Digitales UKF 2.0: Wie Daten, Sensoren und digitale Zwillinge das Krankenhaus verändern sollen
Am Universitätsklinikum Frankfurt wird am Krankenhaus der Zukunft gebaut – nicht mit Beton, sondern mit Daten, Sensoren und digitalen Anwendungen. Im Projekt „Digitales UKF 2.0 – Die Zukunft der Gesundheitsversorgung“ entstehen Werkzeuge für den Klinikalltag, die Patienten, Pflegekräfte und Ärzte unterstützen und Bürokratie abbauen sollen.
Das Land Hessen fördert das Vorhaben mit 18 Millionen Euro. Die Projektlaufzeit reicht von 2025 bis Ende 2029. Vorgestellt wurden die Entwicklungen beim fünften eHealth-Tag am Universitätsklinikum Frankfurt. Finanziert wird das Projekt durch das Hessische Ministerium für Digitalisierung und Innovation sowie das Hessische Ministerium für Wissenschaft, Forschung, Kunst und Kultur.
5G, Exoskelette und ein wachsames Krankenhaus
Die technische Grundlage steht bereits: Der gesamte Campus ist mit einem 5G-Mobilfunknetz ausgestattet. Auf einer Innovationsstation können neue Apps und IT-Programme zunächst direkt im Patientenbetrieb getestet werden. Was dort funktioniert, kann später in weiteren Bereichen des Klinikums zum Einsatz kommen. Was nicht funktioniert, bleibt hoffentlich nicht lange unbemerkt.
Für Pflegekräfte sollen Exoskelette beim Heben, Umlagern und Bewegen von Patienten eine praktische Hilfe sein. Rücken und Gelenke könnten dadurch entlastet werden. Bewegungssensoren in Patientenzimmern sollen bei Stürzen automatisch das Personal alarmieren. Und Armbänder könnten künftig den Standort von Demenzpatienten anzeigen.
Das „Hospital Command Center“, kurz HCC, soll die Krankenhauslogistik zentral koordinieren. Es erfasst unter anderem in Echtzeit, wie viele Mitarbeiter gerade Dienst haben, welche Betten voraussichtlich bald verfügbar sind und wie sich weitere Betriebsdaten im Krankenhaus entwickeln. Früher arbeiteten die Stationen weitgehend unabhängig voneinander; ein Gesamtüberblick über das Klinikum fehlte.
Gerade bei Hitze kann das entscheidend sein. Daten aus den Hitzewellen der vergangenen Monate sollen helfen, das Patientenaufkommen bei künftigen Extremtemperaturen vorherzusagen. Das HCC soll prognostizieren, wie viele Patienten mit typischen hitzebedingten Krankheitsmerkmalen zu erwarten sind. Während der Corona-Zeit mussten freie Betten teilweise noch telefonisch und über Absprachen zwischen Kollegen organisiert werden. Künftig sollen Engpässe früher erkennbar sein und sich der erwartete Arbeitsaufwand in vergleichbaren Situationen kalkulieren lassen.
Digitale Zwillinge für Menschen und Klinik
„Digitales UKF 2.0“ baut auf dem abgeschlossenen Projekt „Digitales Universitätsklinikum 1.0“ auf. Dort wurden Fortschritte bei der elektronischen Patientenakte, der IT-Infrastruktur und ersten digitalen Versorgungslösungen erzielt. Nun geht es um umfassendere digitale Zwillinge: möglichst vollständige digitale Abbilder von Patientinnen und Patienten sowie ein digitales Abbild des gesamten Universitätsklinikums.
Mit den digitalen Patientenzwillingen sollen sich Behandlungen simulieren, Konsultationen effizienter planen und Versorgungspfade optimieren lassen. Das digitale Klinikabbild könnte beispielsweise zeigen, wie sich die Auslastung der Notaufnahme oder der Intensivstation entwickelt – und wann rechtzeitig Maßnahmen eingeleitet werden müssen.
Das Vorhaben gehört zur Vision „Connected Healthcare“. Der Mensch soll dabei im Mittelpunkt einer digital vernetzten Gesundheitsversorgung stehen. Geplant ist außerdem, die Maßnahmen in bundesweite Vorhaben wie die elektronische Patientenakte und das E-Rezept zu integrieren.
Inhaltlich gliedert sich das Projekt in mehrere Cluster: intelligente Entscheidungshilfen für medizinisches Personal, moderne Telemedizin für eine sektorenübergreifende Versorgung, smarte Logistik und Verwaltung sowie innovative Lernumgebungen für die medizinische Ausbildung. Im Alltag soll das die Versorgungsqualität und Patientensicherheit erhöhen und das Gesundheitssystem zukunftsfähiger machen. Die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie die Unterstützung des medizinischen Personals; Behandlungssicherheit, Effizienz und Patientenorientierung sollen durch digitale Technologien besser zusammenfinden.
Ein Frankfurter Baustein der bundesweiten Digitalisierung
Digitalisierung gilt in Deutschland als zentrale Voraussetzung für eine moderne, effiziente und zukunftssichere Gesundheitsversorgung. Gemeint ist nicht nur ein neuer Bildschirm am Stationsstützpunkt. Schnellere Kommunikation, effizientere Verwaltungsabläufe, weniger Faxnachrichten und Papierformulare gehören ebenso dazu wie Patientendaten, die am benötigten Ort und zum benötigten Zeitpunkt verfügbar sind.
Werden Gesundheitsdaten systematisch und sicher ausgewertet, kann das die Erkennung von Krankheiten erleichtern, eine individuell ausgerichtete Versorgung ermöglichen und neue Heilungschancen eröffnen. Mobile Anwendungen können Patientinnen und Patienten außerdem stärker am Behandlungsablauf beteiligen und ihre Gesundheitskompetenz fördern. Voraussetzung bleibt, dass Gesundheitsdaten unter Wahrung der informationellen Selbstbestimmung erhoben und genutzt werden.
Das Bundesministerium für Gesundheit hat dafür den regulatorischen Rahmen geschaffen und treibt die digitale Transformation voran. Ziel sind bessere Gesundheitsversorgung auf allen Ebenen, moderne Strukturen, eine datenbasierte Versorgung und ein einfacherer Versorgungsalltag – mit konkreten, im Alltag nutzbaren Vorteilen für Patienten, Angehörige, Ärzte und andere Leistungserbringende.
Zu den zentralen Schwerpunkten zählen der stabile Betrieb der Telematikinfrastruktur, die Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte für alle, das E-Rezept und mehr Interoperabilität. Hinzu kommen die Vorbereitung digitaler Elemente des geplanten Primärversorgungssystems sowie eine bessere Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschung, Innovation und Versorgung.
Im Februar 2026 veröffentlichte das BMG eine weiterentwickelte Digitalisierungsstrategie für Gesundheitswesen und Pflege. Erarbeitet wurde sie auf Grundlage eines breit angelegten Beteiligungsprozesses. Berücksichtigt werden unter anderem der Aufbau des Europäischen Gesundheitsdatenraums, Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz sowie Entwicklungen auf globaler, europäischer und nationaler Ebene. Digitalisierung wird darin als wesentliche Säule der Gesundheitsversorgung etabliert.
Umgesetzt wird die Strategie unter anderem durch das Digitalgesetz (DigiG), das Gesetz zur verbesserten Nutzung von Gesundheitsdaten (GDNG) und das Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG). Das DigiG hatte als Kern die Einführung der elektronischen Patientenakte für alle gesetzlich Versicherten. Das GDNG soll insbesondere die Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschung und Innovation verbessern und beschleunigen. Das GeDIG greift zahlreiche Punkte der weiterentwickelten Digitalisierungsstrategie auf und enthält Maßnahmen für nahezu alle digitalisierungsrelevanten Bereiche des Gesundheitssystems.
Dazu kommen der Aufbau und Ausbau digitaler Infrastruktur, neue digitale Services und Anwendungen, das Forschungsdatenzentrum Gesundheit beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sowie die Weiterentwicklung des Interoperabilitätsverzeichnisses der gematik zu einer Wissensplattform. Digitale Innovationen werden außerdem im Rahmen des Innovationsfonds, in experimentellen Pilotprojekten und durch regional oder thematisch ausgerichtete Fördermaßnahmen erprobt.
Orientierung zwischen ePA, DiGA und Telemedizin
Für Bürgerinnen und Bürger bündelt das Nationale Gesundheitsportal gesund.bund.de wissenschaftlich fundierte, neutrale und verständliche Informationen. Dort finden sich Inhalte zu Gesundheitsthemen, Krankheiten und Behandlungsmöglichkeiten, zu Pflegeleistungen und Patientenrechten sowie Erklärungen zu digitalen Angeboten wie ePA, Digitalen Gesundheitsanwendungen und Telemedizin.
Das Portal soll Menschen befähigen, gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten informierte Entscheidungen zu treffen. Eine Arzt-, Krankenhaus- und Apothekensuche sowie die ICD- und OPS-Code-Suche helfen bei der Orientierung. Ergänzend gibt es Informationen zur Digitalisierungsstrategie, zur Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschung und Versorgung und fachlich geprüfte Hinweise zu Krankheiten, ICD-Codes sowie Vorsorge- und Pflegethemen.
Am Frankfurter Universitätsklinikum klingt das alles weniger nach fernem Zukunftsfilm als nach laufendem Betrieb: ein Sensor im Zimmer, ein digitales Lagebild, vielleicht der kurze Blick auf ein Armband. Dazwischen bleiben volle Stationen, echte Menschen und die Frage, ob die Technik im entscheidenden Moment tatsächlich hilft. Genau dafür gibt es die Innovationsstation.
