FAU schließt Hochschulsportstandort Nürnberg wegen maroder Sporthalle
Für den Hochschulsport in Nürnberg ist der Platz knapp geworden – und bald ganz verschwunden. Die Schwimm- und Turnhalle des Departments Fachdidaktiken der FAU Erlangen-Nürnberg an der Regensburger Straße wurde wegen ihres schlechten baulichen Zustands stillgelegt. Ursprünglich sollte es deshalb im laufenden Semester überhaupt keinen Hochschulsport in Nürnberg geben.
Nach Protesten von Studierenden wurde zwar noch ein eingeschränktes Ersatzprogramm eingerichtet. Eine dauerhafte Lösung fehlt aber weiterhin. Das betrifft eine Universität mit rund 24.000 Studierenden – entsprechend groß ist der Bedarf an bezahlbaren Sportangeboten neben dem Studium.
Schluss am Campus Regensburger Straße
Nun ist das Ende des Standorts konkret terminiert: Das Sportgebäude am Campus Regensburger Straße (CRS) in Nürnberg schließt zum 31. Juli 2026. Damit endet das Hochschulsportangebot am Standort Nürnberg. Das Ende der Nutzung des gesamten Campus war bereits für 2026 vorgesehen; für den neuen CRS-Standort waren ohnehin nur geringe Sportmöglichkeiten geplant.
Die Lehre im Fach Sport wurde deshalb bereits zum Sommersemester 2026 nach Erlangen verlagert. Eine weitere Nutzung des Sportgebäudes für den Lehrbetrieb ist künftig nicht vorgesehen. Für die Studierenden und Beschäftigten in Nürnberg bleibt ab dem Wintersemester das erweiterte Hochschulsport-Kursangebot in Erlangen. Zusätzlich bieten Sportvereine in Nürnberg Sportangebote für Studierende an – nicht ganz dasselbe wie die Halle gleich ums Eck, aber immerhin eine Möglichkeit.
Teure Reparatur, schwierige Perspektive
Der bauliche Zustand des Gebäudes ist insgesamt schlecht. Das Schwimmbad musste zum 1. Dezember 2025 kurzfristig geschlossen werden. Eine Reparatur der Schwimmbadtechnik hätte hohen finanziellen und zeitlichen Aufwand bedeutet.
Für die FAU ist ein Weiterbetrieb angesichts des Gebäudezustands, der hohen Reparatur- und Betriebskosten, der Verlagerung der sportpraktischen Veranstaltungen nach Erlangen und des bevorstehenden Nutzungsendes wirtschaftlich nicht darstellbar. Eine Übernahme des Gebäudes durch die Stadt Nürnberg, um den Betrieb fortzuführen, wurde geprüft, konnte aber nicht umgesetzt werden.
Ein Nürnberger Problem mit bundesweitem Hintergrund
Wie groß der Sanierungsstau bei Sportstätten ist, untersucht auch ein Projekt der Hochschule Koblenz. Anfang 2021 wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Lutz Thieme vom RheinAhrCampus die Studie „Grundlagen für einen digitalen Sportstättenatlas Deutschland“ veröffentlicht. Im Sommer schrieb das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) ein Folgeprojekt aus.
Gesucht werden dabei einheitlich auswertbare Daten zum Sanierungsbedarf von Sportstätten und zum Versorgungsgrad mit Sportstätten in Deutschland. Den Zuschlag erhielt erneut das Institut für Sportmanagement und Sportmedizinische Technik der Hochschule Koblenz.
Das Vorhaben trägt den Titel „Entwicklung und Validierung eines Verfahrens zur datenbasierten Ermittlung des individuellen Sanierungsbedarfs bundesdeutscher Sportstätten anhand des baulichen Zustands sowie zur Einschätzung des lokalen Versorgungsgrads mit Kernsportstätten“. Die Hochschule Koblenz soll ein Verfahren entwickeln, das den individuellen Sanierungsbedarf anhand des baulichen Zustands und den lokalen Versorgungsgrad mit Kernsportstätten ermittelt.
Die IAKS Deutschland unterstützt das Projekt. Eine belastbare Datensammlung soll helfen, Sportstättenentwicklungsplanung besser zu steuern und zu kontrollieren. In Nürnberg zeigt sich derweil ganz praktisch, was fehlende oder nicht mehr nutzbare Infrastruktur bedeutet: Kurse werden verlegt, Wege länger, und aus einem schnellen Sprung ins Wasser wird eine Fahrt nach Erlangen.
