichem Verhalten, Ehre, Integrität, Moral und Rücksichtnahme. Mit der Annahme einer Anstellung, der Fortsetzung der Beschäftigung, der Zulassung oder der Fortsetzung des Studiums verpflichtet sich jedes Mitglied der Hochschulgemeinschaft zur Einhaltung des vom Kuratorium genehmigten Ehrenkodexes.

  • Eine kirchliche Bestätigung („Ecclesiastical Endorsement“) aufrechterhalten, den Glauben vertiefen und Evangeliumsstandards einhalten.
  • Ehrlich sein.
  • Keusch und tugendhaft leben; sexuelle Beziehungen außerhalb der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau unterlassen.
  • Auch gleichgeschlechtliches romantisches Verhalten unterlassen.
  • Auf alkoholische Getränke, Tabak, Tee, Kaffee, Vaping, Marihuana und anderen Substanzmissbrauch verzichten.
  • Regelmäßig an Gottesdiensten der Kirche teilnehmen.
  • Andere respektieren und vulgäre oder beleidigende Sprache vermeiden.
  • Gesetze und Campusregeln befolgen, einschließlich der CES-Grundsätze und Erwartungen zu Kleidung und Körperpflege.
  • Andere zur Einhaltung des Ehrenkodexes sowie der CES-Grundsätze und Erwartungen zu Kleidung und Körperpflege ermutigen.

Für die Crosslaufteams kommt damit eine ziemlich konkrete Alltagssituation hinzu: Kleidung muss beim Laufen funktionieren, zugleich aber mit dem Verständnis von Bescheidenheit vereinbar sein. Eine eindeutige Antwort liefert der Ehrenkodex offenbar nicht – und genau deshalb landet die Frage nun in sozialen Netzwerken.

Eine Universität mit großer Lauftradition

Sportlich steht die BYU ohnehin im Rampenlicht. Sie zählt zu den erfolgreichsten Laufprogrammen der NCAA. Das Frauenteam gewann seit 1997 sechs nationale Titel. Das Männerteam wurde 2019 und 2024 NCAA-Meister. Beide Teams gehörten auch 2026 zur nationalen Spitze.

Die Brigham Young University liegt in Provo, Utah, wurde 1875 gegründet und hatte 2005 etwa 27.000 eingeschriebene Studierende. Präsident war Cecil O. Samuelson. Die weltliche Ausbildung steht dabei auf Grundlage der Ideale und religiösen Grundsätze der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

Alle Studierenden unterzeichnen einen Ehrenkodex – unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit. Er verlangt hohe Maßstäbe bei Anstand, Ehrlichkeit, Sittlichkeit und Rücksichtnahme. Dazu gehören eine anständige Ausdrucksweise, die regelmäßige Teilnahme an Gottesdiensten, sexuelle Enthaltsamkeit außerhalb der Ehe sowie der Verzicht auf Alkohol und Rauchen.

Vier Hochschulen, ein religiöser Rahmen

Zur Bildungslandschaft der Kirche gehören neben der BYU die BYU Hawaii, die BYU Idaho und das Ensign College, das im zuvor verwendeten Artikel noch als LDS Business College bezeichnet wurde. Alle bieten weltliche Ausbildung auf Grundlage der Ideale und religiösen Grundsätze der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

Die BYU Hawaii in Laie, Hawaii, wurde 1955 gegründet und hatte 2005 etwa 2.400 eingeschriebene Studierende. Sie bringt Studierende aus 74 Ländern zusammen und wird im Artikel als Universität mit der größten internationalen Bandbreite in den USA bezeichnet. Präsident war Eric B. Shumway; die Website lautet www.byuh.edu.

In Rexburg, Idaho, steht die BYU Idaho. Das ehemalige Ricks College wurde 2000 zur BYU Idaho umgewandelt. Die Universität bietet Studiengänge mit einer Dauer von acht Semestern an, wurde 1888 gegründet und hatte 2005 etwa 12.000 eingeschriebene Studierende. Präsident war Kim B. Clark, ehemaliger Dekan der Harvard Business School. Die Website: www.byui.edu.

Das Ensign College in Salt Lake City, Utah, bietet ein- und zweijährige Berufsprogramme an. Es wurde 1886 gegründet und hatte 2005 insgesamt 1.300 eingeschriebene Studierende. Präsident war Stephen K. Woodhouse; erreichbar ist die Hochschule unter www.ensign.edu.

Und während an der Uni Magdeburg heute, am 25.09.2026, vermutlich andere Fragen über Sportkleidung diskutiert werden, läuft die Debatte in Utah weiter: zwischen Waldweg, Instagram-Post und der ziemlich schmalen Linie zwischen praktischer Trainingskleidung und religiöser Erwartung.