Wenn sich eine Hummel durch einen heißen Sommertag arbeitet, beginnt das Problem womöglich lange vor dem ersten Flug. Forschende der Universität Regensburg haben untersucht, was kurzzeitiger, zyklischer Hitzestress während der Puppenentwicklung der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) anrichtet. Die Studie wurde in Communications Biology veröffentlicht.

Im Labor zogen die Forschenden Larven und Puppen unter kontrollierten Bedingungen auf. So ließen sich Zeitpunkt, Intensität und Dauer der Belastung genau festlegen. Während der etwa acht bis neun Tage dauernden Metamorphose stieg die Temperatur tagsüber in einem 12-Stunden-Rhythmus auf bis zu 38 °C. Nachts herrschten 34 °C – das normale Entwicklungsoptimum.

Hitze hinterlässt Spuren

Bis zu 30 Prozent der Puppen starben. Bei den Tieren, die es bis zum Erwachsenenalter schafften, traten häufiger Entwicklungsstörungen auf: verkrüppelte Flügel und Antennen etwa. Studienleiter Christoph Kurze führt die Schäden vermutlich darauf zurück, dass die Hitze den Gewebeumbau während der Puppenphase beeinträchtigt.

Damit war die Belastung nicht einfach vorbei. Das Sterberisiko der erwachsenen Hummeln verdoppelte sich, ihre Lebensdauer verkürzte sich deutlich. In schweren Fällen könnten die Tiere flugunfähig sein oder einen beeinträchtigten Geruchssinn haben. Nahrung zu sammeln und Nestgenossen zu erkennen, würde dann schwieriger – für eine Hummel keine Kleinigkeit.

Ein einzelnes geschwächtes Tier kann ein Hummelvolk möglicherweise verkraften. Treten solche Schäden jedoch häufiger auf, könnte die Fitness des gesamten Volkes sinken. Ein Rückgang der Hummelbestände hätte weitreichende Folgen für Ökosysteme: Hummeln bestäuben zahlreiche Wild- und Nutzpflanzen und sind damit wichtig für biologische Vielfalt und Lebensmittelproduktion.

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Wer besonders gefährdet sein könnte

Die Dunkle Erdhummel gehört zu den häufigsten Hummelarten in Deutschland und wird auch im Obst- und Gemüseanbau eingesetzt. Für im Boden nistende Erdhummeln halten die Forschenden derart extremen Hitzestress allerdings für eher unrealistisch. Ihre Nester liegen besser geschützt.

Anders könnte es bei oberirdisch nistenden Arten wie der Ackerhummel aussehen. Auch kommerzielle Hummelvölker in Gewächshäusern könnten stärker betroffen sein. Dort können sich Hitze und schlechte Luft regelrecht stauen – ein Umfeld, in dem ein paar Grad mehr schnell zur Belastungsprobe werden.

Die Originalpublikation lautet: Mandlinger, M. M. & Kurze, C. (2026), „Cyclic thermal stress during pupation triggers irreversible carry-over costs in a key pollinator“, Communications Biology, DOI: 10.1038/s42003-026-10940-3.

Wenn das Summen leiser wird

Eine weitere Forschungslinie zeigt, dass Hitze Hummeln auch beim Arbeiten an Blüten beeinflussen kann. Ein Team um Charlie Woodrow von der Universität Uppsala untersuchte, wie Hitze und Schwermetallbelastung die Vibrationsfrequenz von Erdhummeln (Bombus terrestris) verändern. Die Ergebnisse wurden auf der Society for Experimental Biology Annual Conference 2025 vorgestellt und am 22. Juli 2025 veröffentlicht.

Hummeln lösen mit den Vibrationen ihrer Flugmuskeln Pollen aus den Staubbeuteln bestimmter Blüten. Dafür krümmen sie ihren Körper um die pollentragenden Staubbeutel; ihre Flugmuskeln ziehen sich dabei bis zu 400-mal pro Sekunde zusammen. Der Pollen bleibt zunächst im Haarkleid hängen und wird anschließend in den Beinkörbchen gesammelt. Summen ist also nicht bloß Geräuschkulisse, sondern Werkzeug, Kommunikation und auch Abwehr.

Beschleunigungssensoren zeichneten die Schwingungen am Brustkorb der Hummeln oder an besuchten Blüten auf. Wärmebildkameras erfassten die Körpertemperatur während des Summens, Hochgeschwindigkeitsaufnahmen dokumentierten das Verhalten. Dabei beobachteten die Forschenden, dass Hummeln Vibrationen regelmäßig auch durch Beißen auf Blüten übertragen.

Höhere Temperaturen und Schwermetallbelastung verringerten die Vibrationsfrequenz. Der Effekt zeigte sich unabhängig vom Testort und davon, wie gut die Hummeln an das lokale Klima angepasst waren. Die Frequenz scheint daher vor allem von grundlegenden Eigenschaften der Flugmuskulatur abzuhängen – regional an das Klima angepasst wird sie offenbar nicht.

Vibrationsbestäubung kostet Energie. Während des Summens erhitzten sich die Hummeln auf bis zu 40 °C. Bei häufigeren oder stärkeren Hitzeperioden könnten sie dadurch ihre Toleranzgrenzen erreichen und Blüten meiden, deren Bestäubung dieses Vibrationsverhalten erfordert. Solche Pflanzen würden dann seltener bestäubt.

Gestörte Vibrationen könnten außerdem die Kommunikation innerhalb der Kolonie beeinträchtigen. Auch die Temperaturregulation und die Nahrungssuche für den Nachwuchs könnten schwieriger werden. Und nebenbei könnte sich das Summen als Warnsignal nutzen lassen: Veränderungen der Frequenz könnten Hinweise auf Umweltgifte und die Gesundheit eines Ökosystems geben. Forschende könnten damit gefährdete Hummelarten oder belastete Regionen identifizieren.

Das Wissen über die Vibrationen hat sogar eine technische Seite. Es könnte bei der Entwicklung von Mikrorobotern helfen, die Pollen aus Blüten freisetzen. Heute, am 25.09.2026, ist das noch Forschung – während in den Blüten längst weitergesummt wird, manchmal etwas höher, manchmal etwas tiefer, und offenbar nicht ganz ohne Folgen.