Am 5. Oktober hat die Pazifikregion „Niño 3.4“ erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen eine durchschnittliche Meeresoberflächentemperatur von mehr als 30 °C erreicht. Die Region liegt im zentralen und östlichen Pazifik und gilt als wichtiger Index für El Niño. Gemessen wurde der Wert vom Climate Reanalyzer.

3,39 °C lag die Temperatur damit über dem Durchschnitt des Referenzzeitraums 1991–2020. Die Kurve war in den vergangenen Wochen beinahe ununterbrochen gestiegen und lag deutlich über sämtlichen Vorjahreswerten. Klimaphysiker Helge Gößling vom Alfred-Wegener-Institut spricht von einem außergewöhnlichen „Super“-Ereignis. Selbst die starken El-Niño-Episoden von 1997 und 2015 waren in dieser Jahreszeit in der Niño-3.4-Region jeweils mehr als 1 °C kühler.

Ein Pazifik auf Rekordkurs

Nicht nur diese Messstation fällt aus dem Rahmen. Die durchschnittliche Meeresoberflächentemperatur aller Ozeane lag zuletzt bei 21,08 °C und damit ebenfalls deutlich über den Werten der Vorjahre. Im Jahresverlauf wurden zeitweise noch höhere globale Durchschnittswerte gemessen. Die Angaben beziehen sich auf die Meeresgebiete zwischen 60° südlicher und 60° nördlicher Breite; die Polarregionen sind ausgenommen.

Die Weltwetterorganisation WMO erwartet zwischen Oktober und Dezember weitere Temperaturrekorde im zentralen und östlichen Pazifik. Der besonders starke El Niño dürfte sich bis Dezember weiter verstärken und dann seinen Höhepunkt erreichen. WMO-Chefin Celeste Saulo sagt, das Phänomen sei bereits eingetreten und nehme rasch an Stärke zu. Mit nahezu 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit soll es bis Februar 2027 anhalten. Damit könnte es zu den stärksten El-Niño-Ereignissen seit Beginn der WMO-Aufzeichnungen 1950 zählen.

Die Messreihe der WMO zeigt, wie schnell sich die Lage zugespitzt hat: Im Juni lag die Niño-3.4-Region 1,6 °C über dem saisonalen Durchschnitt, im August waren es 2,5 °C. Für Oktober bis Dezember werden etwa 3,7 °C über dem saisonalen Durchschnitt erwartet.

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Neueste ECMWF-Modellvorhersagen sehen den Höhepunkt der El-Niño-bedingten Meeresoberflächentemperaturen im zentralen äquatorialen Pazifik um November/Dezember 2026. Für den Niño-3.4-Index wird eine Anomalie von etwa +4 °C prognostiziert. Das würde den bisherigen Monatsrekord von +2,8 °C im November 2015 deutlich übertreffen. Laut Meteorologe Ben Noll haben sich die Vorhersagen nach monatelangen Aufwärtskorrekturen stabilisiert – allerdings auf einem sehr hohen Niveau.

Einige probabilistische Modelle gehen sogar bis auf +5 °C. Dann müsste man, etwas salopp gesagt, die Skala der Vorhersagegrafiken erweitern. Entlang des äquatorialen Pazifiks zeigen die ECMWF-Prognosen für November/Dezember 2026 und Januar 2027 starke warme SST-Anomalien.

Noch heißer wirkt die Lage in der Niño-1+2-Region vor Peru und Ecuador. Dort wurde laut Noll bereits eine Temperaturabweichung von etwa +4,8 °C gemessen; der Rekord von 1983 sei damit übertroffen. Für Oktober 2026 werden dort ungefähr +6 °C über dem Durchschnitt prognostiziert. Für diese Kombination aus Stärke und Region gebe es in der jüngeren Vergangenheit keinen vergleichbaren Präzedenzfall. In der zentralpazifischen Niño-3.4-Region wurden außerdem an 88 aufeinanderfolgenden Tagen tägliche Temperaturrekorde verzeichnet.

Dürre hier, Überschwemmung dort

Weltweit sind überdurchschnittliche Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster zu erwarten. In Indonesien, weiteren Teilen Südostasiens, Teilen des nördlichen Südamerikas und im südlichen Afrika steigt laut Gößling das Risiko ausgeprägter Dürren. Wenn mehrere wichtige Agrarregionen gleichzeitig betroffen sind, kann das die globale Nahrungsmittelversorgung belasten. An der Westküste Südamerikas und in Teilen Ostafrikas wächst dagegen die Gefahr von Starkregen, Überschwemmungen und Erdrutschen. Im östlichen und zentralen Pazifik nimmt das Hurrikanrisiko zu.

El Niño tritt natürlicherweise alle zwei bis sieben Jahre auf. Verursacht wird er nicht durch den Klimawandel, seine Auswirkungen kann er aber verstärken. In der betroffenen Meeresregion steigt warme, feuchte Luft auf; dadurch verändern sich globale Wind- und Luftströmungen.

Saulo betont, El Niño bringe keine zusätzliche Wärme auf die Erde. Er setze Wärme frei, die zuvor unter der Meeresoberfläche gespeichert worden sei. Der Ozean, aus dem diese Wärme komme, sei allerdings so warm wie nie zuvor. Auf starke El-Niño-Ereignisse folgen deshalb häufig besonders warme Jahre – etwa 2024. Gößling hält es für möglich, dass 2027 im Jahresmittel einen neuen globalen Temperaturrekord aufstellt. Ähnliche Rekorde folgten 1998 und 2016 auf die starken El Niños von 1997 beziehungsweise 2015.

Für langfristig neue Hitzerekorde bleibt die menschengemachte Erwärmung der entscheidende Faktor. Künftige starke El-Niño-Ereignisse beginnen dadurch auf einem höheren Temperaturniveau und können weitere globale Temperaturrekorde begünstigen. Nach dem erwarteten Höhepunkt Ende 2026 soll die Intensität laut ECMWF-Saisonprognosen wieder abnehmen. Bis Ende 2027 könnte sich demnach ein La-Niña-Ereignis entwickeln – wobei für die langfristige Entwicklung bis 2027 erhebliche Unsicherheit besteht.

ENSO umfasst beide Phasen: die Warmphase El Niño und die Kaltphase La Niña. Beide verändern großräumige atmosphärische Zirkulationsmuster und verursachen weltweit Abweichungen bei Temperatur, Niederschlag und Bewölkung. Ozean und Atmosphäre im äquatorialen Pazifik bilden dabei ein eng gekoppeltes System: Verändern sich die Meeresbedingungen, reagiert die Atmosphäre – und umgekehrt.

Betroffen sind Meeresoberflächentemperaturen und die vertikale Temperaturstruktur, Meeresströmungen und ihre Stärke sowie die Auftriebsprozesse, das sogenannte Upwelling. Die Folgen reichen von Dürren, Überschwemmungen und Hitzewellen bis zu Veränderungen in Landwirtschaft, Fischerei, Energieversorgung, Gesundheit, Wasserwirtschaft, Verkehr, Tourismus und Finanzmärkten. Es gibt sogar günstige Nebenwirkungen: In Trockengebieten kann mehr Regen fallen, während El Niño im Atlantik häufig mit weniger Hurrikanen einhergeht.

Ein kompliziertes weltweites Echo

El Niño erwärmt den zentralen und östlichen tropischen Pazifik und verlagert die stärkste Konvektion ostwärts. Über mehrere tausend Kilometer entlang des Äquators nehmen Niederschlag und hochreichende Cumulonimbus-Konvektion zu. Die veränderte tropische Konvektion löst atmosphärische Wellen aus, die Energie und Luftmassen bis in die Subtropen und höheren Breiten transportieren. Die Corioliskraft formt diesen polwärts gerichteten Luftmassentransport zu Wellenmustern.

Während El Niño verstärkt sich häufig der pazifische Jetstream; stationäre Wellen verlagern sich ostwärts über den Pazifik und Nordamerika. Dadurch verändern sich Häufigkeit, Stärke, Herkunft und Zugbahnen von Stürmen. El Niño verstärkt außerdem die Hadley-Zirkulation und kann den Jetstream bis nach Nordamerika verlängern. Tropische Konvektion setzt durch Kondensation Wärme in der mittleren und oberen Troposphäre frei, die Hadley-Zirkulation transportiert diese Energie polwärts.

Typisch sind wärmere Winter in Süd- und Südostasien, im südlichen Afrika und im Nordosten Nordamerikas, kühlere Bedingungen im Süden Nordamerikas sowie milde Winter in Teilen Nordamerikas. El-Niño-Jahre erhöhen häufig die globale Jahresmitteltemperatur. Für den El Niño 2015/16 wurde der Beitrag zur globalen Temperatur 2015 auf etwa 8–10 % geschätzt, für den erwarteten Rekord 2016 auf etwa 25 %. Weltweit sind El-Niño-Perioden im Vergleich zu La-Niña-Perioden meist wärmer – überlagert von der langfristigen anthropogenen Erwärmung.

Die Pazifische Dekaden-Oszillation beeinflusst die ENSO-Häufigkeit: Negative PDO-Werte beg