Cyberangriff auf die Charité legt Kontaktdaten offen
Med Berlin – Die Berliner Universitätsklinik Charité ist Ziel eines Cyberangriffs auf ihren Webserver geworden. Unbefugte drangen in Server ein und griffen personenbezogene Kontaktdaten ab. Betroffen sind nach Angaben der Charité Mitarbeitende, Studierende, externe Kontakte sowie Menschen, die das Webkontaktformular genutzt hatten – etwa Patientinnen und Patienten zur Online-Terminvereinbarung.
Bei den Daten handelt es sich um Vor- und Nachnamen, E-Mail-Adressen und teilweise um die Organisationszugehörigkeit. Die Krankenversorgung blieb laut Universitätsklinikum unbeeinträchtigt. Das ist für ein Haus dieser Größe keine Nebensache: Der Klinikbetrieb lief weiter, während im Hintergrund Server abgeschaltet und Spuren ausgewertet wurden.
Server vom Netz genommen
Nachdem der Angriff bekannt geworden war, nahm die Charité die betroffenen Server vom Netz und isolierte sie. Die Website war zeitweise nicht erreichbar. Die Klinik leitete Maßnahmen ein, um den Schaden zu begrenzen, analysierte nach eigenen Angaben die Ursache und verstärkte ihre Schutzmaßnahmen.
Alle Betroffenen sollen schnellstmöglich individuell informiert werden. Die Charité steht außerdem im Austausch mit den zuständigen Aufsichts- und Ermittlungsbehörden. Wie viele Personen genau betroffen sind, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor.
Mit der PHP-Sicherheitslücke, wegen der die Website in der Vorwoche beziehungsweise zuvor vorsorglich zeitweise offline genommen worden war, steht der Cyberangriff nach Angaben der Klinik nicht in Zusammenhang. Quelle der am 30. Oktober 2026 um 13:20 Uhr veröffentlichten Meldung ist rbb24 Inforadio; Autor ist Jonas Ziegler.
Gesundheitswesen bleibt ein lohnendes Ziel
Der Vorfall fällt in eine Zeit, in der digitale Systeme im Gesundheitswesen immer dichter miteinander verbunden sind. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) veröffentlichte Mitte April 2026 die Broschüre „Cybersicherheit im Gesundheitswesen 2025“. Sie gibt einen exemplarischen Überblick über die Gefährdungslage im Gesundheitssektor und wertet statistische Daten zu Vorfällen in der Telematikinfrastruktur, bei Leistungserbringern sowie bei Herstellern und Produkten aus.
Im Mittelpunkt stehen unter anderem das E-Rezept, die Sicherheit in der ambulanten Versorgung und vernetzte Medizinprodukte. Seit 2025 müssen alle gesetzlich Versicherten in Deutschland das E-Rezept nutzen. Gleichzeitig häufen sich Meldungen über Verfügbarkeitsprobleme; Verbesserungen werden gefordert. Die BSI-Publikation erläutert, welche Ursachen hinter diesen Schwierigkeiten stehen.
Wegen der anhaltend hohen Gefährdungslage in der ambulanten Versorgung hat das BSI in den vergangenen Jahren mehrere Studien durchgeführt. Sie benennen Verbesserungsmöglichkeiten, etwa Sicherheitsmechanismen in Softwareprodukten. Diese Mechanismen müssen aber auch in den Arztpraxen etabliert und gestärkt werden – auf dem Papier allein läuft kein System stabil.
Von Medizinprodukten bis KRITIS
Die Broschüre informiert außerdem über die Reifegrade der Informationssicherheitsmanagementsysteme von Betreibern kritischer Infrastrukturen, kurz KRITIS. Bereits 2024 berichtete das BSI im „Tätigkeitsbericht Gesundheit – Cybersicherheit im Gesundheitswesen 2023“ über die Arbeitsgruppe AnMedPro. Ihr Ziel war eine Guideline für Medizinproduktehersteller, die bei der Umsetzung regulatorischer Anforderungen helfen soll.
Die aktuelle Broschüre fasst die Ergebnisse dieser Arbeitsgruppe kurz zusammen. Die Handlungsempfehlungen für Hersteller vernetzter Medizinprodukte wurden 2025 veröffentlicht. Das BSI hatte 2023 erstmals ein „Lagebild Gesundheit“ herausgegeben.
Die aktuelle Ausgabe ist digital unter dem Titel „Cybersicherheit im Gesundheitswesen 2025“ verfügbar. Eine gedruckte Ausgabe lag vom 21. bis 23. April 2026 auf der Messe DMEA in Halle 2.2, Stand C-106, aus.
Quelle: BibliomedManager · Quelle: tagesschau.de/rbb24 Inforadio · Quelle: Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
