Demenz vorbeugen: FAU-Forscher erklärt, wann Vergessen zum Warnsignal wird
Vergessen gehört zum Älterwerden – aber wann wird aus einem verlegten Schlüssel ein Warnsignal? Prof. Dr. Mark Stemmler von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) spricht über altersbedingte Gedächtnisveränderungen und mögliche erste Anzeichen einer Demenz.
Sein Vortrag findet am 6. Oktober um 18 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses statt. Veranstaltet wird er im Rahmen der Universitätstage Herzogenaurach. Der Eintritt ist kostenfrei.
Was noch normal ist – und was auffallen sollte
Stemmler stellt den aktuellen Forschungsstand vor und erklärt, wie sich normale Alterserscheinungen von Demenzsymptomen unterscheiden lassen. Dabei geht es nicht nur um das Gedächtnis, sondern auch um die Frage, wann eine Veränderung im Alltag wirklich Gewicht bekommt.
In Deutschland sind rund 1,8 Millionen Menschen von Demenz betroffen. Die Erkrankung bringt erhebliche gesundheitliche und gesellschaftliche Folgen mit sich. Umso wichtiger sei eine frühzeitige Vorbeugung, die bei mehreren Lebensbereichen ansetzen kann: Bewegung, Ernährung, Schlaf und soziale Kontakte zählen zu den Faktoren, die langfristig zur Gehirngesundheit beitragen und das Demenzrisiko möglicherweise senken können.
Auch ein Literaturverzeichnis des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) verweist auf die Breite des Forschungsfelds. Der Text besteht ausschließlich aus 33 wissenschaftlichen Quellen, die zwischen 2011 und 2021 veröffentlicht wurden. Darunter sind Fachbücher, Leitlinien, systematische Reviews, Metaanalysen, Übersichtsarbeiten und Einzelstudien; als Herausgeber oder Institutionen werden unter anderem die WHO, die DGPPN und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie genannt.
Von Bewegung bis lebenslangem Lernen
Die aufgeführten Arbeiten beschäftigen sich mit Veränderungen der Kognition im Alter, leichten kognitiven Störungen und der Demenzdiagnostik. Ebenfalls behandelt werden Prävention und Behandlung kognitiver Beeinträchtigungen sowie der Alzheimer-Krankheit.
Untersucht wurden außerdem kognitives Training, computergestützte Trainingsprogramme und kombinierte kognitive sowie körperliche Interventionen. Körperliche Aktivität, Bewegungsprogramme und Dual-Task-Übungen – also Aufgaben, bei denen gleichzeitig gedacht und gehandelt werden muss – stehen mit möglichen Effekten auf Kognition und exekutive Funktionen im Mittelpunkt.
Bei der Ernährung geht es insbesondere um mediterrane Ernährung, Ernährungsgewohnheiten und mögliche Zusammenhänge mit dem Demenzrisiko, Alzheimer-Biomarkern und Hirnatrophie. Soziale Beziehungen, soziale Teilhabe und Einsamkeit werden im Hinblick auf kognitiven Abbau und Demenzrisiko betrachtet. Bildung, lebenslanges Lernen und kognitiv stimulierende Aktivitäten erscheinen ebenfalls als mögliche Einflussfaktoren.
Daneben führt die Literatur genetische und verhaltensbezogene Risikofaktoren auf. Auch Luftverschmutzung, Lärm, Stress und allostatische Belastung – damit ist die körperliche Beanspruchung durch anhaltenden Stress gemeint – werden als mögliche Umwelt- und Gesundheitsfaktoren untersucht. Hinzu kommen Sturzrisiken bei kognitiv beeinträchtigten älteren Menschen sowie Leitlinien und systematische Übersichten zur Prävention, Diagnostik und Versorgung.
Material für die Informationsarbeit
Für die praktische Vermittlung hat die Deutsche Alzheimer Gesellschaft gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), ehemals Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), ein Informationsangebot zur Demenz-Prävention entwickelt. Es richtet sich an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die über Risikofaktoren und Möglichkeiten der Vorbeugung informieren.
Im Projekt entstanden Vortragsfolien und ein Manual für eine etwa 90-minütige Informationsveranstaltung. Die Materialien können kostenlos angefordert werden. Gedacht sind sie für Menschen mit fundiertem Demenzwissen, etwa Mitarbeitende von Pflegestützpunkten, Alzheimer-Gesellschaften, Lokalen Allianzen für Demenz, Gesundheitskiosken, Seniorenzentren und Apotheken.
Der Vortrag trägt den Titel „Geistig fit bleiben – mit 10 Maßnahmen Demenz vorbeugen“ und dauert ungefähr 90 Minuten. Auf dem Programm stehen der Aufbau und die Funktionsweise des Gehirns, die Schädigung des Gehirns durch Demenzen, Informationen über Vergessen und Erinnern sowie zehn Maßnahmen zur Demenz-Prävention.
Die im Angebot angegebene Kontakt-E-Mail zur Anforderung der Materialien ist unvollständig: „newsdeutsche-alzheimerde“. Weitere Informationen gibt es auf der Website „Gesund & aktiv älter werden“.
Für den Termin in Herzogenaurach bleibt damit eine ganz praktische Frage: Was kann man selbst tun, bevor aus kleinen Unsicherheiten größere Sorgen werden? Am 6. Oktober, um 18 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses, gibt es darauf zumindest reichlich Gesprächsstoff.
